Druck in der Maschinen- und Metallwarenindustrie steigt weiter

KMU müssen 2014 laut aktueller IWI-Branchenstudie besonders kämpfen - sinkende Preise und Erträge setzen Maschinenbauern massiv zu

Wien (OTS/PWK473) - Die heuer zum zweiten Mal durchgeführte
Umfrage des Industriewissenschaftlichen Instituts zur Standortbestimmung der Branche zeigt, dass die Maschinenbauer die Konjunktur 2014 insgesamt zwar etwas positiver einschätzen als im Vorjahr, das Wirtschaften aber schwieriger wird. Dafür verantwortlich: fallende Preise, immer aufwändigere Akquise, schwankende Aufträge, wachsende Konkurrenz aus dem Ausland und schwierige Produktionsbedingungen in Österreich. Über ein Viertel der KMU rechnen mit weniger Nachfrage. Sinkende Preise und Erträge setzen der Branche massiv zu.

Wie schon im Vorjahr hat das Industriewissenschaftliche Institut (IWI) auch heuer im Auftrag des Fachverbands der Maschinen- und Metallwarenindustrie (FMMI) eine Umfrage unter den Betrieben der österreichischen Schlüsselindustrie durchgeführt. Das Ziel: deren Einschätzung der konjunkturellen Entwicklung in der Branche, der Wettbewerbssituation sowie der spezifischen Rahmenbedingungen und Herausforderungen auszumachen.

Druck auf Unternehmen steigt

Die gute Nachricht zuerst: Im Durchschnitt erwarten die Betriebe für 2014 eine neutrale (46 %) bis positive Entwicklung (30 %) bei der Nachfrage, wobei die KMU mit 50 bis 249 Mitarbeitern wesentlich skeptischer sind als die großen Betriebe mit mehr als 250 Mitarbeitern. Die KMU sehen die Konjunkturentwicklung zu gut einem Viertel negativ, während das bei den Großen nur 4 % tun. Trotz der insgesamt optimistischeren Einschätzung gegenüber dem Ergebnis der Befragung im Vorjahr ist festzuhalten, dass die Teilnehmer bei der Befragung im vergangenen Jahr die Konjunkturentwicklung für das heurige Jahr doch deutlich hoffnungsvoller eingeschätzt hatten.

Bei den Umsätzen scheiden sich die Geister je nach Unternehmensgröße. Während 55 % der Unternehmen mit mehr als 250 Beschäftigten für 2014 Zuwächse erwarten, geht bei den Klein- und Mittelbetrieben nur ein Fünftel von einem Anstieg aus. Auch bei den operativen Erträgen gibt es beträchtliche Unterschiede: 60 % der kleinen Betriebe im Vergleich zu 36 % bei den Großen glauben, dass diese heuer fallen werden. "Der Umstand, dass bis zu 61 % der Unternehmen mit höherer Exportquote von sinkenden Erträgen ausgehen, ist ein wichtiges Indiz dafür, wie sehr der Druck auf dem Weltmarkt steigt", erklärt dazu IWI-Geschäftsführer Herwig W. Schneider.

Schwierige Akquise und dünne Luft für die Betriebe

Aufträge zu lukrieren und abzuarbeiten, wird für die Betriebe der Maschinen- und Metallwarenindustrie zunehmend schwieriger: So gaben heuer 59 % an, dass die Vorläufe noch kürzer werden (2013 waren es 46 %), und auch die Eingangsschwankungen nehmen laut 55 % zu (2013: 38 %). Parallel erklärten 49 % (2013: 31 %), dass der Umfang für die Bearbeitung steigt. Bei diesen drei Kennzahlen waren es jeweils die großen Betriebe mit dem höchsten Personalstand, die den Druck besonders stark spürten. Gleichzeitig versuchen die Unternehmen der Branche, ihren typisch hohen Personalstand weiter zu halten.

