OÖNachrichten-Leitartikel: "Mensch gegen Maschine, das ewige Duell", von Gerald Mandlbauer

Ausgabe vom 21. Juli 2014

Linz (OTS) - Der Handel hat es vorgemacht, was es heißt, den Menschen durch den Menschen zu ersetzen. Selbstbedienung nennt sich das Prinzip, und es hat sich durchgesetzt - von den Supermärkten bis zu den Tankstellen. Wir wiegen das Obst ab, wir befüllen den Tank, wir beheben Geld am Automaten und machen damit menschliche Arbeitskraft überflüssig. Vergangene Woche, in einem Interview mit den Oberösterreichischen Nachrichten, prophezeite der Chef des Bankenverbandes die nächste bevorstehende Steigerung dieses Prinzips. Flächendeckend werden in den kommenden Jahren in Österreich Bankfilialen ausradiert.
Die dahinterstehende Verdrängung heißt nun nicht mehr Mensch gegen Mensch, sondern Maschine gegen Mensch, und es geht um die uralte Debatte, wie sehr uns Maschinen unserer Lebensgrundlagen berauben dürfen. Die Webstühle aus Gerhart Hauptmanns Drama sind heute Computer, Roboter und "Big Data", digitale Rechen- und Schaltkreise, die bisher den Menschen vorbehaltene Tätigkeiten erledigen. Als Kunden schlüpfen wir in die Rollen unserer Gegenüber, der Lieferanten. Auf dem Spiel stehen in dieser neuen Ökonomie Millionen Arbeitsplätze. Big Data werde ganze Berufszweige erobern, der Roboter die Fabriken dominieren, und die große Frage werde sein, in welchem Ausmaß dieser technologische Schub auch neue Arbeit schafft, so die Prognosen.
Nicht Vernichtung unserer Grundlagen muss zwanghaft die Folge sein. Denn hinter den großen Computern und Robotern und ihren Programmen werden wieder Menschen und ihre menschlichen Kompetenzen und Fähigkeiten stehen müssen, allerdings besser ausgebildete und besser bezahlte. Die Arbeit wandert von unten nach oben, und es bleibt offen, wie der Saldo aussehen wird. Es kann sogar einen Mehrwert ergeben.
Doch sicher ist, dass auch jene leiden werden, die von dieser Entwicklung beruflich profitieren - und zwar werden sie als Kunden betroffen sein. Am besten ist der unter dem Deckmantel der Effizienzsteigerung versteckte Verlust im Flugverkehr zu erkennen. Der Reisende kauft sich online das Ticket, zahlt online, checkt selbst ein und hat fortwährend Stress, weil er keine Ansprechperson mehr findet. Wenn etwas nicht klappt in dieser unpersönlichen Umgebung, landet er in einer Warteschleife - und jedes kleine Extra kostet. Schöne, neue, effiziente Welt?

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