Weniger Menschen - längeres Leben: Europas Politiker haben viele Möglichkeiten, die Chancen des Demografischen Wandels zu nutzen

Gestaltungsraum für Investitionen in Bildung durch niedrige Geburtenzahlen. Das empfehlen acht europäische nationale Wissenschaftsakademien.

Wien (OTS/ÖAW) - Die Menschen in Europa werden heute älter als jemals zuvor, und die Kinderzahl je Frau in den meisten europäischen Ländern liegt deutlich auf unter zwei Kindern. Die Wissenschaftsakademien fordern ein politisches Konzept, das den gesamten Lebenslauf der Menschen einbezieht und die Herausforderungen berücksichtigt, die der demografische Wandel für die Gesundheits-, Bildungs-, Arbeits- und Wohnungspolitik mit sich bringt.

Die Wissenschaftsakademien weisen in ihrer Stellungnahme darauf hin, dass ein längeres Erwerbsleben neue, flexiblere Lebensläufe erforderlich macht. Gründe für die Verlängerung des Erwerbslebens sind neben der wirtschaftlichen Notwendigkeit, die Menschen länger am Arbeitsmarkt zu halten, auch Verbesserungen der persönlichen Gesundheit und Leistungsfähigkeit. Es gelte, neue institutionelle Rahmenbedingungen zu schaffen, die es den Bürgern erlauben, häufiger zwischen Lernen/Bildung, Erwerbstätigkeit und Freizeit/Familienzeit zu wechseln. Eine weitere Empfehlung der Stellungnahme bezieht sich auf die Einrichtung europäischer Standards für die Gestaltung von Berufswegen und Berufsbildung, um die psychische und körperliche Entwicklung bei der Arbeit positiv zu fördern.

Professor Wolfgang Lutz, Vertreter der ÖAW in der Arbeitsgruppe erklärt: "Den vorzeitigen Tod zu vermeiden, ist einer der größten Träume der Menschheitsgeschichte. Heute gewinnen wir in Österreich in jedem Kalenderjahr drei Monate an Lebenserwartung hinzu. Diese hocherfreuliche Entwicklung erfordert es aber auch, dass wir unsere sozialen Sicherungssysteme und unseren Arbeitsmarkt flexibel und zugleich sozial verträglich an die neuen Bedingungen anpassen. Wenn gleichzeitig die Zahl der Kinder abnimmt, wird es umso wichtiger, in ihre Fähigkeiten zu investieren."

Die Stellungnahme wirft die Frage auf, ob das Lebensalter als Hauptindikator für ihre Belastbarkeit oder Leistungsfähigkeit noch Gültigkeit hat. Sie fordert die Entwicklung weiterer Indikatoren, die auch Veränderungen im Alterungsprozess verschiedener Generationen erfassen, insbesondere die Steigerung der körperlichen und geistigen Leistungsfähigkeit älterer Menschen von einem Geburtsjahrgang zum nächsten.

Professor Günter Stock, Präsident der ALLEA (All European Academies), unterstützt die Aussagen der gemeinsamen Stellungnahme ad personam: "Die Vorstellungen davon, wie sich Beruf und Familie vereinbaren lassen, wie das individuelle Potenzial über den gesamten, längeren Lebensverlauf ausgeschöpft werden kann und wie Einwanderer aufgenommen und in die Gemeinschaft integriert werden sollten, gehen innerhalb Europas deutlich auseinander. Vom wissenschaftlichen Standpunkt aus gesehen, betonen die Akademien, dass es weder auf die Anzahl der Geburten noch die der Einwanderer noch die der Lebensjahre ankommt, sondern darauf, die Lebensqualität und die Nachhaltigkeit der Lebensbedingungen zu erhöhen. Hier liegt der Weg zur Vereinbarkeit des demografischen Wandels mit wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und Umweltbedingungen."
Die vollständige Stellungnahme und die Empfehlungen der Wissenschaftsakademien finden sich in englischer Sprache unter folgendem Link: http://www.ots.at/redirect/leopoldina.org

Unterzeichner der gemeinsamen Stellungnahme sind die Österreichische Akademie der Wissenschaften, die Finnische Akademie der Wissenschaften, die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina, die Polnische Akademie der Wissenschaften, die Königlich Dänische Akademie der Wissenschaften, die Royal Society, die Königlich Schwedische Akademie der Wissenschaften und die Akademien der Wissenschaften Schweiz.

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