Gute Pflege für Vogelspinne & Leguan

Rund 60 beschlagnahmte oder ausgesetzte Reptilien und Spinnen werden derzeit in der Pflegestation im Haus des Meeres versorgt.

Wien (OTS) - Hundewelpen oder kleine Katzen findet bald jemand putzig, aber Evelyn Kolar hat ein großes Herz für Vogelspinnen, Leguane und Riesenschlangen. "Reptilien sind ganz besondere Wesen, die völlig zu unrecht weniger beliebt sind als zum Beispiel Äffchen oder bunte Fische", sagt Evelyn Kolar. "Mich faszinieren alle Tiere -außer Gelsen vielleicht", schmunzelt sie. Sie betreut seit mehr als 20 Jahren Tag für Tag ihre Schützlinge in der Pflegestation im 6. Stock im Haus des Meeres in Mariahilf.

Der "Aqua Terra Zoo" im Flakturm im Esterhazypark ist berühmt für die artenreiche Vielfalt an Hammerhaien, Seepferdchen, Kraken, Meeresschildkröten, Riesenschlangen und unzähligen anderen Tieren. Im 6. Stock betreut der Verein Blauer Kreis die "Prof. Dr. Kurt Kolar Pflegestation für beschlagnahmte und ausgesetzte Reptilien". Selbst "Finger", ein etwa zehnjähriger Leguan, der neugierig aus seinem Glashaus schaut, wird gut betreut. Sein Name kommt daher, dass er seiner Ziehmutter Kolar bei seiner Ankunft aus Furcht einen Teil ihres Fingers abgebissen hat.

Evelyn Kolar ist froh, wenn die Menschen die Tiere zu ihr bringen und nicht einfach irgendwo aussetzen. Auch hunderte Spinnen wurden beschlagnahmt. "Vogelspinnen wie die Rotkniespinne sind überaus friedliche und ruhige Tiere. Daher werden sie auch in Filmen so gerne eingesetzt", versichert Spinnenexpertin Judith Kastenmeier, die seit eineinhalb Jahren Kolar bei der Tierpflege unterstützt.

Aufwendige Tierhaltung

"Früher wurden viel mehr Tiere vom Zoll beschlagnahmt. Da reisten Chamäleons in Socken an, Hornvipern und Kobras wurden auf Parkplätzen illegal verkauft und andere vernachlässigte Tiere landeten schließlich beim Blauen Kreis. Mittlerweile werden zahlreiche Reptilien auch in Europa oder in Österreich gezüchtet. Sie werden in Tierhandlungen angeboten und vor allem leider aus dem Internet bezogen", sagt Kolar.

Dennoch gilt: keine Tiere aus exotischen Urlaubsländern einführen! Die meisten TierhalterInnen erkennen erst wenn das Tier ausgewachsen ist, wie viel Zeit, Arbeit und auch Kosten die Pflege erfordert. Terrarien seien ziemlich teuer, die Stromkosten für deren Beheizung hoch. Und es ist nicht für alle angenehm, dass sich zum Beispiel Bartagamen und Geckos von Insekten wie Heuschrecken, Käferlarven und Heimchen ernähren. Außerdem werden Reptilien relativ alt: Ein Leguan wird zehn bis 15 Jahre.

Bartagamen ärgern sich schwarz

"Unter Schulkindern hat es sich leider herumgesprochen, dass die mit 15-20 Zentimetern relativ kleinen Agamen im Vergleich zu anderen Reptilien einfacher zu halten sind. Aber sie bewegen sich kaum und sind sicher kein Kinderspielzeug oder Kuscheltier. Jetzt haben wir unzählige bei uns, weil die Eltern doch keine Zeit für die aufwendige Pflege haben", erzählt Kolar über Agamen, die ein ähnliches Schicksal erleiden wie hunderte Rot- und Gelbwangen-Schildkröten vor ihnen. Diese Schildkröten wurden ausgesetzt. Sie leben zum Beispiel in der Lobau und verdrängen die heimischen Artgenossen. Wenn sich Agamen ärgern, wird ihre Kehle nahezu schwarz.

Seit 55 Jahren Blauer Kreis

Im Jahr 1959 hat Gunther Taucher den Verein Blauer Kreis gegründet. "Blau war damals die Farbe des Tierschutzes", berichtet Evelyn Kolar. Begonnen habe alles mit Futterhäusern und Nistkästen. Anfang der 1990er Jahre stellte das Haus des Meeres die bis heute genutzten Räume im 6. Stock des Flakturms zur Verfügung. 1992 wurde die Pflegestation mühevoll eingerichtet, denn der Lift wurde erst später eingebaut. Waren es damals 16 Terrarien, sind es heute 42 und zusätzlich Vogelspinnenbehälter.

"Auch wenn das eine oder andere Pflegekind in die Terrarien im umgebenden Haus des Meeres übersiedeln, besteht in der Pflegestation immer Platzmangel", sagt Kolar. "Derzeit leben dort rund 30 Riesenschlangen wie Kornnattern, Boas und Teppichpython, sowie neun Leguane, zahlreiche Agamen und andere kleine Reptilien wie Leopard-Geckos", so Kolar.

Wildtierhaltung in Wien

Glücklicherweise gibt es einige Privatpersonen, die bestens informiert und in der Lage seien, Reptilien tiergerecht zu halten. Abgesehen davon sind Wildtiere in Wien meldungspflichtig. Die Magistratsabteilung 60 - Veterinärdienste und Tierschutz ist die zuständige Behörde in Wien. Dorthin müssen sich Privatpersonen wenden, wenn sie zu Hause Tiere wie Reptilien, Papageien oder Spinnen halten wollen. Giftschlangen und Riesenschlangen, die bis zu drei Meter werden sind in Wien gänzlich verboten. Zum Wohle der Tiere und im Sinne des Tierschutzes in einer Großstadt ist diese Wildtierhaltung Zoos und Tierheimen vorbehalten. Seit 2006 ist die "Prof. Dr. Kurt Kolar Pflegestation" im Haus des Meeres als Tierheim genehmigt. Wer ausgesetzte Tiere findet, kann sich an folgende Stellen wenden:
o Wiener Tierrettung (24h Notdienst), Telefon 01/699 24 80, http://www.wr-tierschutzverein.org
o Tierschutz-Helpline der MA 60, Telefon 01/4000 8060 (werktags:
Mo-Fr 8-18 Uhr, Sa 9-15 Uhr), www.tiere.wien.at
o Verein Blauer Kreis, Telefon 01/982 95 01, www.blauerkreis.at.

Weiterführende Informationen:
www.haus-des-meeres.at/de/Tierheim-blauer-Kreis.html

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