• 30.05.2014, 08:44:31
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  • OTS0016 OTW0016

Überraschende Lösung im Streit um NS-Erinnerung in Goldegg

Salzburger Gebietskrankenkasse gewährt Goldegger Gedenkstein Asyl. Das Epitaph für die NS-Opfer in Goldegg wird am Freitag, 27. Juni 2014 verlegt.

Utl.: Salzburger Gebietskrankenkasse gewährt Goldegger Gedenkstein
Asyl. Das Epitaph für die NS-Opfer in Goldegg wird am Freitag,
27. Juni 2014 verlegt. =

Salzburg (OTS) - Seit einem Jahr bemüht sich Frau Brigitte Höfert um
die Genehmigung, im Hof des Schlosses Goldegg einen schlichten
Gedenkstein für die Toten des "2. Juli 1944" zu verlegen. Frau Höfert
ist die Tochter von Karl Rupitsch, der am 28. Oktober 1944 in
Mauthausen mit drei seiner Kameraden erhängt wurde. In die
Steinplatte sind die Namen jener 14 Personen eingemeißelt, die im
Zuge der Gestapo-Aktion gegen Fahnenflüchtige umgekommen sind. Es
wird aber auch auf das Schicksal jener Frauen und Männer hingewiesen,
die die Konzentrationslager überlebten und nach der Befreiung schwer
gezeichnet nach Hause zurückgekommen sind. Der Bildhauer Anton
Thuswaldner aus Kaprun hat den Stein entworfen.

Leider ist bis jetzt ein Beschluss der Goldegger
Gemeindevertretung nicht zustande gekommen.

Die Salzburger Gebietskrankenkasse betreibt in Goldegg ihr
"Regenerationszentrum Goldegg" , in dem jährlich 1.500 Patienten
betreut werden. Das Erholungsheim befindet sich auf der östlichen
Seite der Gemeinde auf einer Anhöhe mit Blick auf den See und das
Schloss Goldegg.

Der Stein wird - auf dem Gelände des Regenerationszentrums -
entlang des Fußweges verlegt, der vom Regenerationszentrum in den Ort
führt. Der Festakt zur Verlegung wird am Freitag, 27. Juni um 18.00
Uhr stattfinden.

Frau Brigitte Höfert:

"Ich bin froh, dass es nun doch noch möglich wird, den Gedenkstein
für meinen Vater und die anderen Opfer des "Sturm" in Goldegg vor dem
70. Jahrestag des 2. Juli 1944 zu verlegen. Ich hatte die Hoffnung
bereits aufgegeben. Vor ca. 10 Tagen hat mir der Obmann der
Gebietskrankenkasse, Andreas Huss angeboten, den Gedenkstein auf dem
Grundstück des Regenerationszentrums zu verlegen. Dafür bin ich sehr
dankbar. Sollte sich die Gemeinde nach Ihrer internen
Meinungsbildung dazu entschließen, den Stein doch noch im Schlosshof
verlegen zu lassen, würde ich mich freuen. So könnte die Platte doch
noch auf jenen Platz gelangen, für den sie von Herrn Thuswaldner
ursprünglich entworfen wurde."

Andreas Huss, Obmann der SGKK:

"Wir stellen gerne unseren Grund für die Gedenktafel zur Verfügung
- so lange es keinen geeigneteren Platz gibt. Die Sozialversicherung
ist nach 1945 bewusst aufgebaut worden, um dem Entstehen totalitärer
Regime durch eine breite soziale Absicherung entgegenzuwirken. Wir
finden es deshalb wichtig, sich an diejenigen zu erinnern, die sich
gegen das totalitäre NS-Regime aufgelehnt haben und diesem zum Opfer
fielen."

Michael Mooslechner, Historiker:

"Anton Thuswaldner hat für das Epitaph - aus verschiedenen Gründen
- eine Verlegung in einer intimen Ecke des Hofes von Schloss Goldegg
gewünscht. Thuswaldner ist aber auch mit dem nunmehrigen Standort
glücklich. Auch der neue Ort erfüllt Kriterien, die für den
ursprünglichen Standort sprachen: Nahe der Straße und am Spazierweg
des Erholungsheimes gelegen ist die Fläche zentrumsnah und
frequentiert. Da der Stein nicht direkt an der Straße verlegt wird,
sondern am Hang, direkt neben einem Spazierweg, entsteht auch jene
besinnliche Situation, die gewünscht ist. An der Rezeption des
Erholungsheimes werden für Besucher Info-Folder und eine Broschüre
zum Thema aufgelegt werden, sodass sich interessierte Gäste und
Passanten informieren können. Am Gedenkstein selbst, wird eine kleine
Info-Tafel den Gedenkstein erklären und auf das Informationsangebot
im "Regenerationszentrum" verweisen."

Mooslechner weiter:

"Auch ich bin - wie Frau Höfert - glücklich, dass es nun doch noch
vor dem 70. Jahrestag der beispiellosen NS-Terroraktion in der
Gemeinde Goldegg zu einer Verlegung dieses Gedenksteins kommt. Durch
die Hilfe der Gebietskrankenkasse kann der Wunsch vieler Angehöriger
erfüllt werden. Die jetzige Lösung entbindet aber die politische
Gemeinde Goldegg nicht ihrer Verantwortung, sich durch ein
dauerhaftes Erinnerungszeichen endlich zu jenen Gemeindebürgern zu
bekennen, die als Deserteure, deren Unterstützer, oder völlig
Unbeteiligte zu Opfern des NS-Terrors im Jahr 1944 geworden sind. Es
würde mich freuen, wenn sich die Gemeinde doch noch entschließen
könnte, den Stein aus seinem Asyl in den Schlosshof heimzuholen."

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