Patriarch Sako: "Das ist die dunkelste Stunde des Irak"

Chaldäisch-katholisches Oberhaupt: Kaum Chancen auf Gesamtstaat

Bagdad, 02.07.14 (KAP) Ein düsteres Bild der Zukunft des Irak hat der chaldäisch-katholische Patriarch Louis Rafael Sako I. gezeichnet. Er sehe kaum noch Hoffnung, dass der Irak als Gesamtstaat erhalten bleibt, sagte er in einem Interview mit der Hilfsorganisation "Kirche in Not". Die Zahl der Christen im Land werde weiter dramatisch schrumpfen - von einst mehr als einer Million auf bald nur mehr 50.000 Gläubige. Aber nicht nur sie litten unter der - wie Sako sagte - "dunkelsten Stunde des Irak". Harte Kritik übte der Patriarch an der Politik des Westens und besonders an den USA, die an der jetzigen Situation Schuld seien.

Vielleicht werde es künftig noch eine symbolische Einheit geben und der Name Irak werde weiterhin bestehen. Aber de facto wird es drei unabhängige Zonen der Kurden, Sunniten und Schiiten mit eigenen Haushalten und Armeen geben, zeigte sich der Patriarch überzeugt.

Zur Frage, ob die Mehrheit der arabischen Sunniten die islamistische Terrororganisation ISIS unterstützt, meinte der Patriarch: "Ja. Eindeutig. Sie teilen nicht unbedingt ihre Ideologie. Aber sie unterstützen das politische Ziel, das Regime zu wechseln und ihren eigenen Staat zu gründen. ISIS will einen islamischen Staat mit Ölquellen gründen, um die Welt zu islamisieren." Das sei eine Gefahr für die ganze Welt.

Welche Folgen der Staatszerfall für die Christen des Irak hat, sei derzeit noch nicht absehbar. Sako: "Ehrlich gesagt sind wir Bischöfe zum gegenwärtigen Zeitpunkt etwas ratlos. Möglicherweise liegt die Zukunft in Kurdistan. Viele Christen leben ja schon dort. Aber es gibt auch viele, die in Bagdad leben, manche auch in Basra im schiitischen Süden. Wir müssen die weitere Entwicklung abwarten."

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