Bundeskanzler Faymann: "Bekenntnis zu Frieden, Europa und Demokratie muss unumstößlich sein"

Gedenkakt "Frieden und Krieg" - 100 Jahre Ausbruch des Ersten Weltkriegs, 100. Todestag von Bertha von Suttner

Wien (OTS) - "Der heutige Festakt ist ein Gedenken an den Ersten Weltkrieg und zugleich eine Erinnerung an Bertha von Suttner, die Zeit ihres Lebens für ein friedliches Miteinander aller Staaten eingetreten ist", sagte Bundeskanzler Werner Faymann heute, Mittwoch, beim Staatsakt der Republik Österreich zum Thema "Frieden und Krieg" in der Österreichischen Nationalbibliothek. Bundespräsident Heinz Fischer hatte zu diesem gemeinsamen Gedenken geladen, das dem 100. Todestag der österreichischen Friedensnobelpreisträgerin sowie dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs vor hundert Jahren gewidmet war.

Der Bundeskanzler erinnerte daran, dass Bertha von Suttner nur eine Woche vor dem Attentat in Sarajewo verstarb, welches in der Folge zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs führte. "Den mörderischen Krieg mit 17 Millionen Toten hat die Pionierin des Pazifismus nicht mehr erlebt. Die Mechanismen, die dazu führten, waren ihr aber völlig bewusst. Bertha von Suttner war ihrer Zeit weit voraus und hat frühzeitig vor einem industriellen Massenvernichtungskrieg gewarnt. Für ihren Einsatz wurde sie 1905 als erste Frau mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet", so Faymann. Doch Bertha von Suttner, die den Frieden als "die Grundlage des Glücks" bezeichnet habe, sei von manchen ihrer Zeitgenossen als "Friedensbertha" abgekanzelt worden. In der Rückschau auf das 20. Jahrhundert habe sich ihr unbeirrbares Mahnen aber auf beeindruckende Weise bestätigt.

"1914 hat auch in Österreich Kriegsbegeisterung geherrscht. Die europäischen Eliten haben Krieg als ein legitimes Mittel der Politik gesehen. Mit Propaganda wurden Hass und Vorurteile geschürt", so der Kanzler. Es sei als wertvolles Erbe von Suttner zu betrachten, dass heute die Überzeugung vorherrscht, dass Rüstung nicht den Frieden sichert, sondern den Krieg vorbereitet. Auch die Wachsamkeit gegenüber nationalistischer Hetze und die Stärkung internationaler Organisationen als Instanzen der Mediation würden in der damaligen Friedensbewegung wurzeln.

"Bertha von Suttner hatte schon 1892 die Vision eines friedlichen, europäischen Staatenbundes. Diesen Weg ist Europa nach dem Zweiten Weltkrieg gegangen. Die Integration Europas war die einzig richtige Lehre, die man aus dem grausamen Erleben ziehen konnte", sagte Faymann. Die Entwicklung hin zur Europäischen Gemeinschaft von heute sei der richtige Weg gewesen: "Denn die Tatsache, dass wir seit fast 70 Jahren Frieden in den am Integrationsprozess beteiligten Ländern haben, gibt jenen Recht, die schon damals forderten: Die Waffen nieder!"

Mit Blick auf den aktuellen Konflikt in der Ukraine betonte der Bundeskanzler, dass Österreich sich - ganz im Sinne Bertha von Suttners - für Deeskalation und Verhandlungen einsetze: "Wir sehen unsere Aufgabe als Brückenbauer und Vermittler, die mit ruhiger, aber unbeirrbarer Stimme für gegenseitiges Verständnis werben und auf die Einhaltung des Völkerrechts pochen."

"Wenn wir auf die Geschichte des 20. Jahrhunderts zurückblicken und uns die Frage stellen, was die politischen Verantwortlichen von heute daraus lernen müssen, dann sei eines gesagt: dass das Bekenntnis zum Frieden, das Bekenntnis zu Europa und das Bekenntnis zur Demokratie unumstößlich sein müssen. 'Die Waffen nieder!' ist so aktuell wie vor 100 Jahren", so Faymann abschließend.

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