Überraschende Lösung im Streit um NS-Erinnerung in Goldegg

Salzburger Gebietskrankenkasse gewährt Goldegger Gedenkstein Asyl. Das Epitaph für die NS-Opfer in Goldegg wird am Freitag, 27. Juni 2014 verlegt.

Salzburg (OTS) - Seit einem Jahr bemüht sich Frau Brigitte Höfert um die Genehmigung, im Hof des Schlosses Goldegg einen schlichten Gedenkstein für die Toten des "2. Juli 1944" zu verlegen. Frau Höfert ist die Tochter von Karl Rupitsch, der am 28. Oktober 1944 in Mauthausen mit drei seiner Kameraden erhängt wurde. In die Steinplatte sind die Namen jener 14 Personen eingemeißelt, die im Zuge der Gestapo-Aktion gegen Fahnenflüchtige umgekommen sind. Es wird aber auch auf das Schicksal jener Frauen und Männer hingewiesen, die die Konzentrationslager überlebten und nach der Befreiung schwer gezeichnet nach Hause zurückgekommen sind. Der Bildhauer Anton Thuswaldner aus Kaprun hat den Stein entworfen.

Leider ist bis jetzt ein Beschluss der Goldegger Gemeindevertretung nicht zustande gekommen.

Die Salzburger Gebietskrankenkasse betreibt in Goldegg ihr "Regenerationszentrum Goldegg" , in dem jährlich 1.500 Patienten betreut werden. Das Erholungsheim befindet sich auf der östlichen Seite der Gemeinde auf einer Anhöhe mit Blick auf den See und das Schloss Goldegg.

Der Stein wird - auf dem Gelände des Regenerationszentrums -entlang des Fußweges verlegt, der vom Regenerationszentrum in den Ort führt. Der Festakt zur Verlegung wird am Freitag, 27. Juni um 18.00 Uhr stattfinden.

Frau Brigitte Höfert:

"Ich bin froh, dass es nun doch noch möglich wird, den Gedenkstein für meinen Vater und die anderen Opfer des "Sturm" in Goldegg vor dem 70. Jahrestag des 2. Juli 1944 zu verlegen. Ich hatte die Hoffnung bereits aufgegeben. Vor ca. 10 Tagen hat mir der Obmann der Gebietskrankenkasse, Andreas Huss angeboten, den Gedenkstein auf dem Grundstück des Regenerationszentrums zu verlegen. Dafür bin ich sehr dankbar. Sollte sich die Gemeinde nach Ihrer internen Meinungsbildung dazu entschließen, den Stein doch noch im Schlosshof verlegen zu lassen, würde ich mich freuen. So könnte die Platte doch noch auf jenen Platz gelangen, für den sie von Herrn Thuswaldner ursprünglich entworfen wurde."

Andreas Huss, Obmann der SGKK:

"Wir stellen gerne unseren Grund für die Gedenktafel zur Verfügung - so lange es keinen geeigneteren Platz gibt. Die Sozialversicherung ist nach 1945 bewusst aufgebaut worden, um dem Entstehen totalitärer Regime durch eine breite soziale Absicherung entgegenzuwirken. Wir finden es deshalb wichtig, sich an diejenigen zu erinnern, die sich gegen das totalitäre NS-Regime aufgelehnt haben und diesem zum Opfer fielen."

Michael Mooslechner, Historiker:

"Anton Thuswaldner hat für das Epitaph - aus verschiedenen Gründen - eine Verlegung in einer intimen Ecke des Hofes von Schloss Goldegg gewünscht. Thuswaldner ist aber auch mit dem nunmehrigen Standort glücklich. Auch der neue Ort erfüllt Kriterien, die für den ursprünglichen Standort sprachen: Nahe der Straße und am Spazierweg des Erholungsheimes gelegen ist die Fläche zentrumsnah und frequentiert. Da der Stein nicht direkt an der Straße verlegt wird, sondern am Hang, direkt neben einem Spazierweg, entsteht auch jene besinnliche Situation, die gewünscht ist. An der Rezeption des Erholungsheimes werden für Besucher Info-Folder und eine Broschüre zum Thema aufgelegt werden, sodass sich interessierte Gäste und Passanten informieren können. Am Gedenkstein selbst, wird eine kleine Info-Tafel den Gedenkstein erklären und auf das Informationsangebot im "Regenerationszentrum" verweisen."

Mooslechner weiter:

"Auch ich bin - wie Frau Höfert - glücklich, dass es nun doch noch vor dem 70. Jahrestag der beispiellosen NS-Terroraktion in der Gemeinde Goldegg zu einer Verlegung dieses Gedenksteins kommt. Durch die Hilfe der Gebietskrankenkasse kann der Wunsch vieler Angehöriger erfüllt werden. Die jetzige Lösung entbindet aber die politische Gemeinde Goldegg nicht ihrer Verantwortung, sich durch ein dauerhaftes Erinnerungszeichen endlich zu jenen Gemeindebürgern zu bekennen, die als Deserteure, deren Unterstützer, oder völlig Unbeteiligte zu Opfern des NS-Terrors im Jahr 1944 geworden sind. Es würde mich freuen, wenn sich die Gemeinde doch noch entschließen könnte, den Stein aus seinem Asyl in den Schlosshof heimzuholen."

Rückfragen & Kontakt:

für die Unterstützerinitiative "Gedenkstein Goldegg":
Mag. Michael Mooslechner
michael.mooslechner@aon.at
Tel.: 0699-17643599

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | SGE0001