"Kulturmontag spezial" aus Brasilien am 2. Juni

Außerdem: "Das Leben dazwischen - das dritte Geschlecht von Rio" vorab am Sonntag im "dok.film"

Wien (OTS) - Sonne, Samba, Fußballfieber: So kennt man Brasilien. Dass das WM-Gastgeberland weit mehr zu bieten hat, zeigt ein "Kulturmontag spezial" am 2. Juni 2014 ab 22.30 Uhr in ORF 2. Zehn Tage bevor in Sao Paulo die Fußballweltmeisterschaft mit dem ersten Match eröffnet wird (ORF eins zeigt alle 64 WM-Spiele live und in HD), blickt die Sonderausgabe des ORF-Kulturmagazins hinter die Kulissen, wo jedoch nicht nur Vorfreude auf den Mega-Event zu finden ist, sondern auch jede Menge Kritik und Widerstand. Martin Traxl präsentiert ein Land zwischen Aufbruchstimmung und Protestmärschen, zwischen Vergangenheit und Moderne, - und ein Land der großen Künstler/innen. Anschließend an das Magazin zeigt der "Kulturmontag" die Dokumentation "Brasilien von oben". Bereits am Sonntag, dem 1. Juni, widmet sich der "dok.film" ebenfalls dem Thema Brasilien: Um 23.05 steht in ORF 2 die Dokumentation "Vom Leben dazwischen - Das dritte Geschlecht von Rio" auf dem Programm, die dem Leben einer Gruppe von brasilianischen Transvestiten in einem Vorort von Rio de Janeiro folgt - ein wildes Gemisch aus Schönheit und Hässlichkeit, aus hochfliegenden Träumen und sozialem Elend.

Martin Traxl: "Wir haben ein Land extremer Kontraste erlebt"

Gerade erst von den Dreharbeiten aus Brasilien heimgekehrt, berichtet ORF-TV-Kulturchef und "Kulturmontag"-Präsentator Martin Traxl: "Wir haben uns hauptsächlich die Situation in Rio de Janeiro und Sao Paulo angesehen - zwei Städte, wie sie unterschiedlicher nicht sein können. Rio, die Stadt der Erotik, des Körperkults und des Laisser-faire, Sao Paolo, das Zentrum der Wirtschaft, des Intellekts und der Kunst. In beiden Städten ist nicht nur Freude am Fußball, sondern eine extrem kritische Haltung gegenüber der WM und der strengen Auflagen der FIFA zur spüren. Es werden Milliarden in die Errichtung neuer Stadien gepumpt, während in weiten Teilen der beiden Metropolen noch nicht einmal die Wasserversorgung selbstverständlich ist. Das macht die Bevölkerung wütend. Wir haben uns in den Favelas ebenso umgehört wie in den schicken Ausgehvierteln der Städte und haben ein Land extremer Kontraste erlebt", so Traxl.

Die geplanten Magazinbeiträge:

Rio, eine Stadt im Aufbruch:
Die atemberaubende Metropole mit ihren berühmten Stränden hat sich für die Fußball-WM ordentlich herausgeputzt, dennoch ist der Widerstand gegen den Event groß: Allein die Sanierung des Nationalstadions Maracana hat 400 Millionen Euro verschlungen. Geld, das man auch in Wasser- und Stromversorgung hätte investieren können, die hier in vielen Haushalten noch fehlt. Eine Reportage über Chaos, Coolness und Korruption in der Stadt der Cariocas.

Vom Armenviertel zum Touristen-Hot-Spot: Die Favelas von Rio:
Um die Sicherheit während der WM einigermaßen gewährleisten zu können, hat die Regierung Truppen der Militärpolizei in die Armenviertel geschickt. Die Favelas sind tatsächlich sicherer geworden und haben sich sogar zu touristischen Hot Spots entwickelt. In der Favela Vidigal hat der "Kulturmontag" den Oberösterreicher Andreas Wielend kennengelernt, der dort ein Hostel mit einem der coolsten Clubs der Stadt eröffnet hat.

Maler und Bildhauer Ernesto Neto im (kritischen) Brasilien-Gespräch:
Ernesto Neto ist einer der renommiertesten Maler und Bildhauer Brasiliens und sorgt mit seinen Ausstellungen auch in Europas Kunsthallen für Furore. Wie alle Carioca liebt er seine Stadt und den Fußball. Aus dem Dickicht Rios und den Farben der Favelas schöpft er die Ideen für seine beeindruckenden Skulpturen. Doch von einer bedingungslosen Liebe kann keine Rede sein: Im Interview äußert der Kunst-Star Kritik an Brasiliens Politik und der bevorstehenden WM.

