Gewerbe und Handwerk: Anreize zur Kaufkrafterhöhung statt Stagnation

Keine Anzeichen für eine Verbesserung, Konjunktur anhaltend flau - Branche fordert schnelle Maßnahmen zur Wirtschaftsbelebung

Wien (OTS/PWK460) - Der Konjunkturmotor stottert, die leisen Hoffnungen einer Konjunkturerholung im Gewerbe und Handwerk haben sich nicht erfüllt. "Würde man der Branche eine Schulnote geben, wäre das ein "Befriedigend" bzw. "Genügend". Die Gewerbebetriebe sind zu 80 Prozent vom privaten Konsum abhängig und der ist rückläufig", erklärte heute Renate Scheichelbauer-Schuster, Obfrau der Bundessparte Gewerbe und Handwerk in der der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ), bei einer Pressekonferenz in Wien.

Schlechte Geschäftslage

Im Durchschnitt sind die Auftragseingänge bzw. Umsätze im 1. Quartal 2014 gegenüber dem 1. Quartal 2013 wertmäßig um 1,6 % gesunken. "Im 2. Quartal ist zwar eine Verbesserung der Stimmungslage unter den Betrieben zu erkennen, aber die Hardfacts sprechen dagegen. Generell ist eine schlechte Geschäftslage zu beobachten", analysierte Walter Bornett, Direktor der KMU Forschung Austria, die Ergebnisse des aktuellen Konjunkturberichts. In den investitionsgüternahen Branchen ist der durchschnittliche Auftragsbestand im Vergleich zum 2. Quartal des Vorjahres um 2,4 % gesunken, auch wenn sich die Zahl der freien Kapazitäten von 53 auf 58 Prozent erhöht hat. Und auch die konsumnahen Branchen verzeichneten mit 88 % stagnierende bzw. rückläufige Umsatzzahlen. Eine Trendwende ist nicht in Sicht: Auch für das 3. Quartal 2014 sind die Erwartungen gedämpft.

Bundesregierung ist gefordert

Höchste Zeit zu reagieren, so Scheichelbauer-Schuster. "Wir brauchen dringend Maßnahmen, um die Konjunktur zu beleben. Ein wesentliches Kriterium ist die Erhöhung der Kaufkraft. Dann steigt der Konsum und die Wirtschaft funktioniert. Es müssen Investitionsanreize geschaffen und die Exporte gesteigert werden. Hier ist die Bundesregierung gefragt, die Sommermonate zu nutzen und an Rädchen zu drehen, die speziell den kleinen und mittleren Unternehmen helfen."

Die Forderung der Sparte: eine weitere Senkung der Lohnnebenkosten und des Einkommenssteuersatzes auf 25 %, eine Reduzierung der Sozialversicherungsbeiträge und eine Vermeidung weiterer Belastungen, wie die 6. Urlaubswoche. Scheichelbauer-Schuster: "Die Arbeitskosten steigen überproportional und liegen österreichweit bei 3 %, im EU-Durchschnitt bei 0,9 %. Die Reallöhne sinken seit dem Jahr 2000. Das nominelle Einkommen pro Beschäftigten ist um 31 % gestiegen, real ist es jedoch um 2 % geschrumpft."

Der Staat habe kein Einnahmen-, sondern ein Ausgabenproblem. Bereits Einsparungen des Bundes von 1 % würden einige Milliarden bringen. Gespart werden könnte bei der öffentlichen Verwaltung, bei Sozial- und Gesundheitsausgaben. Das hätte langfristige Auswirkungen und könnte die Wirtschaft in Schwung bringen. Die Bundessparte Gewerbe und Handwerk der WKÖ ist mit 215.000 Mitgliedsbetrieben in 26 Bundesinnungen (645.000 Beschäftigte, 78 Mrd. Euro Umsatz) die größte in der WKÖ.

Handwerkerbonus: wichtiger Impuls

Als eine erste wichtige Maßnahme und win-win-Situation für Unternehmen als auch Kunden bezeichnet Reinhard Kainz, Geschäftsführer der Bundessparte Gewerbe und Handwerk in der WKÖ, den Handwerkerbonus. "Es ist ein kleiner, aber wichtiger Impuls, um die Wertschöpfung in der Region zu halten, die Schwarzarbeit einzudämmen und mit Qualitätsarbeiter unserer Handwerker zu punkten." In Deutschland ist die Förderung doppelt so hoch und wurde über die Jahre aufgestockt. "Ich bin zuversichtlich, dass das bei uns auch möglich ist und der Handwerkerbonus auch nach 2015 weitergeführt wird."

Ab 1. Juli 2014 tritt das "Bundesgesetz über die Förderung von Handwerkerleistungen" in Kraft. Mit dem Handwerkerbonus erhalten Privatpersonen eine Förderung von bis zu 600 Euro für die Renovierung, Erhaltung oder Modernisierung ihres Hauses oder ihrer Wohnung, wenn dabei Leistungen eines Handwerkers in Anspruch genommen werden. Die österreichische Bundesregierung stellt hierfür im Kalenderjahr 2014 bis zu 10 Mio. Euro und 2015 bis zu 20 Mio. Euro zur Verfügung und setzt damit wachstums- und konjunkturbelebende Impulse für die Wirtschaft. Das sind in Summe insgesamt 50.000 Förderfälle, die Anträge können über die vier Bausparkassen eingereicht werden. (KR)

Weitere Informationen zum Konjunkturbericht unter:
www.kmuforschung.ac.at sowie zum Handwerkerbonus unter:
www.handwerkerbonus.gv.at

Rückfragen & Kontakt:

Prof. Dr. Reinhard Kainz
Bundessparte Gewerbe und Handwerk - Wirtschaftskammer Österreich
Tel.: 05 90 900-3288
Mail: bsg@wko.at
Web: http://wko.at/bsgh

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