TIROLER TAGESZEITUNG, Leitartikel: "Nicht zu wählen, bringt auch nichts", von Cornelia Ritzer, Ausgabe vom 25. Mai 2014

So vieles SPÖ, ÖVP und Co. inhaltlich voneinander trennt, so einstimmig erfolgen deren Appelle, wählen zu gehen.

Innsbruck (OTS) - Nur 46 Prozent der Österreicher gingen bei der EU-Wahl 2009 an die Urnen. Das muss mehr werden. Denn nichts verändert sich, wenn man am Wahltag zuhause bleibt.

Heute wählen die Österreicher das neue EU-Parlament. Hinter uns liegt ein Wahlkampf, reich an Skurrilitäten. SPÖ-Spitzenkandidat Eugen Freund lieferte einen Aufreger mit seiner falschen Schätzung des Arbeitereinkommens. Auf den Plakaten des ÖVP-Spitzenkandidaten stand zwar groß Othmar Karas, dessen Partei fand man aber nicht. Bei den Freiheitlichen musste Andreas Mölzer ausgewechselt werden, nachdem er über die EU im Allgemeinen und Fußballer David Alaba im Besonderen gelästert hatte. Keinen Fauxpas leistete sich die routinierte Ulrike Lunacek, dass die Grünen aber Ernst Strasser aufs Plakat gaben, sorgte für Streit bei den Ökos. Und die NEOS verspielten dank uneindeutiger Haltung zur Privatisierung von Wasser und zur Neutralität ihre Favoritenrolle. Und zum Drüberstreuen gab es von der Kleinpartei "Europa anders" Aktionismus.
Doch interessiert das die Österreicher überhaupt? Bei der Wahl des Europäischen Parlaments im Jahr 2009 blieb jeder zweite Wahlberechtigte zuhause, nur 46 Prozent gaben ihre Stimme ab. Zum Vergleich: Bei der Nationalratswahl 2013 lag die Wahlbeteiligung bei knapp 75 Prozent. Die EU-Wahl emotionalisiert zwar - das beweist die wachsende Stärke der europakritischen "Brüssel ist schuld"-Parteien -, kann aber kaum mobilisieren. Und das wissen die Politiker. So vieles SPÖ, ÖVP und Co. inhaltlich voneinander trennt, so einstimmig erfolgten deren Appelle an die Österreicher, an die Urnen zu gehen. Zu behaupten, wer nicht wählt, darf sich danach nicht über das Ergebnis beschweren, stimmt aber nicht. Denn allzu verständlich ist der Frust, der oft über die Politik oder die Europäische Union herrscht. Doch ganz gewiss ändert sich das nicht dadurch, dass man am Wahltag zuhause bleibt.

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