ORF III am Mittwoch: Nazi-Widerstand im kult.Filmsommer mit Fritz Langs "Gehetzt" und Kurzfilm "Germany Calling"

Außerdem: "kreuz und quer" mit "Göttliche Frauen - Als Gott ein Mädchen war" und "Verführt und erpresst"; Teil zwei der Doku "Die Bergretter"

Wien (OTS) - Am Mittwoch, dem 16. Juli 2014, geht "kreuz und quer" mit der Dokumentation "Göttliche Frauen - Als Gott ein Mädchen war" auf Spurensuche nach der verborgenen und oft kontroversen Geschichte der Frauen in den Religionen. "Verführt und erpresst" beleuchtet danach um 21.10 Uhr einen spektakulären Fall von Erpressung in Deutschland, der die Ermittler auf die Spur des Sektenführers Ernani Barretta brachte. In "treffpunkt.medizin" geht es um 22.00 Uhr weiter mit dem zweiten und letzten Teil von Markus Voglauers Dokumentation "Die Bergretter: Am Limit zwischen Schnee und Eis". Für den kult.Filmsommer wählte Filmmuseumsdirektor Alexander Horwarth diesmal zwei filmische Werke, die sich kritisch mit dem Dritten Reich auseinandersetzen: den Kurzfilm "Germany Calling" (22.50 Uhr) von Charles Ridley aus dem Jahr 1941, der zeigt, wie man aus Originalfilmmaterial von Leni Riefenstahl satirische Gegenpropaganda macht und damit Joseph Goebbels zur Weißglut bringt; weiters Fritz Langs zweiter, 1936 in den USA gedrehter Film "Gehetzt" (22.55 Uhr), der mit der Inszenierung eines verzweifelten Pärchens (Henry Fondas und Sylvia Sidney) auf der Flucht nicht nur moralische Fragen von Schuld oder Nichtschuld aufwirft, sondern auch als Kritik an der amerikanischen Rechtsprechung sowie an der Rolle von Massenmedien in politischen Systemen wie dem Dritten Reich darstellt.

Die Sendungen im Detail:

"kreuz und quer": "Göttliche Frauen - Als Gott ein Mädchen war" (20.15 Uhr) und "Verführt und erpresst" (21.10 Uhr)

"Als Gott ein Mädchen war" ist der erste Teil der Trilogie "Göttliche Frauen" der preisgekrönten Historikerin Bettany Hughes. Die Reihe fragt, welche Rolle Frauen im Laufe der Geschichte in den verschiedenen Religionen spielten und spielen, insbesondere beim Entstehen sogenannter institutionalisierter Religionen. In dieser ersten Folge reist die Historikerin ans Mittelmeer in den Nahen Osten und ins moderne Indien.
Die Schweizer Dokumentation "Verführt und erpresst" von Aldo Gugolz beleuchtet die Sekte des Italieners Ernani Barretta. Seine Anhänger waren bereit, ihre Existenz aufzugeben und samt ihrem Vermögen ihrem Meister zu dienen, um das vermeintliche Reich Gottes auf Erden zu verwirklichen. Publik wurden die unlauteren Methoden von Barretta -geprägt von Verführung, Manipulation und Ausbeutung - durch einen missglückten Erpresserfall rund um die reichste Frau Deutschlands, die Milliardärin und BMW-Großaktionärin Susanne Klatten, im Jahr 2009.

"treffpunkt medizin: Die Bergretter: Am Limit zwischen Schnee und Eis" (22.00 Uhr)

Zweiter und letzter Teil einer spannenden Exkursion in die Tiroler Bergwelt: "treffpunkt.medizin"-Moderator Markus Voglauer hat zwei Jahre lang seine Bergretterausbildung filmisch dokumentiert, begleitet von den Kameramännern Manuel Fürntrath und Wout Georg Kichler. "Die Bergretter: Am Limit zwischen Schnee und Eis" zeigt die einzelnen Abschnitte dieser anspruchsvollen Ausbildung und beleuchtet sie von verschiedenen Seiten.

kult.Filmsommer: Kurzfilm "Germany Calling" (22.50 Uhr) und "Gehetzt" (22.55 Uhr)

Der kult.Filmsommer mit Filmmuseumsdirektor Alexander Horwath widmet sich diesmal zwei Produktionen, die zur Zeit des Dritten Reichs entstanden sind, sich allerdings schon damals kritisch damit auseinandersetzten. "Germany Calling" gehört zu Charles Ridleys berühmtesten Kurzfilmen. Er sorgte durch seine Verbreitung im Wochenschau-Verband 1941 für Aufsehen - sehr zum Ärgernis der deutschen Regierung, ließ der Regisseur für den zweiminütigen Film doch eine Militärparade vor den Augen Hitlers zum Song "The Lambeth Walk" (aus dem Musical "Me and My Girl") tanzen. Das Originalfilmmaterial entstammt Leni Riefenstahls Film "Triumph des Willens" aus dem Jahr 1935. Dadurch schuf Charles Ridley ein satirisches Filmwerk, das die Propagandamaschinerie des Dritten Reichs gekonnt durch Witz unterminiert und sich dafür noch dazu ihres eigenen Materials bedient.
Subtiler setzt sich anschließend Fritz Lang in "Gehetzt", seinem zweiten, 1936 in den USA gedrehten Film, mit dem Naziregime auseinander. Der mehrfach vorbestrafte Eddie Taylor (Henry Fonda) will mit der Hilfe seiner Frau Joan (Sylvia Sidney) ein neues Leben beginnen. Doch immer wieder wird ihm seine Vergangenheit vorgehalten. Schließlich wird er beschuldigt, an einem Bankraub mit sechs Todesopfern beteiligt gewesen zu sein und - obwohl er schuldlos ist -zum Tode verurteilt. In der Nacht vor der Hinrichtung gelingt ihm die Flucht, bei der er allerdings den Gefängnispfarrer erschießt. Gemeinsam mit Joan versucht er, nach Mexiko zu entkommen. Das Aufgreifen einer komplexen moralischen Situation und der Frage nach Schuld oder Nichtschuld ist sehr ungewöhnlich für einen Film der 30er Jahre. Henry Fonda und Sylvia Sidney spielen in diesem packenden Film noir das vergeblich kämpfende Paar, dessen Schicksal von dem des historischen Gangsterpaars Bonnie Parker und Clyde Barrow inspiriert war.

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