Hochwasser - Hilfskonvoi des Bundesheeres auf dem Weg nach Bosnien

72 Mann, 31 Fahrzeuge, 170 Tonnen Ausrüstung - Verteidigungsminister Klug: "Jetzt ist rasches Handeln gefordert"

Wien (OTS/BMLVS) - Ein Konvoi des Österreichischen Bundesheeres ist heute mit 72 Mann, 31 Fahrzeugen und 170 Tonnen Ausrüstung nach Bosnien-Herzegowina aufgebrochen. In den nächsten drei Monaten werden die Soldaten täglich rund 240.000 Liter sauberes Wasser produzieren. Damit können bis zu 50.000 Menschen mit Trinkwasser versorgt werden. Ein siebenköpfiges Vorkommando ist bereits seit Freitag vergangener Woche in Bosnien und hat den Einsatzraum erkundet. Das Kontingent wird in Orasje stationiert.

Nach den verheerenden Überschwemmungen in Bosnien-Herzegowina ist rasche Hilfe erforderlich. Besonders wichtig ist dabei die Versorgung mit sauberem Trinkwasser, um die Entstehung und Ausbreitung von endemischen Krankheiten und Seuchen zu verhindern. Bereits jetzt unterstützen österreichische Soldaten als Angehörige von EUFOR/Althea die bosnischen Behörden bei der Katastrophenbewältigung.

"Jetzt ist rasches Handeln erforderlich", sagt Verteidigungsminister Gerald Klug bei der Verabschiedung. "Mit der internationalen Katastrophenhilfseinheit AFDRU hat das Bundesheer das richtige Werkzeug bei der Hand, um schnell und unkompliziert Hilfe leisten zu können." Der Verteidigungsminister bedankte sich auch bei seinen Soldaten, "dass sie ohne Zögern bereit sind, sofort in den Einsatz zu gehen, wenn Menschen in Not geraten - im In- wie auch Ausland". Erst gestern hat Klug die heimgekehrten Hubschrauberbesatzungen geehrt, die als Ersthelfer im Katastrophengebiet mehr als 900 Personen aus der Luft gerettet haben.

Das AFDRU ("Austrian Forces Desaster Relief Unit") Kontingent Bosnien-Herzegowina besteht aus 78 Männern und einer Frau. Davon sind zwölf Offiziere, 34 Unteroffiziere, 32 Chargen und ein Vertragsbediensteter. Der Großteil des Personals kommt von den ABC-Abwehrkompanien in Korneuburg (24) und Graz (17) sowie aus Mautern (3), Absam (9) und Linz (9). Dazu kommen noch Soldaten der Pionierbataillone 1 aus Villach (4) und 3 aus Melk (4) und weiteren Einheiten des Bundesheeres. (Bundesländeraufteilung: Niederösterreich 25, Oberösterreich 9, Steiermark 20, Tirol 9, Wien 11, Burgenland 4, Kärnten 1.)

Den Kern der Hilfskräfte bilden die drei Wasseraufbereitungsgruppen mit je einer chemischen (basierend auf Chlorchemie) und einer physikalischen (basierend auf Umkehrosmose) Trinkwasseraufbereitungsanlage. Dazu kommen noch ein Führungs- und Versorgungselement, ein Expertenstab, eine Sanitätsgruppe, eine Dekontaminationsgruppe sowie Pioniere und Minenexperten.

Insgesamt können täglich bis zu 240.000 Liter Trinkwasser produziert und verteilt werden. Im kontingentseigenen Labor wird die Wasserqualität laufend überprüft. Zusätzlich unterstützen die Experten die Wiederherstellung der Wasserversorgung durch Beratung der zivilen Behörden und gegebenenfalls Dekontamination oder Desinfektion von Brunnen und Wasserspeichern.

Das Bundesheer war mit seiner internationalen Katastrophenhilfseinheit AFDRU seit 1997 bereits elf Mal auf drei Kontinenten im Rette- und Bergeeinsatz nach Erdbeben bzw. zur Trinkwasseraufbereitung im Einsatz.

Bei der Erdbebenkatastrophe im pakistanischen Hindukusch 2005 versorgten zwei Anlagen mit einer Tagesleistung von 120.000 Litern über mehrere Monate täglich 40.000 Menschen in Flüchtlingslagern rund um die zerstörte Stadt Muzaffarabad. Das österreichische Wasser erreichte damals von allen Hilfsorganisationen die höchsten Reinheitswerte. Die ABC-Abwehrkompanie wurde daher von der UNICEF zur obersten Wasserbehörde des Katastrophengebiets erklärt. Durch ihre Wasserversorgung konnte eine beginnende Cholera-Epidemie gestoppt werden.

Nach dem schweren Tsunami produzierten Bundesheersoldaten auf Sri Lanka im Jänner und Februar 2005 sechs Wochen lang zwei Millionen Liter Trinkwasser für die Bevölkerung. Im April 2000 sorgte das österreichische Mosambik-Hilfskontingent für die Trinkwasseraufbereitung nach der Überschwemmungskatastrophe in dem südostafrikanischen Land. 64 Soldaten bereiteten in einem Monat mit vier Anlagen mehr als drei Millionen Liter Trinkwasser für Flüchtlinge und Hilfsorganisationen auf.

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