Starkregen, Hitzewellen, Schneechaos - Naturkatastrophen: Mehrheit der Österreicher unterschätzt die Gefahren!

Wien (OTS) - Extreme Wetterphänomene sind in Österreich keine vagen Zukunftsprognosen. Sie sind schon Realität. Die österreichische Bevölkerung ist - weit mehr als sie das persönlich wahrnehmen will -von Naturkatastrophen betroffen. Die Folgen der zunehmenden Extremwetterereignisse werden das tägliche Leben, die Wirtschaft und die Gesellschaft stärker beeinflussen als bisher angenommen - vor allem weil viele Menschen die persönliche Gefährdung nach wie vor stark unterschätzen. Eigeninitiative und vorbeugende Maßnahmen zum Schutz gegen Naturkatastrophen werden in Zukunft wichtiger denn je, erklärten Experten des VVO (Verband der Versicherungsunternehmen Österreichs), KFV (Kuratorium für Verkehrssicherheit) und ZAMG (Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik) bei einer gemeinsamen Pressekonferenz.

Österreichs Extremwetterereignisse erreichen zumeist zwar keine weltweite Aufmerksamkeit, dennoch verursachen sie Jahr für Jahr Schäden in Millionenhöhe. Und immer wieder werden Menschen dabei verletzt oder sogar getötet. "Weltweit sind wetterbedingte Versicherungsschäden in den letzten dreißig Jahren um das 15-fache angestiegen. 2013 beliefen sich die versicherten Schäden aus Naturkatastrophen weltweit auf rund 28 Milliarden Euro. In Österreich ist durchschnittlich alle drei Jahre mit einer Naturkatastrophe in Höhe von mehr als 200 Millionen Euro versicherten Schäden zu rechnen", erläutert Dr. Wolfram Littich, Vorstandsvorsitzender der Allianz Gruppe in Österreich und Vizepräsident des Verbandes der Versicherungsunternehmen Österreichs VVO. "Eigeninitiative zum Schutz gegen Naturkatastrophen wird in Zukunft wichtiger denn je. Einfache Präventionsmaßnahmen können das Schadensausmaß von Naturkatastrophen begrenzen und leisten einen großen Beitrag zur persönlichen Sicherheit", so Littich.

Naturkatastrophen werden in Österreich unterschätzt!

Ein Jahr nach der großen Hochwasserkatastrophe 2013 in Österreich glauben 63 Prozent der befragten Österreicher dennoch nicht, dass sie selbst einmal Opfer einer Naturkatastrophe in ihrem Wohnort werden könnten. 92 Prozent der befragten Personen fühlten sich nur gering oder gar nicht persönlich gefährdet (2013: 93 Prozent).

Gingen im Jahr 2013 einige Wochen vor dem Hochwasser noch 27 Prozent der befragten Personen, die in einer Hochwasserrisikozone leben, von keiner Gefährdung aus, sind es heute ein Jahr danach noch genauso viele Menschen (2014: 28 Prozent), die sich nicht gefährdet fühlen. "Die Menschen unterschätzen die Gefahren, die von Extremwetterereignissen ausgehen stärker als bislang angenommen. Insbesondere die einzelnen Risiken und Risikozonen sind den Menschen nicht genügend bekannt. Dabei gibt es in Österreich kaum ein Bundesland, dass nicht von Extremwetterereignissen betroffen ist", erläutert Dr. Othmar Thann, Direktor des KFV (Kuratorium für Verkehrssicherheit) die bundesweit repräsentative Erhebung.

"Unsere Studien zeigen, dass auch Großereignisse wie das Hochwasser 2013 kein nachhaltiges Umdenken der Bevölkerung bezüglich Sicherheits- und Präventionsverhalten bewirkt: 47 Prozent der Befragten halten bauliche Maßnahmen für nicht notwendig", so Thann. Mindestens 78 Prozent (2013: mindestens 80 Prozent) der Befragten geben an, dass sie über Hygieneartikel für mehr als eine Woche, Batterien für Taschenlampen und einen Grundvorrat an Medikamenten verfügen. Drei Viertel der Befragten besitzt eine Erste-Hilfe-Ausrüstung (2013: 77 Prozent) und zwei Drittel verfügt über Lebensmittelvorräte für mehr als eine Woche. Etwas schlechter fällt die Versorgung mit batteriebetriebenen Radiogeräten (2014: 51 Prozent/2013: 50 Prozent) und Trinkwasser für mehr als eine Woche (2014: 47 Prozent/2013: 46 Prozent) aus.

