Massiver Anstieg von Antidepressiva-Verschreibungen an Erwerbsfähige: AK fordert Arbeitgeber auf, rasch zu handeln

Linz (OTS) - Aktuelle Daten der Oberösterreichischen Gebietskrankenkasse (OÖGKK) zeichnen ein alarmierendes Bild der psychischen Gesundheit der Versicherten. Im vergangenen Jahr wurden diesen über 20 Prozent mehr Antidepressiva verschrieben als noch fünf Jahre zuvor. Besonders von diesem Anstieg betroffen sind Frauen und Erwerbsfähige zwischen 51 und 60 Jahren. Die Anzahl an Krankenständen, die aus psychischen Erkrankungen resultierten, verdreifachte sich im Zeitraum von 2003 bis 2013 beinahe.

AK-Präsident Dr. Johann Kalliauer ist überzeugt: "Es gibt bestimmt viele Gründe dafür, warum Menschen psychisch krank werden. Ein wesentlicher Verursacher sind aber belastende und krank machende Arbeitsbedingungen." Aktuelle Daten der OÖGKK deuten darauf hin, dass es einen Zusammenhang zwischen Belastungen im Job und psychischen Erkrankungen gibt. Von 2008 bis 2013 stieg die Anzahl an Verschreibungen von Antidepressiva um mehr als 20 Prozent - von 617.112 auf 745.939 Packungseinheiten. Alleine die Kosten für diese Medikamente beliefen sich auf fast 13 Millionen Euro im vergangenen Jahr.

Eine Auswertung nach Alter zeigt, dass junge Menschen seltener antidepressive Medikamente benötigen. Mit zunehmendem Erwerbsalter nimmt die Verschreibungspraxis zu: Die Altersgruppe zwischen 31 und 40 Jahren ist davon schon viel häufiger betroffen als die Altersgruppe vor ihr. Den absoluten Zenit an Verschreibungen von Antidepressiva erreicht die Altersgruppe zwischen 51 und 60 Lebensjahren. Frauen in dieser Altersgruppe erhielten im Jahr 2013 103.693 Packungen Antidepressiva verschrieben, Männer 57.003. In den darauffolgenden Alterskohorten lässt sich wieder ein deutlicher Rückgang feststellen. Personen, die aus dem Erwerbsleben ausgeschieden sind, benötigen also weniger oft Antidepressiva als Erwerbsfähige.

Daten des Österreichischen Arbeitsgesundheitsmonitors der Arbeiterkammer Oberösterreich aus dem Jahr 2012 zeigen, dass bereits 29 Prozent aller Beschäftigten als "psychisch höher belastet" einzustufen sind, zehn Prozent als "sehr hoch". Dabei wurden Stressempfinden/Druck, Demotivation, die Unfähigkeit abzuschalten, Depressivität, ein Gefühl der Erschöpfung und Überlastung, Gereiztheit und das Gefühl der Sinnleere als psychische Belastungsfaktoren definiert.

Die Hauptursache für psychische Belastungen von Arbeitnehmern/-innen sind Termin- und Zeitdruck in der Arbeit. Vier von zehn Beschäftigten, die unter Zeitdruck arbeiten, weisen mehrfache psychische Belastungen auf. Stress und psychische Belastungen haben in der Arbeitswelt stark zugenommen, weil immer weniger Personal mehr Aufgaben schneller und in besserer Qualität erfüllen sollen. Dazu AK-Präsident Dr. Johann Kalliauer:
"Arbeitgeber, die glauben, sie können ihren Profit durch eine knappe Personalbemessung zusätzlich erhöhen, schaden damit nicht nur den Beschäftigen und der Versichertengemeinschaft, sondern letztlich auch sich selbst."

Dies bestätigen ganz deutlich die Daten zur Krankenstandsentwicklung aufgrund psychischer Erkrankungen. Im Jahr 2013 fielen Oberösterreichs Arbeitnehmer/-innen aufgrund psychischer Erkrankungen rund 760.000 Tage aus - fast drei Mal so oft als noch im Jahr 2003 (rund 270.000 Tage). Mittlerweile machen psychische Erkrankungen schon mehr als zehn Prozent der gesamten Krankenstandstage (7,364.890 Tage in Oberösterreich im Jahr 2013) aus. Besonders betroffen sind Frauen: Sie waren vergangenes Jahr rund 455.000 Tage wegen psychischer Erkrankungen im Krankenstand, Männer rund 303.000 Tage. Psychische Erkrankungen sind bei österreichischen Frauen mittlerweile die häufigste Ursache von Invaliditätspensionen, bei Männern die zweithäufigste.

"Die aktuellen Zahlen zum psychischen Gesundheitszustand der Beschäftigten unterstreichen einmal mehr die Forderung der Arbeiterkammer, die Unternehmer in die Pflicht zu nehmen. Die psychischen Belastungen in den Betrieben müssen evaluiert und daraus wirksame Maßnahmen abgeleitet werden, die den Druck auf Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer weitgehend beseitigt", so Kalliauer. Die AK fordert ein Bonus-Malus-System, das jene Unternehmen finanziell in die Pflicht nimmt, die krank machende Arbeitsbedingungen nicht abstellen. Außerdem müssen die Kontrollmöglichkeiten des Arbeitsinspektorats dringend ausgebaut werden.

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