Qualität und sozial-ökologischer Fortschritt: AK für Stärkung der Erfolgsfaktoren statt Standortdebatte

Linz (OTS) - Topmanager und Industriellenvereinigung überbieten sich darin, den Standort schlechtzureden und "Entlastungen" für die Unternehmen zu fordern. Dabei hat sich Österreichs Industrie im letzten Jahrzehnt im Euroraum überdurchschnittlich entwickelt. "Soll es Gesellschaft und Wirtschaft langfristig gut gehen, braucht es keine kurzsichtigen Kostensenkungen, sondern die Entwicklung qualitativ hochwertiger Strukturen und Fähigkeiten", sagt AK-Präsident Dr. Johann Kalliauer und fordert eine Abkehr vom ruinösen Standortwettbewerb in Europa.

Die Industrieproduktion in Österreich hat sich in den vergangenen Jahrzehnten im Vergleich zum Euroraum überdurchschnittlich entwickelt. Während in Österreich heute um etwa 20 Prozent mehr produziert wird als Anfang 2005, beträgt der Zuwachs in Deutschland nur 15 Prozent. Im gesamten Euroraum wird aufgrund ruinös wirkender Spar- und Kürzungspolitik heute nur etwa gleich viel produziert wie 2005.

Auch die Ertragslage der Unternehmer mit Sitz in Oberösterreich spricht gegen das Jammern der Manager. Die Hälfte dieser Unternehmen hat im Jahr 2012 eine Rendite des eingesetzten Eigenkapitals von mehr als 16 Prozent, ein Viertel sogar mehr als 29 Prozent erzielt.

Topmanager und die Interessensvertretungen der Unternehmer/-innen beklagen dennoch schlechte Aussichten für die österreichische Industrie und argumentieren dabei mit fragwürdigen Standortrankings. Die meisten dieser Rankings werden mit problematischen Methoden erstellt und liefern daher oft abstruse Ergebnisse - so liegen beim Ranking des World Economic Forums die "Kosten von Gewalt und Verbrechen für Unternehmen" laut den befragten Managern/-innen in Österreich höher als in Ruanda und Armenien. Das ist kein Einzelfall, sondern Folge der systematisch fehlerhaften Methode der Rankings, die ein völlig falsches Bild von Wirtschaft zeichnen.

Das Wirtschaftsforschungsinstitut (WIFO) wählt einen anderen Ansatz, um ein realistischeres Bild der Leistungsfähigkeit Österreichs zu erlangen und Stärken und Schwächen zu identifizieren. Demnach ist ein Land oder eine Region dann wettbewerbsfähig, wenn es in der Lage ist, wirtschaftliche und gesellschaftliche Ziele für die Bevölkerung zu erreichen. Statt eines kurzsichtigen Preiswettbewerbes mit Kostensenkungen soll mittels eines qualitativen Wettbewerbs ein ökologisch und sozial ausgewogener wirtschaftlicher Entwicklungspfad eingeschlagen werden, der langfristig gute Wirtschaftserfolge ermöglicht. Während Österreichs Wirtschaft lauft WIFO insgesamt eine überdurchschnittlich hohe Innovationsintensität aufweist, besteht Aufholbedarf insbesondere bei folgenden Bereichen:

  • Technologiegrundlagen in der Produktion ausbauen
  • Einsatz einer hohen Qualifikationsstruktur steigern
  • mehr wissensbasierte Dienstleistungen in der Produktion
  • Vorrang von Qualitätswettbewerb vor Preiswettbewerb

Ob eine Volkswirtschaft erfolgreich und leistungsfähig ist, zeigt sich laut WIFO an Einkommen, sozialer Sicherheit und Umwelt. Beim verfügbaren Netto-Haushaltseinkommen, der Armutsgefährdungsquote oder den Treibhausgasemissionen weist Österreich im internationalen Vergleich durchwegs überdurchschnittliche gute Werte auf. Die WIFO-Berechnungen unter diesem neuen Blickwinkel zeigen, dass unter Berücksichtigung von 68 Indikatoren Schweden an erster Stelle rangiert, gefolgt von Österreich und den Niederlanden. Das Schielen auf niedrigste Arbeits- oder Energiekosten ist viel zu eng gefasst. Die Position eines Landes wird vielmehr von den Wirtschafts- und Gesellschaftsstrukturen sowie seiner umfassenden Leistungsfähigkeit bestimmt, so das WIFO.

"Wir fordern Qualitätssteigerung statt einseitiger Kostensenkung. Um international mithalten zu können, braucht es gut ausgebildete und motivierte Arbeitnehmer, eine qualitativ hochwertige Infrastruktur und Investitionen in Forschung und Entwicklung", sagt der AK-Präsident. Weiters fordert die AK eine Abkehr vom ruinösen Standort-Wettbewerb in Europa, der zur Aushöhlung sozial-ökologischer Standards, weniger Kaufkraft und damit zu sinkenden Investitionen und steigender Arbeitslosigkeit in allen Ländern führt. Das gemeinsame Ziel muss ein soziales Europa mit einem effizienten Schutz vor Sozial- und Umweltdumping sein. Und obwohl Unternehmen in Österreich gute Rahmenbedingungen vorfinden, helfen diese nicht, wenn aus strategischen Gründen Konzernzentralen oder ganze Unternehmen ins Ausland verlegt werden. Es braucht daher öffentliche Beteiligungen an oberösterreichischen Leitbetrieben, um sie langfristig vor Ausverkauf und Abwanderung zu schützen.

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