Flakturm als Fenster zur Zeitgeschichte

wien.at-Reihe stadtUNbekannt gibt Einblicke in einen der letzten im Originalzustand befindlichen, begehbaren Flaktürme Europas, den Leitturm im Arenbergpark.

Wien (OTS) - Flaktürme, riesige Luftschutzanlagen aus Stahlbeton, wurden während des Zweiten Weltkrieges in Berlin, Hamburg und Wien errichtet. Neben der militärischen Funktion waren diese Hochbunker gleichzeitig Spitäler, Radiosender, Rüstungsbetriebe und bombensicherer Schutz für tausende Menschen und unzählige Kulturgüter. Der Leitturm im Arenbergpark, im 3. Bezirk wurde unter dem Codenamen "Baldrian" von Dezember 1942 bis Oktober 1943 errichtet. Heute steht er unter Denkmalschutz und wird von der MA 34 - Bau- und Gebäudemanagement verwaltet. Das Erdgeschoß nutzt die MA 42 - Stadtgärten als Gerätelager und auf dem Dach ist eine Mobilfunkanlage installiert. Aufgrund eingeschränkter Sicherheit und der historischen Bedeutung des Gebäudes ist eine Besichtigung nicht möglich.

"Die Stadt Wien ist sich Ihrer Verantwortung für den Leitturm, seiner Bedeutung als Kriegsmahnmal und der Schaffung der Rahmenbedingungen zum Erhalt eines historischen Bauwerks in hohem Maße bewusst. Daher bietet die Serie stadtUNbekannt geschichtlich Interessierten die moderne und sichere Gelegenheit, anhand eines filmischen Rundganges Geschichte und Bauwerk unmittelbar zu erleben", hält Wohnbaustadtrat Michael Ludwig fest.

Luftwaffenhelfer Helmut Qualtinger

Im wien.at TV-Clip sind zahlreiche archäologisch bedeutende Fundstücke zu sehen. Zum Beispiel stellte der Historiker Marcello La Speranza ein Kartenabrissheft sicher, mit Notizen von Helmut Qualtinger, der für seine Kollegen das Nestroy-Stück "Nur keck" inszeniert hatte. Der damals 16-Jährige Helmut Qualtinger (1928-1986) war nachweislich als Luftwaffenhelfer im Leitturm und damit einer von unzähligen Gymnasiasten und Schülern, die dafür eingesetzt wurden.

Im Einsatz waren für den Bau Zwangsarbeiter aus ganz Europa, später auch Kriegsgefangene, vorwiegend aus Russland. Zeugnis von ihrer Gemütsverfassung geben heute noch die leicht zu übersehenden, fragilen gekritzelten Inschriften mit Blei-, Kreide- oder Kohlestiften. Parolen und Unmutsbekundungen sind noch immer zu sehen und geben Zeugnis des grausamsten Kapitels der Stadtgeschichte.

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