Auf den Spuren von Kaiserin Leopoldine und Stefan Zweig:
Die Habsburger Kaiserin Leopoldine (1797-1826) und der Schriftsteller Stefan Zweig (1881-1942) waren wohl die bisher prominentesten österreichischen Emigranten in Brasilien. Der "Kulturmontag" begibt sich auf kaiserliche und künstlerische Spurensuche nach Petrópolis, wo der ehemalige Kaiserpalast steht, der heute Brasiliens Kronschatz beherbergt, aber auch die "Casa Stefan Zweig", die die letzte Zuflucht für den Autor vor den Nazis war. Das Filmteam trifft auch auf einen Nachfahren des Kaiserhauses, Dom Francisco, der heute ein Wirtschaftsimperium aus Zeitungen, Radiosendern, Druckereien und Bierbrauereien sein Eigen nennt.

Ein Stück Strandgeschichte: Die Copacabana:
Erst Ende des 19. Jahrhunderts begannen Seebäder auf dem alten und dem neuen Kontinent zu boomen. Damals ist auch der berühmte Küstenabschnitt Copacabana durch den Bau eines Tunnels erschlossen worden. Heute zählt dieser Teil der Küste zu den schönsten Sandstränden der Welt und gilt als Geburtsort von Bikini und Bossa Nova. Die Geschichte des Strandes ist eine Geschichte der Moderne, der Erotik und des Glamours. Sogar Brasiliens Jahrhundertarchitekt Oscar Niemeyer hat sich von der Copacabana inspirieren lassen.

Die Musikszene in Rio:
Vor rund 50 Jahren hat Antonio Carlos Jobim den Welthit "Garota de Ipanema", komponiert, der schon wenige Wochen nach der Veröffentlichung ein Millionenseller war. Heute ist das "Girl from Ipanema" einer der bekanntesten Bossa-Nova-Songs, interpretiert von Stars wie Frank Sinatra, Louis Armstrong, Madonna oder Amy Winehouse. Das Lied gilt als Urknall der brasilianischen Musik. "Der Kulturmontag" hat sich angesehen, was aus dem musikalischen Erbe von Caetano Veloso, Gilberto Gil und Joao Gilberto geworden ist, und in der Hauptstadt des Samba eine blühende junge Musikszene vorgefunden.

Schriftsteller Bernardo Carvalho führt durch "sein" Sao Paulo:
Sao Paulo gilt als die Stadt des Intellekts, der Wirtschaft und der Kunst und ist eine laute, pulsierende, hektische Mega-City, die von ihren Bewohnerinnen und Bewohnern ebenso geliebt wie gehasst wird. Zu ihren Fans zählt der vielfach preisgekrönte Schriftsteller Bernardo Carvalho, dessen Romane und gesellschaftskritische Bücher in zahlreiche Sprachen übersetzt worden sind. Er kennt Sao Paulo wie kaum ein anderer, auch an den Protesten für mehr gesellschaftliche Gerechtigkeit vor einem Jahr hat er teilgenommen. Der ehemalige Journalist führt den "Kulturmontag" durch "seine" Stadt.

Kunststadt Sao Paulo:
Sao Paulo ist auch ein Mekka des Designs und hat Superstars wie Joaquim Tenreiro und Sérgio Rodrigues herausgebracht, deren Möbelstücke aus den 1940er, 1950er und 1960er Jahren weltweit teuer gehandelt werden. Mit dem Branchen-Insider Waldick Jatobá, Kunstsammler und Gründer der Designmesse Sao Paulo, taucht der "Kulturmontag" ein in das Reich der Linien und exquisiten Formen und trifft die neuen Stars der Szene, die Brüder Fernando und Humberto Campana, die mit einer schlauen Mischung aus Tradition und Exotik begeistern.

Außerdem: Dokumentation "Brasilien von oben"

Die Doku "Brasilien von oben" von Josh Halil betrachtet das Land aus der Vogelperspektive. Über bewaldete Berge geht es nach Persepolis mit seinen alten Königspalästen, über Kaffeplantagen und atemberaubend türkisfarbenes Meer. Die Stadt Niterói punktet mit futuristischer Architektur - und Rio de Janeiro entfaltet aus der Vogelperspektive seine ganze Schönheit.

Der "Kulturmontag" ist als Live-Stream und nach der TV-Ausstrahlung sieben Tage auf der Video-Plattform ORF-TVthek (http://TVthek.ORF.at) als Video-on-Demand abrufbar.

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