Massiv im Anstieg ist auch der Akquise-Aufwand. 65 % der Befragten - 5 % mehr als im Vorjahr - gaben heuer an, dass dieser weiter wächst. Gleichzeitig fallen die Preise, die die Unternehmen für ihre Produkte erzielen können. Die Unternehmen sehen keine Chancen, ihre Preise zu erhöhen, durchschnittlich 38 % - bei den ganz Kleinen sogar 80 % - beobachten eine eindeutig negative Preisentwicklung.

"Wir beobachten schon länger, dass die Unternehmen trotz vorhandener Aufträge und Umsätze weniger verdienen können. Dank dieser Umfrage können wir den Trend besser beziffern", meint Christian Knill, Obmann des FMMI, der rund 1.200 Unternehmen mit über 120.000 Beschäftigten vertritt. "Deshalb waren uns die üblichen Konjunktur-Studien, die sich vor allem auf die Auftrags- und Produktionsmenge konzentrieren, zur Standortbestimmung nicht mehr aussagekräftig genug. Denn wichtig für die Zukunft ist ja, wie viel den Betrieben übrig bleibt, um Löhne und Gehälter zu zahlen, in Entwicklung und Akquise zu investieren, Rücklagen zu bilden und so weiter." Dass gerade die KMU sich besonders schwer tun, wertet Knill für die Branche, die zu rund 80 % aus KMU besteht, als deutliches Warnsignal.

Die Märkte und der Wettbewerb
Österreich und Europa sind für je rund ein Drittel der Befragten als Markt von "extrem großer Bedeutung". Je größer die Unternehmen sind, umso wichtiger werden für sie allerdings Asien und Nordamerika. Je bedeutender für die Mitglieder die Auslandsmärkte werden, umso weniger sehen die Betriebe Zukunftschancen am heimischen Markt. "Gleichzeitig kommt der starke Konkurrenzdruck von außerhalb Europas - generell wird der Wettbewerb in der Branche international dominiert", so Studienautor Schneider.

Zu hohe Arbeitskosten gefährden Branche

Trotz zunehmender internationaler Konkurrenz und sinkender Erträge wettbewerbsfähig zu bleiben, ist somit die große Herausforderung für die Unternehmen, die zusätzlich mit den rapide steigenden Arbeitskosten der heimischen Industrie kämpfen. Seit 2008 sind diese fast doppelt so stark gestiegen wie der EU-Durchschnitt, nämlich um knapp 19 %. Entsprechend wichtig ist es für die Branche, die Rahmenbedingungen an die heutigen Marktanforderungen anzupassen. Der FMMI-Obmann sieht die KV-Verhandlungsinhalte der letzten Jahre durch die IWI-Studie eindeutig bestätigt. "Die Unternehmen rufen nach flexibleren Arbeitszeitregelungen auf betrieblicher Ebene, um Auftragsschwankungen sinnvoll ausgleichen und ihr Personal halten zu können. Und sie warnen angesichts sinkender Erträge und steigender Arbeitskosten vor übertriebenen Lohn- und Gehaltssteigerungen. Unsere Forderung, die existenzbedrohend hohen österreichischen Lohnnebenkosten zu senken, geht allerdings nicht an den Sozialpartner, sondern an die Regierung", fasst Christian Knill die dringendsten Bedürfnisse der Maschinenbauer zusammen.

Hintergrund

Der Fachverband der Maschinen- und Metallwarenindustrie ist die gesamtösterreichische Vertretung aller Unternehmen aus den Industriezweigen Maschinenbau, Anlagenbau, Stahlbau und Metallwaren, die im Jahr 2013 gemeinsam einen Produktionswert von 34,5 Milliarden Euro erwirtschafteten. Die mittelständisch strukturierte Branche stellt mit über 1.200 Unternehmen und rund 120.000 Beschäftigten das Rückgrat der industriellen Beschäftigung in Österreich dar. Oberstes Ziel des Fachverbandes ist die Mitwirkung an der Gestaltung von maßgeblichen rechtlichen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, um den erfolgreichen Fortbestand der Unternehmen der Maschinen- und Metallwarenbranche im internationalen Wettbewerb und Arbeitsplätze zu sichern. (KR)

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Dr. Berndt-Thomas Krafft
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