Kinderbetreuungsplätze: Endlich Einigung auf Ausbau Sommer-Schließzeiten stellen viele Eltern vor Probleme

Linz (OTS) - Der öffentliche Druck der Arbeiterkammer hat gewirkt:
Die Bundesregierung hat sich mit den Ländern auf eine Vereinbarung zum weiteren Ausbau der Kinderbetreuungseinrichtungen geeinigt. Das ist gerade für Oberösterreich wichtig, denn unser Bundesland hat massiven Aufholbedarf bei der Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Allerdings hat der Vertrag einige Mängel, kritisiert AK-Präsident Dr. Johann Kalliauer: "Das ist nicht unbedingt das Gelbe vom Ei. Zum Beispiel wurde von der geplanten Investitionssumme des Bundes von 400 Millionen Euro fast ein Viertel gestrichen."

Nach wie vor sind Beruf und Familie für zahlreiche Eltern nicht vereinbar. Beinahe täglich melden sich Betroffene in der AK, um auf diesen untragbaren Zustand hinzuweisen: Die Arbeitszeiten passen oft nicht mit den Öffnungszeiten der Kinderbetreuungseinrichtungen zusammen, in jeder vierten Gemeinde wird kein warmes Mittagessen angeboten, oft stimmen Öffnungs- und Schließzeiten der Kinderbetreuungseinrichtungen nicht mit den Fahrplänen von öffentlichen Verkehrsmitteln (auf die viele Frauen angewiesen sind) zusammen. Im Sommer verstärkt sich das Betreuungsdilemma vieler Eltern wegen der viel zu langen Schließzeiten noch weiter.

Diese Situation und dringenden Handlungsbedarf bestätigt jetzt auch eine Sonderauswertung der Statistik Austria im Auftrag der AK Wien: In Oberösterreich gibt es viel zu wenig Plätze für die Unter-Dreijährigen und auch bei den Drei- bis Sechsjährigen gibt es dringenden Handlungsbedarf. Alarmierend: Nur schwache 15,8 Prozent der Betreuungsplätze bei den Drei- bis Sechs-Jährigen entsprechen dem "Indikator für Vereinbarkeit von Beruf und Familie" (VIF-Indikator = mindestens 45 Stunden wöchentlich geöffnet, davon an vier Tagen 9,5 Stunden; Mittagessen; maximal fünf Wochen im Jahr geschlossen). Damit rangiert Oberösterreich im Bundesländervergleich an unrühmlicher vorletzter Stelle.

Noch dramatischer ist die Situation bei den Unter-Dreijährigen:
Hier sind es gar nur 3,3 (!) Prozent der Betreuungsplätze, die den VIF-Indikator erfüllen. Damit hat Oberösterreich im Vergleich die rote Laterne und den schmählichen letzten Platz.

Die Bundesregierung hat sich nun mit den Ländern auf einen weiteren Ausbau der Kinderbetreuungseinrichtungen geeinigt. Österreichweit sollen bis 2018 rund 25.000 zusätzliche Betreuungsplätze eingerichtet werden.

Ursprünglich wären 400 Millionen Euro Bundesmittel für Investitionen vorgesehen gewesen. "Leider sind jetzt nur 305 Millionen Euro übrig geblieben", bemängelt AK-Präsident Dr. Johann Kalliauer. Dazu kommt, dass der Kofinanzierungsanteil der Länder jedes Jahr sinkt - von 50 Prozent im Jahr 2014 auf 35 Prozent im Jahr 2017.

Kein gutes Haar lässt die AK auch am Aufteilungsschlüssel: 40 Prozent der Mittel sollen in die Tageseltern-Struktur fließen, 35 Prozent in die Betreuungseinrichtungen für Drei- bis Sechsjährige und lediglich 25 Prozent in Betreuungseinrichtungen für Unter-Dreijährige.
Das ist doppelt zu kritisieren: Der Hauptteil fließt zu Tageseltern, obwohl institutionelle Betreuung qualitativ wesentlich besser ist, weil in Kindergärten zum Beispiel auch Sprache und Sonderbedarfe gefördert werden. Außerdem besteht gerade bei der Betreuung der Unter-Dreijährigen der größte Handlungsbedarf, dieser Bereich hat aber nur den geringsten Anteil am "Förderkuchen".

Ein weiterer Kritikpunkt: Die Mindestöffnungszeiten wurden bei den Förderbedingungen für institutionelle Kinderbetreuungseinrichtungen von 47 auf 45 Wochen pro Jahr zurückgeschraubt. Das heißt: Sieben Wochen keine (institutionelle) Betreuung. "Die Schließzeiten dürfen den gesetzlichen Urlaubsanspruch der Eltern nicht unterschreiten", fordert der
AK-Präsident.

Begleitende Maßnahmen verlangt die AK auch bei den Qualitätskriterien und den Mindeststandards der Betreuungsplätze. Es darf nicht nur um Quoten und Plätze gehen, sondern es muss auch einen Qualitätsschub geben. "Was haben Eltern davon, wenn sie zwar einen Kindergartenplatz bekommen, aber für das Kind kein Mittagessen angeboten wird? Oder wenn die Krabbelstube um 14 Uhr schließt, die Eltern aber bis 16 Uhr arbeiten müssen?", fragt Kalliauer.

Es braucht daher einen Stufenplan für die Vereinheitlichung der Mindeststandards (z.B. Gruppengröße, Betreuungsschlüssel, Vorbereitungszeiten) für ganz Österreich und bundesweit gültige Höchstgrenzen für Elternbeiträge. Sichergestellt werden müssen auch ausreichende Mittel für die Ausbildung des Personals. Außerdem verlangt die AK, dass die geplante Evaluierung sich nicht nur auf quantitative Kriterien, sondern auch Qualitätskriterien bezieht.

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