WirtschaftsBlatt-leitartikel: Freitag, der 13. für Handwerker - von Patrizia Reidl

Das Gesetz ist eigentlich gut gemeint, betrifft aber auch Handwerker im Akuteinsatz

Wien (OTS) - Der kommende Freitag ist ein 13. und für so manchen Abergläubigen eher kein Glückstag. Für 100.000 Handwerks- und Gewerbetreibende in Österreich wird es aber bestimmt ein Unglückstag. Ab dann müssen die Handwerker nämlich, wenn sie zu einem Kunden ins Haus gerufen werden, nicht nur ihren Werkzeugkoffer mitnehmen, sondern zusätzlich ein paar Formulare.

Auf denen wird der Kunde in 14 Punkten etwa darüber informiert, wer das Unternehmen ist, wie die Dienstleistung bzw. Ware geartet ist, wie sich der Preis zusammensetzt oder wie das Widerrufsrecht aussieht. Und erst nachdem der Kunde gelesen und unterschrieben hat, darf der Handwerker mit der Reparatur beginnen.

Hoffentlich hat sich das Malheur, weswegen der bemitleidenswerte Kunde den Handwerker gerufen hat, in der Zwischenzeit nicht noch weiter verschlimmert. Beispielsweise, dass das Wasser vom Rohrbruch in der Zwischenzeit nicht die gesamte Wohnung überschwemmt hat.

Aber, so ist zu hören, die Formulare für den Wasserrohrbruch gehören mit nur eineinhalb Seiten ohnehin zu den kürzesten, die ausgearbeitet wurden. Na dann. Alles halb so schlimm, oder?
Mitnichten. Verantwortlich für den zusätzlichen Papierkram ist die neue EU-Verbraucherrechte-Richtlinie. Sie tritt, in österreichisches Recht gegossen, am Freitag in Kraft.

Das Gesetz ist eigentlich gut gemeint. Mehr Rechtssicherheit für Verbraucher und Vereinfachung für Verbraucher und Unternehmer soll es bringen. Im Grundgedanken sollte die Richtlinie die Verbraucher vor unangemeldeten Geschäften an der Haustür schützen und ihnen bessere und mehr Rechte einräumen. Das begrüßen auch Unternehmervertreter.

Blöd nur, dass das neue Gesetz auch ein völlig anderes Regime für Fernabsatz- und Außergeschäftsraumverträge mit sich bringt. Und das betrifft eben die ganz normalen Handwerker im ganz normalen Geschäftsalltag, die vom Kunden wegen eines Notfalls ins Haus gerufen werden.

Drängt sich der Gedanke auf, dass das ein Fall für eine Ausnahmeregelung ist. Für Gesundheitsberufe und Lebensmittelhandel gibt es die Ausnahme bereits.

Sie müssen dem Kunden keinen zeitraubenden Formularwust vorsetzen, bevor sie die Dienstleistung erbringen. Das sollte auch für den Handwerker gelten, der im Notfall zum Kunden gerufen wird.

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