TIROLER TAGESZEITUNG, Leitartikel: "Härteproben und ein Trauerspiel", von Alois Vahrner, Ausgabe vom 13. Juli 2014

In Tirol regieren zwei Partner, die sich nicht grün waren, die aber wollen. Was man im Bund von SPÖ und ÖVP nicht behaupten kann.

Innsbruck (OTS) - Schwarz-Grün in Tirol, bisher in der Kuschelzone, steuert bei Großprojekten auf Härteproben zu. Rot-Schwarz im Bund ist drauf und dran, sich in die Luft zu sprengen.

Schwarz-Grün ist abgestiegen, allerdings mit Wacker Innsbruck nur im Fußball. In der Landespolitik regieren die zwei Parteien, die sich vorher alles andere als grün waren und deren Positionen weit auseinander liegen, für manche vielleicht überraschend friktionsarm. Und das schon seit 14 Monaten. Begleitet von einer Opposition, die (vor allem bei SPÖ und Vorwärts) mit sich selbst beschäftigt war. Mit ÖVP und Grünen sitzen sich zwei Partner gegenüber, die offenbar miteinander wollen - und dabei auch so manches Wahlversprechen über Bord werfen, etwa die Grünen bei der Agrar-Regelung oder die ÖVP zuletzt beim ungeliebten Tempo 100 auf der Autobahn.
Trotzdem: Die wahren Nagelproben stehen erst bevor, vor allem bei großen Kraftwerks- oder Liftprojekten. Die umstrittene Liftverbindung über die Kalkkögel, welche die ÖVP offenbar auch gegen die Grünen durchsetzen will, ist da nur ein Aufgalopp. Irgendwann werden solche Fragen mit "Ja oder Nein" zu beantworten sein - außer man verschiebt alles Strittige auf den Sankt Nimmerleinstag.
In Wien regiert die längst nicht mehr große Koalition aus SPÖ und ÖVP mangels Alternativen seit gut einem halben Jahr erneut. War schon das Koalitionsprogramm enttäuschend, weil völlig unambitioniert, so gibt es mittlerweile nicht einmal mehr die anfangs zur Schau gestellten Freundlichkeiten. Statt "Lieber Werner" und "Lieber Michael" (der Parteichefs Faymann und Spindelegger) werfen sich die Parteien Unfreundlichkeiten an den Kopf. Ob bei Reformen oder Steuern, alles steht. Im Bund regieren zwei, die ganz offensichtlich nicht mehr miteinander können oder wollen. Ein Trauerspiel, das sich die Bürger nicht verdient haben, das aber mit Blick auf sicher scheinende Wahlschlappen wohl trotzdem noch länger weitergehen könnte.

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