Neues Volksblatt: "Faymanns Dilemma" von Markus EBERT

Ausgabe vom 2. Juni 2014

Linz (OTS) - Jetzt also auch Hans Niessl.
Der burgenländische Landeshauptmann und SPÖ-Chef denkt im Presse-Interview laut über eine Aufkündigung der rot-schwarzen Koalition nach, wenn bei der Steuerreform nicht schon 2015 etwas weitergeht.
Bisher war das eher das Gedankenspiel der roten Parteijugend, begründet damit, dass die SPÖ ihre Positionen nicht durchbringt. Des Kanzlers und SPÖ-Chefs engster Vertrauter, Minister Josef Ostermayer, trat in der ORF-Pressestunde zum koalitionär-klimatischen Rettungsversuch an und meinte, er würde das nicht so formulieren wie Niessl. Als Optimist und Realist setze er auf Überzeugungsarbeit, daher stelle sich die Koalitionsfrage nicht.
Das mag für ihn und für Werner Faymann gelten, aber für andere in der SPÖ - und Niessl ist jetzt, im Vergleich zu den Jusos, schon ein anderes Kaliber - offenbar nicht. Bloß müssen sie sich die Frage stellen, ob vorzeitig vom Zaun gebrochene Neuwahlen die SPÖ in eine Position bringen, in der sie ihre Vorstellungen besser durchsetzen kann als in der jetzigen Konstellation mit der ÖVP. Vielleicht als Juniorpartner in einer Koalition mit der FPÖ, die vom Boulevard gerade wieder hochgejubelt wird?
Will er nicht das Gusenbauer-Schicksal erleiden und als SPÖ-Chef vorzeitig in die Wüste geschickt werden, muss Faymann Kanzler bleiben. Sein Dilemma: Genau das wollen offenbar die Genossen zunehmend gar nicht mehr.

Rückfragen & Kontakt:

Neues Volksblatt, Chefredaktion
Tel.: 0732/7606 DW 782
politik@volksblatt.at
http://www.volksblatt.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | NVB0001