Weltmilchtag: Titschenbacher verlangt gerechten Erzeugerpreis

Auslaufen der EU-Milchquote verschärft internationalen Wettbewerb

Graz (OTS) - "In der EU endet mit 31.03.2015 die Milchquote. Der Wegfall dieser produktionsbegrenzenden Regelung bringt nicht nur für die Milchbauern Verunsicherung, auch für die heimischen Molkereien ist dies eine große Herausforderung", betonte heute der steirische Landwirtschaftskammer-Präsident, Franz Titschenbacher, anlässlich des Weltmilchtages, der am kommenden Sonntag begangen wird. "Es ist jetzt entscheidend, dass alle Akteure entlang der gesamten Wertschöpfungskette verantwortungsvoll agieren, um den Markt in dieser sensiblen Phase nicht zu destabilisieren", so Titschenbacher. Der Handel müsse in seinen Kalkulationen darauf Bedacht nehmen, dass auch die Milchbauern und Molkereien einen fairen Erzeugermilchpreis brauchen.

Betriebsmittelpreise steigen stärker als Erlöse der Milchbauern

"Die Schere zwischen den Ausgaben für Betriebsmittel und den Erlösen der Milchbauern klafft immer weiter auseinander. Daran haben auch die relativ guten Erzeugerpreise des vergangenen Jahres nichts geändert. Die derzeitige Abschwungphase bei den Milchpreisen verschärft die Situation weiter", gab Titschenbacher zu bedenken. "Kleinere Betriebe, über den EU-Erfordernissen gelegene Tierschutz-und Umweltstandards, notwendige Spezialmaschinen in der Berglandwirtschaft - all das verursacht Kosten, die Produzenten in den europäischen Gunstlagen nicht zu stemmen brauchen", erläutert der Präsident. "80% der steirischen Milch werden unter erschwerten Bedingungen auf Bergbauernhöfen mit steilen Wiesen, Weiden und Almen hergestellt. Die Milchbauern pflegen unsere für den Tourismus so attraktive, abwechslungsreiche Landschaft - in unserem Bundesland sind das rund 300.000 ha wertvolles Grünland", so Titschenbacher.

Österreichischer Milchpreis unter deutschem Niveau

"Der Erzeugermilchpreis hat im vergangenen Jahr die notwendige positive Entwicklung genommen, diese war aber gegenüber Deutschland deutlich gebremster. Die Ursache war, dass in Österreich die Produktpreisanhebungen im Handel wesentlich zäher umzusetzen waren als in der BRD. Zudem konnten die großen deutschen Milchverarbeiter die gute Exportsituation nach China besser nutzen als unsere heimischen Molkereien, die sich im Exporthandel vor allem auf den EU-Binnenmarkt konzentrieren", erläuterte der Präsident.

China als wichtiger Preismotor

China habe zwischen 2011 und 2013 den Import von Milchpulver von 318.000 t auf 618.000 t nahezu verdoppelt. "Gerade in der Kinderernährung setzen die chinesischen Konsumenten auf europäische Ware. Vor allem der Melaminskandal im Jahre 2008 hat die Menschen dort verunsichert. Die dadurch gestiegenen Importe haben das Milchgeschäft auf dem Weltmarkt sehr positiv beeinflusst", ergänzte der LK-Präsident.

Entlastung bei der EU-Zusatzabgabe notwendig

Im letzten Jahr der EU-Quotenregelung drohe den heimischen Milchbauern bei Überlieferung ihres Kontingentes abermals eine hohe Strafzahlung an Brüssel. "Kurioserweise wird diese Abgabe erst dann fällig, wenn es die Milchquote gar nicht mehr gibt", stellte Titschenbacher fest. Er verlangte daher von EU-Agrarkommissar Dacian Ciolos entlastende Maßnahmen, wie beispielsweise die Absenkung der Fettkorrektur, um den österreichischen Bauern den Übergang in das quotenlose System nicht zusätzlich zu erschweren.

Freihandelsabkommen EU/USA: Gegen Verwässerung der Qualitätsstandards

"Das derzeit in Verhandlung stehende Freihandelsabkommen (TTIP) zwischen der EU und den USA darf nicht dazu führen, dass unser hohes Qualitätsniveau und die Sicherheit unserer Lebensmittel durch Zugeständnisse an die amerikanische Seite ausgehöhlt werden", forderte Titschenbacher. Allerdings sollte man nicht verschweigen, dass dieses Abkommen für Europa und Österreich auch neue Chancen im Handel mit Milchprodukten bedeuten könnte.
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