"Gewalt im Namen Gottes": Kirchen arbeiten ihre Geschichte auf

16. Ökumenische Sommerakademie im Stift Kremsmünster eröffnet - Bischof Schwarz: Kirchen haben im Ersten Weltkrieg Gott für sich vereinnahmt

Linz, 10.07.14 (KAP) Die Kirchen in Österreich bekennen sich zum gemeinsamen Einsatz für den Frieden und wollen ihre eigene von Gewalt bestimmte Geschichte aufarbeiten. Das wurde zum Auftakt der diesjährigen Ökumenischen Sommerakademie im Stift Kremsmünster deutlich. Die bereits 16. Sommerakademie mit rund 400 Teilnehmern steht heuer unter dem Generalthema "Gewalt im Namen Gottes. Die Verantwortung der Religionen für Krieg und Frieden".

Der Linzer Bischof Ludwig Schwarz sprach in seinen Eröffnungsworten am Mittwochnachmittag die Rolle der christlichen Kirchen im Ersten Weltkrieg an. Die Kirchen in den Kriegsnationen hätten damals eindeutig Partei ergriffen. Sie seien nicht auf Seiten des Friedens gestanden. "Sie haben Gott für sich selbst vereinnahmt. Man tat innerhalb der eigenen Nation so, als ob das Heil nur mit den eigenen Truppen möglich gewesen wäre", so Schwarz und weiter wörtlich: "100 Jahre nach dem Beginn des Ersten Weltkrieges gibt uns das ein hartes Erbe auf." Den deutlichen Friedensappell von Papst Benedikt XV. habe man in den Kriegsnationen nicht gehört. "Diese traurige Fehlentwicklung ist heute Anlass für Selbstbesinnung und der Anlass für das gemeinsame Auftreten für Frieden", so der Bischof wörtlich.

Der evangelische Bischof Michael Bünker verwies als Vertreter des Ökumenischen Rates der Kirchen in Österreich an das Sozialwort der christlichen Kirchen. Es sei darin eindeutig die Frage gestellt, ob es wirklich gerechtfertigt sei, Kriege unter dem Zeichen des Christlichen zu führen. Im Sozialwort sei auch der Appell enthalten, dass diese Diskussion im Sinne von Friedenssicherung geführt werden muss. Bünker erinnerte auch an die friedensstiftende Arbeit der Kirchen vor 25 Jahren im Osten Deutschlands. Durch die Montagsgebete sei eine friedliche Veränderung Europas ausgegangen. Bünker zitierte den vor wenigen Tagen verstorbene Pfarrer der Leipziger Nikolaikirche: "Wir haben bei den Montagsgebeten zwei Dinge verteilt: ein Liederheft und eine Kerze. Wer ein Liederheft in der einen Hand hat und eine Kerze in der anderen, kann keinen Stein aufheben. Unsere Parole war: Keine Gewalt." - Das sei wohl die "kürzeste Zusammenfassung der Bergpredigt", so der evangelische Bischof.

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