- 03.06.2014, 11:00:33
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Entwicklung der betrieblichen Vorsorge in der österreichischen Versicherungswirtschaft
Durchführungswege und steuerliche Vorteile in Österreich noch zu wenig bekannt
Utl.: Durchführungswege und steuerliche Vorteile in Österreich noch
zu wenig bekannt =
Wien (OTS) - Die Versicherungswirtschaft ist mit rund 5,5 Mrd. Euro
Gesamtvolumen per Jahresende 2013 für österreichische Unternehmen ein
wichtiger Partner im Bereich der betrieblichen Vorsorge. Die
betriebliche Altersvorsorge im Segment der Lebensversicherung nimmt
dabei mit ihrem Anteil von über 3,8 Mrd. Euro eine zentrale Stellung
ein. "Die unterschiedlichen Durchführungswege und flexiblen
Gestaltungsmöglichkeiten, insbesondere auch die steuerlichen Vorteile
aus Sicht der Unternehmer und Arbeitnehmer, sind in Österreich aber
nach wie vor noch viel zu wenig bekannt", sagt DI Manfred Rapf,
Vorsitzender der Sektion Lebensversicherung im österreichischen
Versicherungsverband VVO.
Direkte Leistungszusagen für Geschäftsführer und
Führungskräfte dominieren
Den höchsten Vermögensanteil in der betrieblichen Altersvorsorge
weist per Jahresende 2013 die Pensionsrückdeckungsversicherung
("Direkte Leistungszusage") mit rund 2,0 Mrd. Euro Deckungskapital
aus. Die betriebliche Zukunftssicherung gemäß § 3 Abs. 1 Zi. 15, über
die Arbeitgeber für ihre Mitarbeiter jährlich 300,- Euro frei von
Lohnsteuer und Lohnnebenkosten in eine Lebens-, Unfall- und/oder
Krankenversicherung investieren können, ist mit rund 1,2 Mrd. Euro
und über 551.100 Begünstigten die am meisten verbreitete Vorsorge
nach eingebundenen Arbeitnehmern.
Betriebliche Kollektivversicherung hat das meiste Potential
Die betriebliche Kollektivversicherung, als noch jüngstes Produkt
(seit 2005) im betrieblichen Vorsorgeportfolio der
Lebensversicherung, macht mit einem verwalteten Vermögen von 643,4
Mio. Euro und rund 16.000 begünstigten Arbeitnehmern per Jahresende
2013 zwar noch den geringsten Anteil aus, zeigt aber zugleich das
größte Potential, zumal in Österreich die Faktoren Garantie und
Sicherheit die wichtigsten Kriterien in der Veranlagung darstellen,
wenn es um das Thema Altersvorsorge geht. Im Gegensatz zum
Pensionskassenmodell wird bereits bei Vertragsabschluss die
Pensionshöhe garantiert und einmal zugeteilte Gewinne in der
Ansparphase können nicht mehr verloren gehen. Für den Unternehmer
sind Prämienzahlungen nicht nur von Sozialabgaben und sonstigen
Lohnnebenkosten befreit, sondern auch als Betriebsausgabe absetzbar.
Alle drei Durchführungswege der betrieblichen Altersvorsorge basieren
auf der klassischen Lebensversicherung, die als einzige Vorsorgeform
eine klar kalkulierbare, lebenslange Rente mit Garantiezins bietet.
Betriebliche Vorsorgemodelle vor allem bei KMUs zu wenig bekannt
Besonders gering ist die Verbreitung der betrieblichen Altersvorsorge
im Segment der Klein- und Mittelbetriebe (KMU). Laut
Wirtschaftsforschungsinstitut beträgt der Anteil der
Kleinstunternehmen (1 bis 9 Beschäftigte), die ihren Mitarbeitern
eine betriebliche Vorsorgelösung anbieten, lediglich 11 %. Nimmt man
Betriebe mit 10 bis 19 Mitarbeitern sind es rund 15 %. Dagegen
erreichen Konzerne ab einer Mitarbeiterzahl von 300 einen
Verbreitungsgrad von mehr als 44 %.
(Quelle: WIFO Studie 2009)
"Ein wesentlicher Grund liegt darin, dass viele
Entscheidungsträger speziell im KMU-Bereich die unterschiedlichen
Möglichkeiten betrieblicher Vorsorgelösungen und deren steuerliche
Vorteile gar nicht kennen", betont Rapf. "Hier muss unsere Branche
noch mehr Informations- und Aufklärungsarbeit leisten, um
insbesondere die Nutzenaspekte und die zu lukrierenden Steuervorteile
sowohl Unternehmern als auch Arbeitnehmern zugänglich zu machen."
Betriebliche Vorsorge als wichtiges Instrument moderner
Personalpolitik
Unternehmen, die heute betriebliche Altersvorsorge anbieten,
übernehmen nicht nur soziale Verantwortung, sondern positionieren
sich auch als attraktive Arbeitgeber, was ein immer wichtigeres
Differenzierungsmerkmal im Wettbewerb darstellt. Dass sich
insbesondere die junge Generation auf eine wachsende Pensionslücke
einstellen muss, ist mittlerweile bekannt. Zahlreiche Studien zeigen,
dass das Bewusstsein junger Menschen für die Notwendigkeit
zusätzlicher Pensionsvorsorge - ergänzend zur staatlichen Pension -
bereits stark ausgeprägt ist. Betriebliche Vorsorgelösungen sind für
eine moderne Personalpolitik, welche die langfristige
Mitarbeiterbindung fördert und für (junge) Schlüsselkräfte attraktiv
gestaltet sein soll, besonders gut geeignet.
Nachhaltige Absicherung des Pensionssystems in Österreich
In Österreich werden über 90% der Pensionen staatlich finanziert.
2012 wurden in Österreich ca. 46 Mrd. Euro bzw. knapp 15% des
Bruttoinlandsprodukts für die Altersvorsorge aufgewendet. Die
staatlichen Zuschüsse zum Pensionssystem machen bereits rund 8,7 Mrd.
Euro aus. "Vor dem Hintergrund der demografischen Entwicklung wünscht
sich unsere gesamte Branche natürlich auch einen Schulterschluss mit
der Politik, um hier gemeinsam eine möglichst langfristige und
nachhaltige Absicherung der Pensionen für alle Generationen zu
gewährleisten", streicht Rapf künftige Herausforderungen hervor.
"Konkrete Reformvorschläge, wie beispielsweise die Anhebung der
gesetzlichen Höchstgrenze von derzeit 300 Euro pro Jahr bei der
Zukunftssicherung, oder die erweiterten Öffnungsklauseln in
Kollektivverträgen für die betriebliche Kollektivversicherung, sowie
der Zugang der betrieblichen Kollektivversicherung zum öffentlichen
Bereich wären wichtige Hebel für den Ausbau der betrieblichen
Altersvorsorge in Österreich. Damit könnte die ergänzende
Zusatzpension zur staatlichen Versorgung und zur privaten Vorsorge,
die für viele Menschen in Österreich nur sehr schwer leistbar ist, in
Zukunft sukzessive für alle Arbeitnehmer zugänglich werden", betont
Rapf.
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