"Wir müssen den Turnaround schaffen!"

Mit einem prall gefüllten Auftragsbuch und voller Tatendrang tritt Wirtschaftskammerpräsident Jürgen Mandl seine neue Aufgabe an.

Klagenfurt (OTS) - Die Startposition könnte einfacher sein, der aktuelle Wirtschaftsbericht des IHS lässt an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig: Die wirtschaftspolitische Problemlage habe sich verschärft, es bestehe die Gefahr enttäuschter Erwartungen an die Landespolitik, und es brauche eine entschiedene und mutige Reformorientierung. Konkret bedeutet das: Nach wie vor steht Kärnten bei wirtschaftspolitischen Kennzahlen wie Bruttoregionalprodukt, Wachstum, Kaufkraft oder Einkommen am unteren Ende im Bundesländervergleich. Bei der Arbeitslosigkeit, den öffentlichen Schulden, den Kosten des Gesundheitssystems, der Abwanderung oder der Größe und den Einkommen des öffentlichen Dienstes findet sich Kärnten an der Spitze wieder. Jürgen Mandl, seit Mittwoch Präsident der Wirtschaftskammer Kärnten: "Auch ich persönlich setze viel Hoffnung in den Neubeginn der Landespolitik seit der Landtagswahl und bin über die seitdem spürbaren klimatischen Veränderungen sehr erfreut. Jetzt ist es aber aus Sicht der Wirtschaft Zeit, sich mit den grundlegenden Reformen zu beschäftigen, die dieses Land dringend braucht, um wirtschaftlich nicht den Anschluss zu verlieren und den Turnaround zu schaffen!"

Mensch und Natur im Einklang
Das bedeutet laut Mandl nicht weniger als die Entscheidung, ob Kärnten sich modernisieren und als attraktiver Lebens-, Bildungs- und Wirtschaftsstandort positionieren kann - oder ob das Land weiter ins Hintertreffen gerät und an Bevölkerung, Talenten, Wirtschaftsleistung und letztlich Wohlstand verliert. Mandl: "Ich anerkenne aber den begonnenen, umfassenden Reformprozess der Landesverwaltung." Zur aktuellen Diskussion um das Hotelprojekt in Flattach und die umstrittene Schiroute erneuerte Mandl seine Forderung nach einem Miteinander von Umweltschutz und Wirtschaft. Das Schicksal des 1000-Betten-Hotelprojekts in Flattach sei symptomatisch für die Einstellung der Kärntner Politik zur Wirtschaft im Allgemeinen und den Umgang mit Investoren im Besonderen. Kärnten sei nicht in der Lage, auf solche Unternehmer und solche Investitionen großzügig verzichten zu können. Mandl: "Was wird denn die Politik den Arbeitsuchenden im Mölltal und im Rest Kärntens erzählen, wo sie einen adäquaten Job finden - wenn nicht bei Unternehmen, die ausbauen oder zumindest nachbesetzen? Oder plant man, die Arbeitslosen in Kärnten alle in den öffentlichen Dienst aufzunehmen?" Sein Appell:
"Ich bitte alle zuständigen Politiker und Behörden, an einem Strang zu ziehen und nicht weiter Investoren zu verärgern, die wir dringend brauchen."

Maßnahmenplan der Politik eingefordert
Denn die wichtigste Voraussetzung für den Turnaround sind stimmige Rahmenbedingungen: "Unternehmer sein muss wieder Freude machen", erklärt Mandl, und diese Freude an der selbstständigen Tätigkeit sei in der letzten Zeit angesichts der überbordenden Bürokratie verloren gegangen: "Die erdrückende Verwaltung nimmt uns die Luft zum Atmen und die Zeit, uns um Zukunftslösungen und Innovationen zu kümmern -aber davon lebt die Wirtschaft." Ziel der Wirtschaftskammer werde es auch in den kommenden Jahren sein, Kärnten zum unternehmerfreundlichsten Bundesland Österreichs zu machen mit schlanker Bürokratie, niedrigen Gebühren und Abgaben sowie den besten Förder-, Investitions- und Finanzierungsbedingungen bei gleichzeitiger Verbesserung des Images des Unternehmers in Bevölkerung, Politik und Verwaltung.

Investitionen im Bürokratiestau
Mandl erinnerte in diesem Zusammenhang an Investitionen im Ausmaß von etwa 200 Millionen Euro, die in Kärnten im Bürokratiestau stecken würden, darunter auch die Windkraftanlagen auf der Koralm. Während auf Kärntner Seite aber alle Vorhaben verhindert würden - zum Beispiel durch die kuriose Auflage, Windräder dürften aus einer Entfernung von bis zu 50 Kilometern nicht sichtbar sein -, seien auf steirischer Seite bereits Anlagen im Leistungsvolumen von 80 Megawatt genehmigt. Die Vision von Kärnten als unternehmerfreundlichstem Bundesland sei auch im Koalitionsübereinkommen verankert, betonte Mandl: "Ich ersuche die Politik dringend, das Regierungsprogramm zur Hand zu nehmen und den vereinbarten Maßnahmenplan zu entwickeln. Wir stellen alle Möglichkeiten unserer Wirtschaftskammerorganisation zur Verfügung, um Politik und Verwaltung im Interesse unserer mehr als 30.000 Mitgliedsbetriebe zu unterstützen, wo immer wir gebraucht werden."

Präsident für alle
Wie Mandl betonte, verstehe er sich als Sprecher von 30.000 Betrieben in Kärnten ungeachtet ihrer Größe, ihres Standortes oder ihrer Branche. Er verspreche den Unternehmerinnen und Unternehmern in diesem Land seinen vollsten Einsatz, um die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen zu verbessern und den Stellenwert des Unternehmertums in der Gesellschaft stärker bewusst zu machen. Mandl:
"Allen Funktionären, Fraktionen und Parteien im Lande biete ich die uneingeschränkte Zusammenarbeit zum Wohl der Wirtschaft und ihrer Mitarbeiter an."

