Ausbildungsgarantie statt Gießkanne: AK fordert Reform der Lehrstellenförderung

Linz (OTS) - Die Lehrausbildung ist in Österreich ein hoch subventioniertes System: Der überwiegende Teil der staatlichen Lehrstellenförderung wird trotz knapper Mittel nach dem Gießkannenprinzip an Betriebe ausgeschüttet. Gleichzeitig gibt es heute um etwa 13.000 Lehrstellen weniger als Anfang der 90er Jahre. Das sind zentrale Ergebnisse der aktuellen AK-Quartalsanalyse des oberösterreichischen Arbeitsmarktes.

Fast elf Prozent mehr Arbeitslose und neun Prozent mehr Arbeitsuchende in AMS-Schulungen sind die wenig erfreuliche Bilanz des ersten Quartals 2014 in Oberösterreich. Besorgnis erregend ist vor allem der starke Anstieg an Langzeitarbeitslosen. Aktuell sind mehr als 58.600 Oberösterreicher/-innen ohne Job - ein trauriger Rekord.

Traurig sind aber auch die Ergebnisse der Analyse der staatlichen Lehrstellenförderung in Österreich. Im Jahr 2013 wurden in Österreich 141,7 Millionen Euro für so genannte Basisförderungen ausgegeben. Gefördert werden dadurch alle Ausbildungsbetriebe - unabhängig von individuellen Bedürfnissen, betrieblichen oder regionalen Erfordernissen. Zwischen 70 und 80 Prozent - rund 100 Millionen Euro - davon wurden nicht zielführend eingesetzt, weil die Betriebe, die gefördert wurden, auch ohne der Förderung Lehrstellen angeboten hätten. Und gleichzeitig ist die Zahl der Ausbildungsbetriebe zwischen 1990 und 2013 von 46.320 auf 33.595 zurückgegangen. "Diese Förderungen stellen damit nur ein zusätzliches Körberlgeld für Betriebe dar", kritisiert AK-Präsident Dr. Johann Kalliauer.

Mit der Ausbildungsgarantie wird der Rückgang an Ausbildungsbetrieben kompensiert. Derzeit wird diese ausschließlich aus der Arbeitslosenversicherung finanziert. "Da eine gute Ausbildung der Jugend ein gesamtgesellschaftliches Interesse darstellt, wäre es ein gerechter Lastenausgleich, wenn ein Teil der Ausgaben für die Basisförderung für die Finanzierung der Ausbildungsgarantie herangezogen wird", sagt AK-Präsident Dr. Johann Kalliauer.

Vor dem Hintergrund von Sparmaßnahmen und Kürzungen im Bundesbudget ist es unverständlich und unverantwortlich, dass ein offenkundig ineffizientes Instrument wie die Basisförderung keiner Überprüfung unterzogen wird. Die AK Oberösterreich fordert, dass die leichtfertig ausgegebenen Fördermittel nicht pauschal vergeben, sondern gezielt und strategisch eingesetzt werden, beispielsweise für Betriebe, die sich speziell um lernschwache oder benachteiligte Jugendliche kümmern oder die Ausbildung von jungen Frauen in Männerberufen forcieren. Insgesamt soll die Qualität der Lehrausbildung vorangetrieben werden - dafür sind Beratungsangebote zielführender als Geldleistungen.

Angesichts der Klagen der Unternehmer/-innen über die mangelnde Ausbildungsfähigkeit und schulischen Defizite von Lehrstellensuchenden wäre es sinnvoller, einen Teil der Mittel dem Bildungsressort zur Verfügung zu stellen, um den Jugendlichen den Übertritt von der Schule ins Berufsleben zu erleichtern. Darüber hinaus verweisen Praxisberichte auf die Notwendigkeit einer verstärkten Koordinierung der Jugendbeschäftigungsangebote. Mit den Koordinationsstellen beim Jugendcoaching wurde bereits darauf reagiert. Koordinationsaufgaben für alle Ausbildungs- und Beschäftigungsaktivitäten für Jugendliche bis zum Alter von 24 Jahren könnte die von der AK geforderte Jugend-Ausbildungsgesellschaft leisten.

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