Tiroler Tageszeitung, Ausgabe vom 29. Juni 2014; Leitartikel von Peter Nindler: "Neues Gesicht! Neue SPÖ?"

Innsbruck (OTS) - Utl: Ingo Mayr übernimmt mit der Tiroler SPÖ eine erstarrte Funktionärspartei. Die Funktionäre rannten zuletzt nur für ihre Posten und Mandate, weniger für die SPÖ.

Parteireform klingt immer gut. Und ein neuer SPÖ-Vorsitzender, der wie Ingo Mayr auf Anhieb 90,7 Prozent erhält, hätte die besten Voraussetzungen, die auf 14 Prozent geschrumpfte Partei an Haupt und Gliedern zu erneuern. Dass am Parteitag intensiv über Quotenplätze für künftige Wahlen diskutiert wurde, beweist jedoch, dass die Schmerzgrenze in der Tiroler Sozialdemokratie offensichtlich noch nicht erreicht wurde.
Demgegenüber steht der einfache und richtige Befund des Neuen:
"Wir waren in der Vergangenheit viel zu lax und viel zu faul." Damit trifft Ingo Mayr den eingeklemmten Nerv vieler Genossen: Wer einmal einen Posten ergattert hat - egal, ob alt, jung, Mann oder Frau - der rennt vor allem für sein Mandat und nicht für die SPÖ. So wurden die großen SPÖ-Bezirke wie Innsbruck und Innsbruck-Land an die Wand gefahren, Reutte, Kitzbühel oder Kufstein fielen in einen Dornröschenschlaf und Gemeinden wie Imst, Zirl oder Jenbach gingen verloren. Am 1. Mai sind alle Sozialdemokraten in Tirol Arbeitnehmervertreter, vor Wahlen wurden die Gewerkschafter zuletzt hingegen ausgebremst.
Die Tiroler SPÖ wieder auf allen Ebenen zum Laufen zu bringen, breiter aufzustellen und den Selbsterhaltungstrieb der Funktionärsklüngel aufzulösen, ist eine große Herausforderung. Gleichzeitig muss Mayr sein Format für einen Landespolitiker und Spitzenkandidaten für die Landtagswahl 2018 unter Beweis stellen. Ohne Mandat im Landtag wird das ebenfalls schwer. Die Parteireformer erwarten sich wiederum, dass der neue Chef auch an der Landtagsklubspitze eine Erneuerung herbeiführt und Gerhard Reheis zum Rückzug bewegt.
Parteireform schön und gut. In den nächsten Monaten hängt jedoch alles von Personen ab - vor allem vom neuen Parteichef Ingo Mayr.

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