- 01.07.2014, 18:30:31
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WirtschaftsBlatt-Leitartikel: "Anleihen nicht im Crashmodus" - von Andreas Wolf
Es fehlen die Hinweise auf rasch nahende Unannehmlichkeiten.
Utl.: Es fehlen die Hinweise auf rasch nahende Unannehmlichkeiten. =
Wien (OTS) - Es lässt sich nicht verleugnen: Die Länge der aktuellen
Anleihenhausse, rund 14 Jahre, lässt viele Anleger und Börsenauguren
mittlerweile nervös werden. Der beginnende Wirtschaftsaufschwung in
den USA und die zarten Konjunkturpflänzchen in Europa sprechen für
ein absehbares Ende der laxen Notenbankgeldpolitik. Ein Ausstieg aus
dem Anleihenkaufprogramm vollzieht die US-Notenbank bereits, während
die EZB sogar wegen Deflationsfurcht à la Japan den gegenteiligen Weg
einschlagen will.
Damit ist aber auch schon sehr gut beschrieben, dass sich durch die
zeitlichen Unterschiede der jeweiligen Konjunkturzyklen auch
verschiedene Zins- und Renditeerwartungen ergeben. Während am
Dollar-Rentenmarkt die Renditen für 30-jährige Anleihen stärker
gefallen sind, bewegt sich in Europa diesbezüglich fast nichts.
Die Voraussetzungen für einen in diesen Tagen wieder häufig
herbeigeschriebenen "Crash" am Rentenmarkt sehen anders aus.
Neben dem wenig euphorischen Investorensentiment fehlen auch in
Sachen globaler Wirtschaftsentwicklung die Hinweise auf rasch nahende
Unannehmlichkeiten. Zwar ist die Verschuldungssituation vieler
Staatshaushalte nicht optimal, andererseits hat sich bei vielen die
Einnahmensituation deutlich verbessert.
Auch vonseiten der Inflationsentwicklung ergeben sich bisher
keinerlei Anzeichen eines unkontrollierten Anstiegs, wobei der Fokus
hierbei zunächst auf den USA liegen wird.
All dies bedeutet nicht, dass die lange Hausse am Rentenmarkt noch
mal ein Jahrzehnt anhalten wird. Doch die absehbare Trendwende bei
den Zinsen muss sich nicht crashartig vollziehen, sofern seitens der
Taktgeber hierfür, der Notenbanken, mit Maß und Vernunft kommuniziert
und gehandelt wird. Bisher scheint dies der Fall zu sein, sodass
einzig der Zwang der Investoren, durch das Eingehen höherer Risiken
mehr Rendite zu erwirtschaften, dem Rentenmarkt etwas von seiner
positiven Dynamik nehmen könnte.
Denn wenn die Aktienmärkte ihre Jagd nach neuen Allzeithochs statt
mit dem bisherigen "Schleichtempo" mit höherer Schlagzahl in Angriff
nehmen, dürften sich auch viele institutionelle Investoren unter
Zugzwang sehen. Die damit verbundenen Umschichtungen würden zuerst
zulasten des Rentenmarkts gehen. Aber auch dann wäre ein Crash noch
kein Thema.
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