WirtschaftsBlatt-Leitartikel: "Ein Frage der Perspektive" - von Isabell Widek

Niemand muss zum frühestmöglichen Zeitpunkt in die Rente flüchten

Wien (OTS) - Wen haben Sie vor Augen, wenn Sie an einen 60-jährigen Mann denken? Einen Bauarbeiter mit Rückenschmerzen, der den Tag seiner Pensionierung herbeisehnt, oder einen Manager mit Kieser-Diplom, der mit Feuereifer sein nächstes Projekt plant?

Sie erkennen sicher, in welche Richtung das geht. Einer dieser beiden Berufsgruppen traut jedermann problemlos zu, zehn Jahre weiterzuarbeiten. Der anderen eher nicht.

Das Problem ist nur, dass schon in wenigen Jahren genau das keinem von beiden erspart bleiben wird. Unser Pensionssystem, wie es heute ist, macht es nicht mehr lange. Und Maßnahmen wie die Einführung des Pensionskontos werden - schon aus rein egoistischen, finanziell motivierten Gründen - bewirken, dass die Menschen nicht mehr zum frühestmöglichen Zeitpunkt aus dem Arbeitsleben flüchten.

Die gute Nachricht ist: Das müssen sie auch gar nicht. Denn die stete Überalterung unserer westlichen Welt - und die vergleichsweise niedrige Arbeitslosenquote in Österreich - bewirkt, dass die vorhandenen Arbeitsplätze schon bald mit weit älteren Menschen als bisher besetzt werden müssen (siehe auch Schwerpunkt Seite 2).

Die Alterskurve wird sich in den kommenden 20 Jahren in einem Ausmaß verschieben, dass Arbeitgeber händeringend nach Bewerbern suchen -und trotzdem kein 20-Jähriger Angst haben muss, dass ihm sein Opa den Job wegnimmt. Denn die Unternehmen werden gar nicht mehr groß die Auswahl zwischen einem Unter- oder Über-50-Jährigen haben. Und das ist gut so.

Denn Ältere bringen Erfahrungen in einen Betrieb ein, die -kombiniert mit der Begeisterungsfähigkeit und Ausdauer junger Menschen - die Wettbewerbsfähigkeit der heimischen Wirtschaft nur noch steigern können.

Ringen sich die Politik und Gesellschaft zudem durch, Arbeit nicht nur in der Vollzeitvariante zu akzeptieren, könnte ein österreichisches Best-Practice-Modell daraus werden. Ist alles nur eine Frage der Perspektive.

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