WK ist Reformvorbild
Der Politik will Mandl als Wirtschaftskammerpräsident die stetige unternehmerische Bereitschaft zum Wandel vorleben: Die WK habe österreichweit in den vergangenen Jahren bereits tiefe Reformschnitte gesetzt und beispielsweise die Mitgliedsbeiträge um 30 Prozent gesenkt, während die Leistungen für Unternehmer um 30 Prozent erhöht worden seien. Die Strukturen seien verschlankt, die Doppik als zeitgemäßes Buchhaltungssystem eingeführt und eine moderne Kosten-und Leistungsrechnung installiert worden. Diesen Kurs will Mandl weitergehen: "Wir werden die Diskussion um die Mehrfachmitgliedschaften zu einem guten Ende bringen und die Digitalisierung unserer Leistungen im Hinblick auf die zeitgemäße und einfache Inanspruchnahme weiter vorantreiben. Darüber hinaus schlagen wir die Übernahme des Gewerberegisters von den Bezirkshauptmannschaften vor, damit alle Modalitäten der Unternehmensgründung bei uns als One-Stop-Shop erledigt werden können."

Ein-Personen-Unternehmen stärker einbinden
Seine Hauptaufgabe sieht Mandl aber darin, wirtschaftspolitische Schwerpunkte zu setzen. Zum Beispiel für die stark wachsende Zahl an Ein-Personen-Unternehmen (EPU), die Mandl am Herzen liegen: "Eine meiner ersten Maßnahmen in der Wirtschaftskammer Kärnten wird es sein, einen EPU-Ausschuss nach Wirtschaftskammergesetz zu installieren, um die besonderen Bedürfnisse und Anforderungen der Einzelkämpfer - zum Beispiel im Bereich der sozialen Absicherung -noch besser in die Kammer zu integrieren. Einen entsprechenden Auftrag habe ich gestern bereits erteilt." Wobei Mandl klar macht, dass er für einen ganzheitlichen Unternehmerbegriff steht: Es gebe unternehmerische Menschen, die ihre Tatkraft und ihren Einfallsreichtum beruflich selbstständig ausleben wollen - "ob man das alleine oder mit ein paar oder mit ganz vielen Mitarbeitern tut, ist für mich nicht so entscheidend. Auch Einzelkämpfer leisten einen wertvollen Beitrag."

Megathema Industrie 4.0
Besonderes Augenmerk will Mandl auch auf die in Kärnten heimischen Industriebetriebe legen: Sie müssten unterstützt und erhalten werden. Der neue WK-Präsident spricht in diesem Zusammenhang von einer "Reindustrialisierung 4.0", die nichts mit rauchenden Schloten, sondern mit hochspezialisierten Produktionseinheiten für Kleinserien oder individuell gefertigte Erzeugnisse zu tun hat. Mandl: "Unter dem Begriff Industrie 4.0 sollen Fertigungs- und IT-Industrie verschmelzen, um eine möglichst kostengünstige und flexible Produktion mit immer schnelleren Innovationszyklen zu erzielen. Das ist für die deutsche Wirtschaft derzeit ein Megathema und sogar ein Zukunftsprojekt in der Hightech-Strategie der deutschen Bundesregierung. Wir werden uns bemühen, dass auch der Kärntner Mittelstand von diesem Trend profitiert."

Hoffnungsgebiet Außenwirtschaft
Als weiteres zentrales Thema nennt Mandl die Exportwirtschaft: "Schon heute verdient Kärnten jeden zweiten Euro außerhalb des Landes. "Nur zwei Zahlen, um die Bedeutung des Exports zu zeigen: Eine knappe Milliarde Euro wird auch wieder unser Handelsbilanzüberschuss betragen, und 70.000 Arbeitsplätze in Kärnten hängen direkt mit der Außenwirtschaft zusammen. Und rund um uns liegt die Alpen-Adria-Region, nicht nur einer der schönsten Lebensräume, sondern auch ein Wirtschaftsraum ist mit fünf Millionen Einwohnern und allen Möglichkeiten, die man sich als Unternehmer nur wünschen kann."

Kärnten rückt ans Meer
Eine Jahrhundertchance sieht Mandl beispielsweise im Zusammenschluss der Nordadriahäfen Venedig, Triest, Koper und Rijeka zur North Adriatic Ports Association (NAPA). "In Verbindung mit der Baltisch-Adriatischen Achse ergeben sich damit neue Warenkorridore von Asien über die Adriahäfen nach Osteuropa. Das ist für die Reedereien um bis zu sieben Tage kürzer als die übliche Strecke bis Rotterdam - und Zeit ist Geld." Rund um das bestehende Logistik-Terminal in Fürnitz könnte ein Trockenhafen ("Dry Port") als Containerumschlagplatz von europäischen Dimensionen entstehen. Mandl:
"Das ist in Verbindung mit dem Koralmtunnel eine große Infrastrukturchance für Kärnten, die wir nützen werden."

Schnelles Internet bis in die Regionen
Nachholbedarf in Sachen Infrastruktur sieht Mandl beim Breitband-Ausbau: Nach wie vor seien weite Teile Kärntens nicht mit Hochleistungsinternet via Glasfaserkabel versorgt, im Vergleich mit dem gut ausgebauten Oberösterreich schneide der Süden schlecht ab. Mandl: "Hier muss das Land seine Hausaufgaben machen und eine entsprechend hochwertige Versorgung vor allem in den ohnehin in vielen Belangen benachteiligten Regionen sicherstellen."

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