Generation 60+: Hauptsache, es schmeckt

Aktuelles Genussbarometer des forum. ernährung heute (f.eh)

Wien (OTS) - Sie sind viele und werden immer mehr. Seit rund fünf Jahrzehnten steigt die Lebenserwartung in Europa. Bis 2050 werden jede und jeder Dritte über 65 Jahre alt sein. Die Überalterung ist eine große gesellschaftliche Herausforderung. Beim Symposium "Demografische Revolution: Reifeprüfung auf dem Teller" des forum. ernährung heute (f.eh), dem Verein zur Förderung von Ernährungsinformation, stehen heute die Bedürfnisse reifer Konsumenten rund ums Essen im Zentrum. Es diskutieren 100 Expertinnen und Experten aus Ernährungswissenschaft, Handel, Marketing, Gastronomie, Lebensmittelwirtschaft und Politik.

  • Online-Video Straßenbefragung des forum. ernährung heute: Wie tickt die Generation 60+?
  • f.eh-Genussbarometer: Genuss fördert Normalgewicht.
  • Ein Drittel der reifen Konsumenten gilt als Genießer.
  • 56 % der Senioren essen ausgewogener und weniger als in jungen Jahren, doch am wichtigsten ist ihnen guter Geschmack.
  • Bei Frauen isst die Seele eher mit als bei Männern.
  • Genussempfinden hängt mit der subjektiven Lebensqualität, dem Einkaufsverhalten und der Wertschätzung von Lebensmitteln sowie den Essgewohnheiten zusammen.

f.eh-Genussbarometer: Wie tickt die Generation 60+?

Für die Lebensmittel- und Gesundheitsbranche ist die wachsende Zielgruppe ein Zukunftsmarkt. Das aktuell vom forum. ernährung heute erhobene Genussbarometer rund ums Essen nimmt die Generation 60+ mit einer Stichprobe von 305 weiblichen und männlichen Befragten im Alter zwischen 60 und 79 Jahren unter die Lupe. "70 % der reifen Konsumenten fühlen sich gesund, sind ausgeglichen, entspannt und gelassen. Knapp ein Drittel der Befragten zählt zu den Genießern. Sieben von zehn sind Genusszweifler und weniger als 1 % kann als Asketen bezeichnet werden", sagt Marlies Gruber, Wissenschaftliche Leiterin des f.eh.

Was Genuss ausmacht?

Für Genussmenschen geht Essen mit Freude und guter Stimmung einher. Genussentzug wird hingegen mit weniger Lebenszufriedenheit und Frust verbunden. Laut f.eh-Genussbarometer gehen deutlich mehr Genießer als Genusszweifler optimistisch (74 % versus 66 %) und voller Energie (64 % versus 53 %) durchs Leben. Das persönliche Genussempfinden hängt dabei auch mit der subjektiven Lebensqualität, dem Einkaufsverhalten und der Wertschätzung von Lebensmitteln sowie den Essgewohnheiten zusammen.

Genuss hält schlank

Jede/r Zweite unter den Genießern ist normalgewichtig, unter den Genusszweiflern nur jede/r Dritte. Hingegen sind mehr Genusszweifler im Vergleich zu den Genießern übergewichtig (30 % versus 17 %) oder adipös (28 % versus 24 %). 6 % sind untergewichtig - wobei sich hier keine Unterschiede zwischen den Genusstypen zeigen.

Alter ändert Essverhalten

56 % der Befragten geben an, dass sich ihre Essgewohnheiten seit dem 50. Lebensjahr verändert haben: In der Eigenwahrnehmung legen sie mehr Wert auf eine ausgewogene Ernährung, lassen sich mehr Zeit beim Essen und essen insgesamt weniger. Mit zunehmendem Alter wird gerade für Genießer freudvolles Essen wichtiger. Diese neuen Gewohnheiten treten meist mit der Pensionierung oder aufgrund körperlicher Veränderungen auf. "Die Essbiografie ist immer mehr als bloße Nahrungsaufnahme. Essen schafft Identität und ist eng mit Werten und Normen verknüpft. Essen ist Ausdruck der Lebensgestaltung, wobei Geschmacksprägungen aus der Kindheit manchmal bis ins hohe Lebensalter bestehen bleiben. Der Grund dafür liegt im Trainingseffekt: So verspeist der Mensch bis zum 80. Lebensjahr rund 100.000 Mahlzeiten", sagt Ernährungswissenschaftlerin Christine Brombach, von der Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaften. Das ist auch der Grund dafür, warum sich Menschen oft von ungünstigen Essgewohnheiten nur schwer verabschieden.

Isst die Seele mit?

Frust, Trauer, Langeweile und Stress sind bei Senioren im Allgemeinen keine Gründe, zuzugreifen. Allerdings verderben Kummer und Sorgen Frauen leichter den Appetit als Männern. Während jeder zehnte Mann ab 60+ sagt, er esse immer gerne, behaupten das nur 5 % der Frauen. Generell essen Ältere, weil es ihnen schmeckt oder sie Hunger haben. Frauen legen beim Essen ebenso wie Genießer deutlich mehr Wert auf gute Tischmanieren, ausreichend Zeit und eine angenehme Atmosphäre als Männer oder Genusszweifler und können so wohl auch ihr seelisches Wohlbefinden verbessern.

