Zum Weltflüchtlingstag: Einfach jung und Mensch sein dürfen, wie jeder andere auch!

Innsbruck/Wien (OTS) - Anlässlich des bevorstehenden Weltflüchtlingstages am 20. Juni kritisiert SOS-Kinderdorf-Geschäftsführer Christian Moser erneut das Wegschauen der Politik gegenüber dem Schicksal unbegleitet minderjähriger Flüchtlinge in Österreich. "Dass sich die Politik hier aus der Verantwortung stiehlt ist beschämend", sagt Moser.

"Es gibt keine halben Kinder!"

Viele Kinder und Jugendliche, die ohne Eltern aus ihrer Heimat geflüchtet sind, leben in Österreich in Flüchtlingsunterkünften für Erwachsene, völlig auf sich allein gestellt, ohne Bezugspersonen und ohne altersadäquate Betreuung. Für jene, die in einer Wohngruppe mit Gleichaltrigen unterkommen, stellt die Kinder- und Jugendhilfe nur rund die Hälfte des üblichen Tagsatzes zur Verfügung. "Brauchen diese jungen Menschen nur halb so viel Betreuung, nur halb so viel Bildung, nur halb so viel Förderung?" fragt Moser und stellt klar: "Es gibt keine halben Kinder! Daher sollen sie genau dieselbe Unterstützung durch die Kinder- und Jugendhilfe bekommen, wie alle anderen auch!"

Gleiches Kinderrecht für alle!

Im Artikel 2 (2) der in der österreichischen Verfassung verankerten Kinderrechte heißt es: "Jedes Kind, das dauernd oder vorübergehend aus seinem familiären Umfeld, welches die natürliche Umgebung für das Wachsen und Gedeihen aller ihrer Mitglieder, insbesondere der Kinder ist, herausgelöst ist, hat Anspruch auf besonderen Schutz und Beistand des Staates." Im Gesetzestext steht dieser Beistand des Staates in keinem Zusammenhang mit der Staatszugehörigkeit. Die Realität in der Umsetzung durch die Kinder-und Jugendhilfe sieht dagegen anders und in den einzelnen Bundesländern unterschiedlich aus. Hier wären ein einheitliches Vorgehen und eine Gleichbehandlung nicht nur höchst wünschenswert, sondern ganz im Sinne der UN-Kinderrechte!

SOS-Kinderdorf betreut junge Flüchtlinge seit 2001

SOS-Kinderdorf startete in Österreich vor mehr als zehn Jahren mit der Flüchtlingsarbeit und eröffnete 2001 das SOS-Clearing-house in Salzburg und 2004 das BIWAK in Hall in Tirol. Im Clearing-house wurden seit damals 658 junge Flüchtlinge betreut, im BIWAK 118. Neben rechtlicher Beratung im Asylverfahren, medizinischer Betreuung und Grundversorgung sowie Deutschunterricht und Bildungsangeboten ist eine altersgerechte Tages- und Freizeitstruktur sehr wichtig. Erst dadurch können die jungen Menschen nach ihrer meist dramatischen Flucht zur Ruhe kommen, haben ein sicheres Zuhause auf Zeit und können wieder Kind bzw. einfach jung sein - mit denselben Hoffnungen, Träumen, Wünschen, wie alle anderen Jugendlichen auch. Ein großer Unterschied bleibt: Das bittere, oft jahrelange Warten auf den Ausgang des Asylverfahrens und damit der Blick in eine völlig ungewisse Zukunft ist ständiger Begleiter - Tag und Nacht, Woche für Woche, Monat für Monat, Jahr für Jahr ....!

Rückfragen & Kontakt:

Viktor Trager, SOS-Kinderdorf/Presse (Innsbruck)
Tel. 0676/88144201, viktor.trager@sos-kd.org

Martina Stemmer, SOS-Kinderdorf/Presse (Wien)
Tel. 0699/11153246, martina.stemmer@sos-kinderdorf.at

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