UNHCR-Bericht: Europa muss mehr für syrische Flüchtlinge tun

Hohe Schutzquoten und humanitäre Aufnahmeprogramme, aber Sorge über Push-Backs und Aufnahmebedingungen

Genf/Wien (OTS) - In einem heute erscheinenden Bericht ruft UNHCR die europäischen Länder dazu auf, ihre Unterstützung für die Opfer des Syrien-Konflikts zu verstärken. Angesichts des Ausmaßes der Krise seien langfristige Lösungen gefordert. Dies wäre auch ein Zeichen der Solidarität an die Nachbarländer Syriens, die zurzeit die Hauptlast der Fluchtbewegung schultern.

In dem englischsprachigen Bericht "Syrian Refugees in Europe: What Europe can do to Ensure Protection and Solidarity" fordert UNHCR legale Zugangsmöglichkeiten nach Europa sowie faire und effiziente Asylverfahren mit angemessenen Aufnahmebedingungen. Zudem müssten die Länder aktiv Programme entwickeln, die Flüchtlingen des Syrien-Konflikts Schutz und Sicherheit gewähren.

Eine steigende Zahl von Menschen sucht außerhalb der Region Schutz. Auf der Suche nach Sicherheit begeben sich viele auf lange und gefährliche Fahrten. Einige versuchen zudem, zu Verwandten zu gelangen, die bereits in Europa leben.

Seit der Konflikt 2011 ausbrach, haben etwa 123.600 Menschen aus Syrien in Europa Asyl beantragt, 112.170 von ihnen in der Europäischen Union, Norwegen und der Schweiz. Verglichen mit den 2,9 Millionen Menschen, die von Nachbarländern Syriens aufgenommen wurden, sind die Zahlen gering. So haben bis heute nur etwa vier Prozent der syrischen Flüchtlinge in europäischen Ländern um Asyl gebeten.

In dem Bericht werden die europäischen Länder aufgerufen, eine langfristige Strategie zu entwickeln, mit der sie ihrer Verantwortung nach internationalem Recht gerecht werden und Solidarität mit den Nachbarländern Syriens zeigen können.
Gleichzeitig lobt UNHCR den Umgang vieler europäischer Staaten mit syrischen Flüchtlingen, insbesondere das faktische Moratorium über die Rückkehr nach Syrien, den Zugang zu Asylverfahren und die hohen Anerkennungsquoten für Menschen aus Syrien sowie die humanitären Aufnahmeprogramme einiger Staaten, allen voran Deutschland und Österreich.

Der Bericht beleuchtet aber auch Mängel und Praktiken, die UNHCR Sorge bereiten. Dazu zählen unter anderem das Zurückweisen Schutzsuchender, sogenannte "Push-Backs", an den EU-Außengrenzen, langwierige und überlang anhängige Asylverfahren sowie unangemessene Aufnahmebedingungen. Zudem kritisiert UNHCR Hindernisse bei Familienzusammenführungen, fehlende Mechanismen, um besonders schutzbedürftige Asylsuchende zu identifizieren und zu unterstützen sowie Inhaftierungen.

UNHCR ermutigt die Länder Europas, alle Optionen in Betracht zu ziehen, um einen größeren Beitrag zu leisten. Dazu zählen Resettlement, humanitäre Aufnahmeprogramme sowie solche, die durch private Finanzierung ermöglicht werden. Weiterhin sollten andere Möglichkeiten, wie Arbeits- und Studienvisa ausgeschöpft werden. Bis heute haben europäische Länder 31.817 Plätze im Rahmen von Resettlement und humanitären Aufnahmeprogrammen (einschließlich privater Finanzierung) zugesagt, davon allein Deutschland 25.500 und Österreich 1.500.

Der gesamte englischsprachige Bericht ist verfügbar unter:

http://www.refworld.org/docid/53b69f574.html

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Mag.a Ruth Schöffl, Tel.: +43-1/26060 5307, Mail: schoeffl@unhcr.org

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