ÖAMTC: Tempo 80 für Pkw bringt keine nennenswerte Reduktion von Stickstoffoxiden

Tempo 80 trifft großteils die Falschen

Wien (OTS) - "Tempo 80 ist schon alleine deshalb ein ungeeignetes Mittel zur Reduktion von Stickstoffoxiden, weil es großteils die Falschen trifft", bringt Bernhard Wiesinger, Chef der ÖAMTC-Interessenvertretung eine Analyse der Technischen Universität (TU) Wien auf den Punkt. "Benzin-Pkw, die etwa ein Viertel des Verkehrs auf der A1 bei Salzburg ausmachen, sind von Tempo 80 betroffen, obwohl sie praktisch keine Stickoxide ausstoßen. Zudem zeigen die Messwerte, dass zwei Drittel der schädlichen NOx-Emissionen durch den Güterverkehr verursacht werden", erläutert Wiesinger. "Drei Viertel davon sind Schwerverkehr - dieser war bereits vor der Probephase auf 80 km/h reglementiert."

NOx-Rückgang bei Diesel-Pkw nicht signifikant

Real-Time-Messungen der TU Wien zeigen außerdem, dass bei Diesel-Pkw der Ausstoß von Stickstoffoxiden durch eine Reduktion des Tempos von 100 auf 80 km/h nur um fünf bis zehn Prozent verringert wird. Prof. Ernst Pucher vom Institut für Fahrzeugantriebe und Automobiltechnik: "Bei Pkw besteht unter 100 km/h nur ein geringer Einfluss des Tempos auf den NOx-Ausstoß." Abgasmessungen im realen Verkehr zeigten außerdem deutlich, dass Fahrzeuge bei konstanter Fahrt auf Autobahnen mit Tempo 100 weitaus weniger Schadstoffe abgeben als bei "Stop and Go" im Stadtverkehr.

NO2-Rückgang spiegelt bloß den unterjährigen und mehrjährigen Trend wider

Betrachtet man die in der Probephase von Ende Februar bis Mitte Mai 2014 erhobenen NO2-Messwerte, so ist ein Rückgang um über 25 Prozent festzustellen - so wie jedes Jahr. Prof. Pucher: "Dieser Rückgang beruht auf Jahreszeiteffekten und ist jährlich an allen Salzburger Messstellen festzustellen."

Aber auch in einer mehrjährigen Betrachtungsweise sprechen die Zahlen eine deutliche Sprache. Durch die strengeren Abgasvorschriften der EU ist die Stickstoffoxid-Konzentration in Salzburg seit 2003 merklich zurückgegangen. Ein Trend, der anhalten wird. Durch die automatische Fuhrparkerneuerung werden zukünftig immer mehr Fahrzeuge der Abgasklasse Euro VI auf heimischen Straßen unterwegs sein. "Für die Autobahn A1 in Salzburg hat das bis 2020 eine Halbierung der NOx-Emissionen zur Folge", erklärt der Chef der ÖAMTC-Interessenvertretung. "Eine Tempo 80-Beschränkung für Pkw würde diese Entwicklung nicht merkbar beschleunigen."

Alternativen mit mehr Wirkung

Wenn die Verantwortlichen in Salzburg tatsächlich eine raschere Verbesserung der Luftqualität erreichen wollen, dann sollten sie daher laut ÖAMTC den Umstieg auf Fahrzeuge der Abgasklasse Euro VI forcieren. "Es könnte etwa die Anschaffung abgasarmer Pkw gefördert werden. Aber auch die Umrüstung ganzer Fahrzeugflotten beispielsweise auf Erdgasantriebe ist eine Option, über die man nachdenken sollte", meint der Chef der ÖAMTC-Interessenvertretung. Eine weitere Maßnahme, die deutliche Wirkung für eine höhere Luftqualität in der Salzburg haben würde, wäre die Vermeidung von "Stop-and-Go"-Verkehr. Wiesinger: "Die Messungen der TU Wien zeigen, dass die 'Grüne Welle' in der Stadt - soweit machbar - deutlich mehr bringen würde als Tempo 80 auf der A1."

Ein Tempolimit als Maßnahme für eine höhere Luftqualität kann sich der Club hingegen allenfalls für jene Verkehrsteilnehmer vorstellen, bei denen eine derartige Beschränkung auch Wirkung zeigt. Wiesinger:
"Aufgrund des höheren Luftwiderstandes von Lieferfahrzeugen kann nur bei dieser Fahrzeug-Klasse - Klein-Lkw unter 3,5 Tonnen - durch Tempo 80 tatsächlich ein signifikantes Minus beim Schadstoffausstoß erzielt werden."

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