FORMAT: Finanzamt interessiert sich für dubiose Geldflüsse im Burgtheater

Schauspieler und Betriebsrat drohen Steuerprüfung

Wien (OTS) - Das Finanzamt interessiert sich für dubiose Geldflüsse im Wiener Burgtheater. Schauspieler, Regisseure und dem Betriebsrat des Burgtheaters drohen nun Steuerprüfungen. Das berichtet das Wirtschaftsmagazin FORMAT in seiner am Freitag erscheinenden Titelgeschichte.

Die Finanzprüfer interessieren sich laut FORMAT vor allem für alle Bargeldzahlungen, die von der ehemaligen kaufmännischen Burgtheater-Direktorin Silvia Stantejsky veranlasst wurden und bereits Gegenstand forensischer Untersuchungen durch die Wirtschaftsprüfungskanzlei KPMG waren.

Zahlreiche Ensemblemitglieder und (ausländische) Regisseure des Burgtheaters, die Namen liegen FORMAT exklusiv vor, wurden als Bargeldempfänger identifiziert. Dazu zählen etwa die Nestroy-Preisträger Michael Maertens und Christiane von Poelnitz. "Das Geld ist versteuert worden", stellt Maertens gegenüber FORMAT klar. Es waren Monatsgehälter, Spielgelder und Pauschalen, für die er Lohnsteuer und Sozialversicherungsabgaben geleistet hatte. Christiane von Poelnitz: "Jede Akonto-Zahlung an mich wurde dem Gehalt abgezogen und damit ordnungsgemäß versteuert."

Zudem sollen mehrere zehntausende Euro Cash von der Burgtheater-Kasse an den Betriebsrat geflossen sein. Das geht aus Rechnungen hervor, die von den KPMG-Sonderprüfern sichergestellt wurden. Die Rechnungen tragen auffällige Titel, wie etwa "Abrechnung künstlerische Lizenzen" (18.000 Euro), "TV-Auszahlung" (12.000 Euro) oder "Personalangelegenheiten" (18.000 Euro). Burg-Betriebsratsvorsitzende Dagmar Hölzl: "Ich habe das Geld nie gesehen." Die Belege seien aus ihrer Sicht "falsch". Es könnten laut FORMAT Scheinrechnungen gewesen sein. Für das Finanzamt sind sie prüfungswürdig.

Auch ein jahrelanger Hausbrauch im Burgtheater hat laut FORMAT das Interesse der Abgabenbehörde geweckt. Dabei geht es um "Erlöse aus Rundfunk- und Fernsehübertragungen", die das Burgtheater vom ORF kassiert und zum Großteil an Künstler weiterleitet. Es handelt sich um die Abgeltung von Urheberrechten. Pikant daran: Der Betriebsrat, der als Vertretungsbevollmächtigter der Künstlergemeinschaft agiert, zahlte die ORF-Gelder immer in bar aus. Warum keine Überweisung? Burg-Betriebsratschefin Hölzl: "Das war schon immer so und wird so bleiben." Den Geldempfängern, die in der vom Betriebsrat geführten Liste aufscheinen, droht eine Steuerprüfung. Die zentrale Frage aus Sicht des Finanzamts: Fanden diese Cashzahlungen Eingang in die individuellen Einkommensteuererklärungen?

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