TIROLER TAGESZEITUNG: Leitartikel vom 14. Juni 2014 von Christian Jentsch - Terror aus den Trümmern der Kriege

Innsbruck (OTS) - Utl: Radikal-islamische Gotteskrieger überrennen einen gebrochenen sowie ethnisch und religiös gespaltenen Irak. Einen "Leuchtturm" der Freiheit wollten die US-Invasoren einst errichten, heute herrschen Terror und Hoffnungslosigkeit.

Mit den Bomben sollte alles besser werden. In der Nacht auf den 20. März 2003 starteten die USA auch unter dem Vorwand der Zerstörung angeblicher Massenvernichtungsmittel mit der massiven Bombardierung Bagdads die Operation "Iraqi Freedom". Kurz darauf wurde der irakische Diktator Saddam Hussein gestürzt. Der damalige US-Präsident George W. Bush erklärte der Welt, mit der Invasion den Irak in einen "Leuchtturm" der Freiheit in der arabischen Welt verwandeln zu wollen. Knapp neun Jahre und weit über 100.000 getötete Zivilisten später zogen Ende 2011 unter US-Präsident Barack Obama, der Bushs Irak-Invasion als "dummen Krieg" brandmarkte, die letzten US-Soldaten aus dem geschundenen Land ab. Obama konnte und wollte sich den Krieg seines Vorgängers nicht mehr leisten. Und bekommt nun die Rechnung präsentiert.
Heute gilt der Irak nicht als "Leuchtturm" der Freiheit und Demokratie, sondern als gescheiterter Staat, in dem sich Schiiten, Sunniten und Kurden feindlich gegenüberstehen. Und als Aufmarschgebiet radikaler Islamisten.
Mit Bushs "dummem Krieg" wurde zwar Saddam Husseins Machtgefüge zerschlagen. Doch aus den Trümmern des Krieges erwuchs keine Demokratie, sondern Terror, Instabilität und eine Regierung, die das Land nicht einte, sondern trennte. Der schiitische Regierungschef Nuri al-Maliki marginalisierte die sunnitische Minderheit und befindet sich im Dauerstreit mit den Kurden, die sich in ihrer autonomen Region weitgehend von Bagdad unabhängig gemacht haben. Die radikal-islamistischen sunnitischen Gotteskrieger der Terrororganisation "Islamischer Staat im Irak und in der Levante" (ISIS) drangen vom Bürgerkrieg in Syrien beflügelt in das Machtvakuum ein, überrannten große Teile des am Boden liegenden Landes und rüsten nun zum Sturm auf die Hauptstadt Bagdad.
Doch nicht nur Bushs Irak-Invasion erwies sich als folgenschwerer Fehler. Auch Iraks Nachbarn sind für das Erstarken der radikalen Islamisten verantwortlich. Saudi-Arabien und Katar haben die Kämpfer der ISIS im syrischen Bürgerkrieg auf Kosten der moderateren Opposition unterstützt - vor allem, um den treuen Verbündeten von Präsident Bashar al-Assad - den Iran - zu schwächen. Und auch die Türkei ließ die Terroristen der ISIS als Feind der Kurden in Syrien gewähren.
Nun scheint alles außer Kontrolle geraten zu sein. Doch dem Aufstieg der Gotteskrieger wurde willfährig der Boden bereitet.

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