Extremes Wetter: detaillierte Warnungen und langfristige Strategien zur Anpassung

Der Anfang des Jahres veröffentlichte Weltklimabericht hat gezeigt, dass mit großer Wahrscheinlichkeit Extremereignisse in den nächsten Jahrzehnten häufiger werden. "Darauf muss man auf verschiedenen Ebenen reagieren", sagt der Direktor der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) Dr. Michael Staudinger, "da geht es zum Beispiel um immer genauere Wetterwarnungen für die nächsten Stunden und Tage um Menschen und ihre Güter optimal zu schützen. Da geht es aber auch um eine ständige Verbesserung der Klimamodelle für den sehr komplexen Alpenraum, damit Anwender wie die hydrologischen Dienste oder die Land- und Forstwirtschaft langfristige Anpassungsstrategien erarbeiten können."

Wussten Sie, dass...

... in Wien die Hitzetage (30 Grad und mehr) in den letzten Jahrzehnten um rund 50 Prozent zugenommen haben? (Im Zeitraum 1961 bis 1990 gab es durchschnittlich 9,6 Hitzetage pro Jahr, im Zeitraum 1981 bis 2010 waren es 15,2 Hitzetage pro Jahr.)
... es in Österreich ca. 5-10 Tornados pro Jahr gibt?
... in Österreich rund 600 Erdbeben pro Jahr instrumentell registriert und durchschnittlich 40 Erdbeben pro Jahr von der Bevölkerung auch wahrgenommen werden.
... die am häufigsten von Erdbeben betroffenen Regionen in Österreich das Wiener Becken (nahe der Thermenlinie), das Mur- und Mürztal, sowie das Inntal und der südliche Bereich von Kärnten sind?
... in Österreich pro Jahr zwischen 100.000 und 280.000 Blitze geortet werden?
... man per Mausklick unter http://www.hora.gv.at/ ganz einfach feststellen kann, ob und in welcher Gefahrenzone man sich befindet? ... dass die ZAMG nicht nur die aktuellen Warnungen für Österreich liefert (www.zamg.at/warnungen) sondern auch die offizielle europaweite Warnplattform www.meteoalarm.eu koordiniert?

Einige Sicherheitstipps für den Ernstfall:

Mit gezielten Vorkehrungen soll sichergestellt werden, dass im Falle einer Naturkatastrophe die Grundversorgung der Hausbewohner für mindestens 10 Tage gewährleistet ist.

Vorausschauen

  • Informationen über die Gefahrenstufe des Wohngebietes einholen
  • wichtige Dokumente und eine Sicherungs-CD mit relevanten Daten gesammelt in einer Mappe verwahren
  • wichtige Telefonnummern auch handschriftlich notieren

Vorbereiten

  • Notgepäck
  • Reparaturwerkzeug
  • Alternativen zu Strom: Gas-Kocher, Petroleumofen, Batterieradio, Notbeleuchtung
  • warme Decken/Schlafsack

Vorräte anlegen (Angaben pro Person/Tag)

  • mind. 2,5 Liter reines Trinkwasser
  • 1 kg Lebensmittel (Kohlenhydrate, Eiweiß und Fette)
  • trocken, kühl, dunkel und frostsicher lagern
  • Vorräte bedarfsorientiert ergänzen (z.B. Säuglinge, Kleinkinder, Diabetiker, etc.)
  • Brennmaterial
  • Hausapotheke

Richtig reagieren bei einem Zivilschutzalarm

Dauerton 3 Minuten = Warnung
- Radio/TV einschalten, Nachbarn informieren, im Haus Schutz suchen, Anweisungen der Behörden beachten, nächste Schritte planen

Dauerton 1 Minute = Entwarnung

Weitere Bilder unter:
http://www.apa-fotoservice.at/galerie/5566

Rückfragen & Kontakt:

VVO Versicherungsverband Österreich
Mag. Dagmar STRAIF
T.: 01/711 56/289
F.: 01/711 56/270
E.: dagmar.straif@vvo.at
www.vvo.at

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