Papst zu Missbrauch und Mafia: Das Übel ausrotten

Vatikan-Sprecher Federico Lombardi stellt einige Aussagen des Papstes klar, die in der Tageszeitung "La Repubblica" erschienen sind und auf ein Gespräch mit dem Journalisten Eugenio Scalfari beruhen

Vatikan-Rom, 13.07.14 (KAP) Zum zweiten Mal binnen einer Woche hat Papst Franziskus einen energischen Kampf gegen sexuellen Missbrauch in den Reihen der Kirche angekündigt. Die Übergriffe pädophiler Kleriker seien eine "Lepra", gegen die er mit aller erforderlichen Härte vorgehen werde, sagte er in einem Gespräch mit dem italienischen Journalisten und Kirchenkritiker Eugenio Scalfari laut der Tageszeitung "La Repubblica" (Sonntag). Am Montag hatte sich Franziskus erstmals mit Missbrauchsopfern getroffen und eine Null-Toleranz-Linie gegenüber Tätern betont.

Vatikansprecher Federico Lombardi wendete nach der Veröffentlichung allerdings ein, es handle sich nicht um ein Interview im eigentlichen Sinne. Wie nach seinem Gespräch mit Franziskus im Oktober 2013 habe Scalfari dem Papst in dem Bericht auch Worte in den Mund gelegt, die so nicht gefallen seien. So habe Franziskus etwa nicht von Kardinälen gesprochen, die sich des Missbrauchs schuldig gemacht hätten.

Zwar seien nur zwei Prozent der Kleriker Täter, doch dies beruhige ihn überhaupt nicht, so der Papst laut Scalfari. "Und andere, die noch zahlreicher sind, wissen davon und schweigen; sie strafen, aber sagen nicht warum", zitiert er ihn. "Ich finde diesen Zustand unerträglich und es ist meine Absicht, dagegen mit aller nötigen Härte anzugehen", sagte Franziskus laut Scalfari.

Jesus habe den Menschen zwar Barmherzigkeit gepredigt, doch in manchen Augenblicken habe er auch zur Peitsche gegriffen, um den Teufel aus den Seelen zu verjagen. Die Zerstörung einer Kinderseele zähle zum Schlimmsten, was man sich vorstellen könne, so Franziskus.

Erneute Verurteilung der Mafia

Ein energischeres Vorgehen kündigte Franziskus auch gegenüber der Mafia an. Priester in Süditalien stellen sich aus seiner Sicht nicht immer entschieden genug gegen das Phänomen des Organisierten Verbrechens. "Natürlich verurteilen sie die einzelnen Verbrechen, ehren die Opfer, helfen den Familien, so gut sie können. Aber ihre öffentliche und konstante Verurteilung der Mafia ist selten."

Die Kirche werde aber unter ihm im Kampf gegen das organisierte Verbrechens nicht nachlassen. Seine Verurteilung der Mafia vor drei Wochen in Kalabrien werde kein Einzelfall bleiben. Damals hatte Franziskus erklärt, Mafiosi stünden durch ihr Tun nicht mehr in der Gemeinschaft mit Gott und der Kirche; sie seien exkommuniziert.

Mit Blick auf eine Marienprozession in der kalabrischen Gemeinde Oppido Mamertina, bei der es vor einer Woche zur Ehrbezeugung für einen verurteilten `Ndrangheta-Boss kam, sagte Franziskus: "Alles ändert sich gerade und alles wird sich weiter verändern." Er wolle sich künftig genau über das Phänomen Mafia informieren und dazu auch Fachbücher lesen.

In dem Gespräch, das laut Scalfari rund eine Stunde dauerte, äußerte sich Franziskus auch zum Zölibat. Er erinnerte daran, dieses sei in der katholischen Kirche erst 900 Jahre nach Jesu Tod und Auferstehung eingeführt worden. Die Tatsache, dass die orthodoxe Kirche Heiraten von Klerikern teilweise zulasse, sei aber "kein großes Problem" für die Ökumene. Anders als in "Repubblica", sagte der Papst laut Lombardi jedoch nicht, Probleme um den Zölibat bräuchten Zeit und er werde eine Lösung finden.

Unwidersprochen blieben indes Aussagen zum Dialog mit Nichtkatholiken. Demnach kündigte der Papst an, er wolle auch auf die Pfingstkirchen und die Glaubensgemeinschaft der Waldenser zugehen und die Kontakte zum Judentum weiter verstärken.

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