Gesund muss schmecken

Gemüse, Obst, fettarmes, ausgewogenes und abwechslungsreiches Essen, wenig Fleisch und Wurst, Fisch, selber kochen und Biolebensmittel gelten unter den Befragten als gesund. "Die gesündere Wahl würden 30 % treffen. 60 % sagen: Hauptsache es schmeckt - sie entscheiden je nach Gusto", so Gruber. Deutlich mehr Genießer (39 %) als Genusszweifler (27 %) würden zu Gesünderem greifen. Auf eine abwechslungsreiche Kost zu achten ist im Alter besonders wichtig, um Nährstoffe wie Vitamin D, ß-Carotin, Calcium, Zink und Selen in ausreichenden Mengen aufzunehmen. Häufig werden diese von Senioren zu wenig zugeführt.

Reife Ansprüche

Wenig überraschend legen Genussmenschen mehr Wert auf Frische, Geschmack und Qualität. Genusszweifler achten dagegen beim Einkauf häufiger auf den Preis, auf Sonderangebote und Vorteilspackungen. "Von den Lebensmittelanbietern wünschen sich Senioren gut lesbare Produktinformationen auf den Etiketten, leicht zu öffnende und wieder verschließbare Verpackungen sowie kleinere Packungen - das hat das aktuelle Genussbarometer bestätigt", so Marlies Gruber. Roland Murauer, Geschäftsführer CIMA Austria, sieht außerdem einen Trend Richtung Nachhaltigkeit: "Schon mehr als 50 % der österreichischen Konsumenten tendieren beim Einkauf zu Bio- oder Fairtrade-Produkten."

Für die Verbesserung der eigenen Ernährung fühlen sich Ältere in erster Linie selbst verantwortlich. An zweiter Stelle sehen sie die Hersteller und drittrangig den Handel in der Verantwortung. Die Politik sollte vor allem eine konsumentenfreundliche Nahversorgung sicherstellen. "Heute haben allerdings 17 % der österreichischen Gemeinden keinen Lebensmittelvollversorger. Bis zu Dreiviertel der Lebensmittelverkaufsflächen befinden sich außerhalb gewachsener Orts-und Stadtkerne. Bauern- und Wochenmärkte in Innenstädten erleben deshalb eine Renaissance. Ein Drittel der österreichischen Konsumenten kauft dort ein", so Murauer.

Keiner will zum alten Eisen zählen

Laut f.eh-Genussbarometer essen ältere Menschen überwiegend zu Hause und sie kochen selbst. Wer außer Haus ist, erwartet sich im Gasthaus oder Restaurant eine saubere Küche und freundliches Servicepersonal. "Der Seniorenteller wird hingegen dankend abgelehnt", sagt Peter Grander, Consultant bei con.os tourismus.consulting. Diese Einstellung deckt sich auch mit dem "gefühlten" Alter: In der Regel empfinden sich Menschen nämlich um 10 bis 15 Jahre jünger als sie sind. "Alt"-sein beginnt im Durchschnitt heute erst mit frühestens 75 Jahren. "Senioren haben zwar eigene Bedürfnisse, möchten aber nicht unbedingt als separate Zielgruppe behandelt werden. Daraus ergibt sich eine Gratwanderung: Produkte und Dienstleistungen rund ums Essen müssen ihren Ansprüchen gerecht werden, ohne Senioren vordergründig als solche anzusprechen. Ein Design for All mit Fingerspitzengefühl ist also gefragt", so Marlies Gruber abschließend.

Videolink

Das Video "Wie tickt die Generation 60+? Reifeprüfung auf dem Teller" des forum. ernährung heute ist online abrufbar:
http://www.ots.at/redirect/vimeo

Bildergalerie

Ab 27.6. vormittags sind Fotos vom Symposium auf www.forum-ernaehrung.at verfügbar.

Genusstypologie

Quelle: Hauer T (Hrsg.) (2005) Das Geheimnis des Geschmacks. Aspekte der Ess- und Lebenskunst. Anabas-Verlag, Wetzlar.

  • Genießer ziehen bei genussvollem Verhalten eine positive Bilanz.
  • Genusszweifler sind ambivalente Genießer, die eigentlich gerne genießen, aber mit schlechtem Gewissen. Sie ängstigt der Gedanke, beim Genießen zu gierig oder unkontrolliert zu handeln und sie befürchten zum Beispiel zeitliche oder finanzielle Kosten.
  • Genussunfähige/Asketen können im Genießen keine Vorteile sehen, weder eine gesteigerte Lebensfreude noch eine verbesserte Leistungsfähigkeit - Genießen ist für sie ein überwiegend negatives Erlebnis.

Rückfragen & Kontakt:

forum. ernährung heute
Mag. Marlies Gruber
Tel.: +43.1.712 33 44 bzw. +43.664.394 56 36
mg@forum-ernaehrung.at

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