WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Das große Beben kommt erst - von Andre Exner

Der riesige Apparat braucht Beschäftigung: Am Bau ist nichts so teuer wie Stillstand

Wien (OTS) - Der bevorstehende Verkauf des Baukonzerns Bilfinger in Österreich ist nur die Spitze des Eisbergs. Wie man hinter den Kulissen hört, loten vom Bau-KMU bis zum Großkonzern viele Marktteilnehmer derzeit Optionen aus, die von der Suche nach einem kapitalstarken Investor bis zum Verkauf reichen.

Probleme macht den Baufirmen dabei gar nicht die Wirtschaftskrise:
Die öffentliche Hand ist im Bausektor weit weniger knausrig als befürchtet wurde, und gerade der Bereich Wohnbau boomt in Österreich mehr denn je.

Vor diesem Hintergrund gab es auf dem heimischen Bausektor auch im Vorjahr ein knappes, aber klares Umsatzwachstum, während der Sektor europaweit laut Euroconstruct um 2,8 Prozent geschrumpft ist.

Nein, die Probleme des Bausektors haben ganz andere Gründe: Erstens die Banken, die aufgrund von neuen Regulativen ihre Firmenkredit-Portfolios auf den Prüfstand stellen und auch jahrzehntelange Partnerschaften genau hinterfragen. Und zweitens die Bauunternehmen selbst, die - unterstützt von diesen früher sehr spendablen Banken - Überkapazitäten aufgebaut haben, mit denen sie sich gegenseitig schaden.

Jeder, der mit offenen Augen durch die Straßen seiner Heimatstadt spaziert, wird bemerkt haben, auf wie vielen kleinen Baustellen von der Straßensanierung bis hin zum privaten Wohnbau die Logos großer, namhafter Baufirmen sichtbar sind.

Das heißt nicht, dass die Großkonzerne auf die mickrigen Gewinne spitzen, die bei solchen Aufträgen abfallen - sondern, dass sie einen Apparat mitschleppen, der ständige Beschäftigung braucht; denn am Bau ist nichts so teuer wie Stillstand.

Nach der Pleite des Branchenriesen Alpine landeten von Tausenden Mitarbeitern weniger als 50 in den eigens eingerichteten Insolvenzstiftungen.

Es ist schön, dass alle wieder einen Job haben - die Frage ist aber, wie lange der Balanceakt zwischen Preisdruck und Überkapazitäten gelingen kann. Scheitern viele auf einmal, droht ein Beben, dem sich niemand in der Branche entziehen kann.

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