WirtschaftsBlatt-Leitartikel: "Ein Produkt macht keine Vorsorge" - von Andre Exner

Eine Privatpension kann nur die Basis der privaten Vorsorge bilden

Wien (OTS) - Totgesagte leben länger: Nun soll die jahrelang kritisierte Zukunftsvorsorge das Zugpferd der dritten Säule werden und zum Volksvorsorgeprodukt aufsteigen. Die S Versicherung sieht bei dem Produkt ähnliche Popularitätschancen wie beim Bausparvertrag -und davon gibt es mehr als fünf Millionen, sprich rund dreimal so viel.
Die Argumente, die für die Zukunftsvorsorge sprechen, leuchten ein:
Steuervorteile, verbunden mit einer minimalen, aber als Zuckerl doch gern genommenen staatlichen Prämie und einer in Stein gemeißelten Kapitalgarantie klingen in Krisenzeiten gut und haben tatsächlich das Zeug dazu, krisengeschädigte Privatanleger zu überzeugen. Zumal die massive Kritik an der Konstruktion des Produkts nicht ungehört blieb und es mit einer Reform anlegerfreundlicher gemacht wurde. Keine Spur mehr vom einstigen Schönwetterprodukt, das nach einem unerwarteten Börsencrash "die Patschen streckt" und danach für ewig auf der Nulllinie verharrt.
Doch so toll die Zukunftsvorsorge auch sein mag: Weder dieses Produkt noch die anderen klassischen, kapitalgarantierten Lebensversicherungslösungen sind dazu geeignet, im aktuellen Niedrigzinsumfeld ganz allein die Pensionslücke zu stopfen. Denn Garantie kostet gut und gern die Hälfte der Performance. Und das tut weh: So muss man bei einem Prozent Rendite 30 Jahre lang 250 Euro monatlich zur Seite legen, um 100.000 Euro anzusparen. Bei sechs Prozent reichen hingegen 100 Euro. Nun haben wir aber keine Hochkonjunktur und die Summe, die Anleger durchschnittlich in die Zukunftsvorsorge stecken können, beträgt genau 58 Euro und 33 Cent. Damit daraus über 30 Jahre 100.000 Euro werden, brauchte es über die gesamte Laufzeit astronomische neun Prozent Rendite p. a. So viel kann kein Garantieprodukt auch nur versprechen.
Wer das Problem Pensionslücke mehr als nur gedanklich abhaken will, muss seine Vorsorge diversifizieren. Es spricht nichts gegen eine Privatpension als Basisinvestment, aber auch Sachwerte, Investmentfonds oder gar Einzelaktien (es gibt beispielsweise stabile Dividendentitel) gehören ins Vorsorgedepot. Die Börse ist zwar riskant, aber chancenreicher als die Garantiepension. WirtschaftsBlatt-Leser bekommen sowieso die besten Tipps: So liegt das WirtschaftsBlatt-Depot seit dem Start 2005 rund 188 Prozent im Plus und wurde auch nach 2008 nicht "ausgestoppt".

Rückfragen & Kontakt:

WirtschaftsBlatt Medien GmbH
Tel.: 0043160117-305
redaktion@wirtschaftsblatt.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | PWB0001