64. Städtetag: Arbeitskreis 5 - Schulen und Kommunen auf dem Weg zum gemeinsamen Lernen

Graz (OTS) - Der fünfte Arbeitskreis im Rahmen des 64. Städtetages widmete sich dem Thema Bildung. Unter der Moderation der stellvertretenden Chefredakteurin des Kurier, Martina Salomon, diskutierten hochkarätige Podiumsteilnehmer - darunter Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek, die sich vor allem für mehr Schulautonomie und gegen das derzeitige "Gießkannen-Prinzip" aussprach: "Jedes Kind hat unzählige Talente und Begabungen. Die Schule der Zukunft soll diese Stärken in jedem Kind fördern, und dort, wo es nicht so gut läuft, so früh wie möglich gezielte Unterstützungsangebote machen. Ein besserer Übergang vom Kindergarten in die Volksschule und der Ausbau ganztägiger Schulformen steigern die Bildungschancen aller Schülerinnen und Schüler. Gemeinsam mit den Ländern habe ich einen Dialog darüber ins Leben gerufen, wie Schule künftig aussehen soll, wie wir effizienter werden und gleichzeitig für mehr Qualität in den Schulen sorgen können. Die beste Bildung für unsere Kinder, das ist eine gemeinsame Verantwortung von Bund, Ländern und Kommunen."
Sie werde auch eine Weiterentwicklung der sogenannten "inklusiven Bildung" vorantreiben, so Heinisch-Hosek - also Voraussetzungen schaffen, um allen Menschen die gleichen Möglichkeiten zu eröffnen, an qualitativ hochwertiger Bildung teilzuhaben um ihre Potenziale entwickeln zu können, unabhängig von besonderen Lernbedürfnissen, Geschlecht, sozialen und ökonomischen Voraussetzungen.
Die föderalen Strukturen müsse man jedenfalls entflechten, betonte die Bildungsministerin, sie werde sich für einen aufgabenorientierten Finanzausgleich einsetzen, der die Finanzmittelverteilung nicht nach Köpfen sondern nach Aufgaben regeln soll - "und, eine Umverteilung der Finanzen ist das Gebot der Stunde."

"Kommunen sollen gestalten statt verwalten"

Der deutsche Kultur- und Bildungsberater Wolfgang Weiß machte die Wichtigkeit von kommunaler Bildungsgestaltung deutlich, denn man könne nicht alles auf Bundesebene entscheiden: "In Zeiten, wo Stadtteile und ganze Regionen sozial auseinanderdriften, brauchen wir eine aktiv gestaltende Bildungsverantwortung vor Ort. Denn die Sachkundigen und Praxiserfahrenen sitzen Großteils in den Städten und Gemeinden. Letztlich entscheiden sie mit ihren Aktivitäten und lokalen Netzwerken darüber, ob und vor allem wie die hehren Bildungsziele dann umgesetzt werden, z.B. wie die Schule mit den Museen, Bibliotheken, Theatern, mit den Sportvereinen, den Jugendverbänden, und all den anderen außerschulischen Bildungsinstitutionen vor Ort zusammenarbeiten." Sie würden auch am besten den lokalen Qualifizierungsbedarf der Wirtschaft eruieren können und an die Schulen zurückmelden, um entsprechende Partnerschaften zu entwickeln. Sie würden auch am besten feststellen können, in welchen Stadtteilen besonderer Förderbedarf bestehe und darauf bezogene Bildungsmaßnahmen entwickeln, die auch praktische Erfolge zeigen, und, was besonders wichtig ist, die Familien in diesen Prozess von Anfang an integrieren - und zudem für angemessene Transparenz in solcher Bildungslandschaft sorgen. Doch Vernetzung und Eigenverantwortung von Schulen und Kommunen sei nicht alles in der kommunalen Bildungslandschaft. "Erfolg wird sich nur einstellen, wenn die Gesamtverantwortung des Staates erhalten bzw. neu definiert wird. Denn ohne dessen zentrale Steuerung, z.B. durch Festlegung der wichtigsten Strukturen, Standards und vor allem der zentralen Bildungsziele besteht die Gefahr, dass die verschiedenen Stadtteile und Landesregionen bildungsmäßig und sozial immer weiter auseinander driften und die Gleichwertigkeit der Lebensbedingungen immer weniger gegeben ist", so Weiß. Es komme deshalb darauf an, heraus zu filtern, auf welcher Ebene welche bildungspolitischen Entscheidungen zu treffen sind. Die Stärkung der kommunalen Bildungsverantwortung sei dabei ein entscheidender Schritt auf dem Weg zu einer staatlich-kommunalen Verantwortungsgemeinschaft für Bildung.

Auch Peter Härtel, Geschäftsführer der Steirischen Volkswirtschaftlichen Gesellschaft, sieht die Verantwortung für Schulen klar bei den Kommunen und meint: "Die Aufgaben sind klar definiert. Bildung und Lernen sind aber mehr als Schule. Lernen geschieht im öffentlichen Raum genauso wie in Bibliotheken, Kultur-und Sportvereinen, in ehrenamtlichen Tätigkeiten ebenso wie in Unternehmungen und am Arbeitsplatz. Auf Vieles davon hat die Stadt direkt oder indirekt Einfluss. Wie dieser Einfluss wahrgenommen wird, bestimmt wesentlich die Bildungs- und damit auch Lebensqualität in der Stadt."
Konkrete Maßnahmen, um mit den Herausforderungen im Bildungsbereich umzugehen, zeigte der Grazer Stadtrat und Vorsitzender des Arbeitskreises, Kurt Hohensinner auf: "Graz hat in den nächsten Jahren Wesentliches umzusetzen. Einerseits müssen wir massiv in die Infrastruktur investieren, da erfreulicherweise Graz Jahr für Jahr wächst und somit mehr Klassenräume benötigt werden. Andererseits sind wir gerade dabei, die Bildungsstrategie ,Bildung findet Stadt' umzusetzen. Bis Ende 2015 werden wir - und das ist ein sehr ehrgeiziger Vorsatz -
35 konkrete Maßnahmen wie z.B. die tägliche Turnstunde und einen Talente-Pass einführen. Wir wollen gestalten und nicht mehr als ,Schulhausmeister' bezeichnet werden."

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