EU-Wahl - Programme sind kaum verständlich

Im Vergleich zu 2009 noch komplizierter

Wien (OTS) - Die Europawahl lässt sich anhand der Programme der Parteien nur schwer verstehen. Das ist das zentrale Ergebnis einer Untersuchung des H & H Comlab Ulm, der Universität Hohenheim sowie der Mediaclub GmbH. Wortwahl und Satzstruktur gehen an der Mehrheit der Österreicher vorbei. Die verwendete Sprache verlangt von den Lesern einen universitären Abschluss oder zumindest Oberstufenniveau. Pflichtschüler können den Programmen der Parteien aus Sicht der Leseforschung durchgängig nicht folgen. Der Vergleich zu 2009 beweist: Die Sprache der Parteien ist in den vergangenen fünf Jahren noch komplizierter geworden. "Information aus erster Hand scheitert für die Mehrheit der Wähler an der Sprachbarriere", erklärt Thomas Holzinger vom Mediaclub Wien.

Europa anders und die Grünen gewinnen Verständlichkeitstest

Die klarste Sprache verwenden "Europa anders" und die "Grünen". Sie werden von Menschen mit mittlerer Bildung verstanden. Mit Pflichtschulabschluss allein lassen sich allerdings auch die verständlichsten Texte nicht gut lesen. Wer sich bei den NEOS oder dem REKOS informieren möchte, sollte die Universität längere Zeit von innen gesehen haben. Das Sprachniveau entspricht einer durchschnittlichen Dissertation. Fremdwörter, Monstersätze und Fachbegriffe stehen dem einfachen Konsum der Inhalte entgegen. ÖVP, SPÖ und ÖVP landen bei der gegenständlichen Untersuchung im Mittelfeld. Die drei Mittelparteien verlangen von ihren Lesern zumindest Maturaniveau: Ein Sachverhalt, der weder für die durchschnittlichen Wähler, noch für die Mitglieder der Parteien anzunehmen ist. Die Werte für die Verständlichkeit wurden aus Vergleichbarkeitsgründen mit dem AMSTAD-Verständlichkeitsindex berechnet. Die Auswertung nach dem moderneren Hohenheimer Index bringt ein ähnliches Ergebnis, wurde aber aufgrund der Vergleichbarkeit zu 2009 in der Rangordnung (siehe Beilage) nicht berücksichtigt.

Der Vergleich zu 2009 zeigt durchwegs Verschlechterungen an. Der damalige Testsieger BZÖ war in Sachen Sprache weit einfacher als der Sieger von 2014. Die schlechteste Partei von 2009 wäre heuer im Mittelfeld gelandet. "Die Wahlprogramme schließen den größeren Teil der Bevölkerung von Information aus. Kampagnen ersetzen zwar die Schlagwörter, nicht aber die Hintergründe", sagt Thomas Holzinger. Wie bei Gesetzestexten gilt, so Holzinger, auch in politischen Dingen: "Wer die Information sucht, sollte nicht an der Sprache scheitern. Wirkliche inhaltliche Festlegungen", so der Sprachexperte, finden sich selten auf Wahlprogrammen und Infofoldern. "Wer die Katze nicht im Sack kaufen will, ist auf die detaillierte Information angewiesen." Aufgrund der Bildungsverteilung in Österreich ist auch davon auszugehen, dass die Mehrheit der Parteimitglieder ihre liebe Not mit den Texten hat. "Die Wahlprogramme gehen mit großer Wahrscheinlichkeit auch an den Parteianhängern vorbei", so Holzinger.

Österreich komplizierter als Deutschland

Auch im Vergleich zu Deutschland schneidet Österreich in diesem Wahljahr schlecht ab. Die nach dem Hohenheimer Verständlichkeitsindex durchgeführte Vergleichsstudie weist für Österreich das deutlich komplexere Sprachniveau aus. Der deutsche Testsieger ist besser als der österreichische, die Schlusslichter sind in Österreich deutlich schwieriger zu verstehen als in Deutschland. "Die Sensibilität für verständliche Politiksprache in Wahlprogrammen lässt da wie dort zu wünschen übrig", erklärt Anikar Haseloff, Geschäftsführer des H & H Comlab Ulm (www.comlab-ulm.de). Für Deutschland ist im Vergleich zu den letzten Wahlen allerdings ein Aufwärtstrend erkennbar. In Österreich ist das Gegenteil der Fall. Haseloff arbeitet seit Jahren an der elektronischen Auswertung von Sprachkomplexität und ist selbst Mitarbeiter der Universität Hohenheim, einer der maßgeblichen Institutionen für Verständlichkeitsforschung im deutschsprachigen Raum.

Mediaclub in Wien und Salzburg

Die PR-Agentur Mediaclub (www.mediaclub.at) mit Standorten in Wien und Salzburg ist spezialisiert auf Bürgerkommunikation und digitale Medien. Martin Sturmer und Thomas Holzinger sind seit 2001 als Medienberater, -konzeptionisten und Trainer für Sprachoptimierung tätig.

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Thomas Holzinger
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