Wiens IKT-Leiterin Huemer: "Ich möchte neue Standards etablieren"

Neue Leiterin des Prozessmanagements der Wiener Magistratsdirektion im wien.at-Interview

Wien (OTS/RK) - Unbewusst kommt jede Bürgerin und jeder Bürger Wiens mit ihrer Arbeit in Kontakt - ob im Amtshaus oder online. Ulrike Huemer leitet seit Kurzem die Gruppe Prozessmanagement und IKT-Strategie in der Magistratsdirektion der Stadt Wien. Im wien.at-Interview spricht sie über ihre Aufgabe und persönlichen Ziele.

wien.at: "Gruppenleiterin PIKT" in der Magistratsdirektion, Geschäftsgruppe Organisation und Sicherheit - für Laien klingt das sperrig. Erklären Sie uns Ihre Aufgabe.

Huemer: Angenommen, Sie kommen aus Oberösterreich und wollen in Wien ein Gasthaus eröffnen. Angefangen beim ersten Antrag, den Sie beim Magistrat einreichen, bis zur Eröffnung Ihres Lokals handelt es sich um einen Prozess in der Verwaltung, der über verschiedene Abteilungen läuft. Es ist unsere Aufgabe, das Vereinfachen dieser Prozesse in Zukunft zu forcieren und strategische Rahmen zu schaffen. Dann kommt noch der technische Aspekt hinzu: Wie können wir Prozesse elektronisch umsetzen, damit BürgerInnen ein möglichst einfaches Service zur Verfügung steht? Ich möchte diese Form des Prozessmanagements im ganzen Magistrat verankern, einen neuen Standard entwickeln. Und zwar in Zusammenarbeit mit allen Abteilungen. Denn auch die Stadtverwaltung zieht Nutzen daraus, wenn es möglichst einheitliche und einfache Abläufe gibt, über verschiedene Stellen hinweg.

wien.at: Was spüren die Menschen in Wien konkret von diesen Verbesserungen?

Huemer: Das Lebensbild hat sich geändert, immer mehr BürgerInnen arbeiten mit E-Mails, Smartphones und dem Internet. Dazu kommt, dass Menschen oft nicht mehr die Möglichkeit haben, sich zu fixen Öffnungszeiten an die Behörden zu wenden. Deshalb setzen wir künftig noch stärker auf E-Government. Das ermöglicht Kommunikation mit der Stadt rund um die Uhr, sieben Tage die Woche.

wien.at: Sie meinen das "Virtuelle Amt" auf www.wien.gv.at?

Huemer: Ja, zum Beispiel. Viele Amtswege können Sie dort schon online erledigen. Wir überprüfen auch ständig, welche Services stark genutzt werden und welche weniger. Dabei analysieren wir: Warum wird dieses Formular selten verwendet? Ist es vielleicht einfacher, die Sache persönlich im Amtshaus zu erledigen? Täglich üben wir den "Blick von außen" - wie sehen BürgerInnen unser Angebot? Daraus lernen wir und verbessern unser Service. Auch das ist Teil eines guten Prozessmanagements.

wien.at: Sie haben Prozessmanagement angesprochen. Aber auch die IKT-Strategie fällt in Ihren Bereich, also der Umgang mit Computern und der vernetzten Welt. Wie betrifft Sie das in Ihrem täglichen Job?

Huemer: Wien verwaltet eines der größten IT-Netze Europas. Vom einfachen PC bis zum städtischen Wasser- und Kanalnetz: Es gibt fast keinen Bereich mehr, der nicht elektronisch gesteuert wird. Das ist ein internationaler Trend, eine technische Errungenschaft, die nicht aufzuhalten ist. Dabei sind IT-Security und Datenschutz ganz wichtige Themen. Der Magistratsabteilung 14 (Automationsunterstützte Datenverarbeitung - ADV, Anm.) gebührt in diesem Zusammenhang ein großes Dankeschön. Sie ist eine wichtige Partnerin, weil sie unsere Strategie und Ziele täglich umsetzt.

wien.at: Wie profitieren BürgerInnen von dieser elektronischen Vernetzung?

Huemer: Das Paradebeispiel ist "Open Government Data". Die Stadt Wien veröffentlicht bestimmte Datensätze. Daraus entstehen praktische Anwendungen für Smartphones, über 140 gibt es davon jetzt schon. Sie orten zum Beispiel Kunst im Öffentlichen Raum, finden Citybike-Stationen, zeigen ein Pollen-Radar und Standorte der "Hunde-Sackerl-Spender". Wer diese Apps programmiert, verwendet als Grundlage die offenen Daten der Stadt. Dieses Angebot ist führend in Europa.

wien.at: Sie haben Recht studiert und waren zuvor Abteilungsleiterin der MA 6 - Rechnungs- und Abgabewesen. Welche Erfahrungen daraus nehmen Sie in Ihre neue Aufgabe mit?

Huemer: Als Juristin dreht sich alles darum, Sachverhalte zu erfassen, Probleme zu erkennen und rasch zu lösen. In der Finanzverwaltung habe ich gelernt, immer die Kosten einem möglichen Nutzen gegenüber zu stellen. Beides ist sehr nützlich für die neue Aufgabe. Eines ist klar: Ich will mit meinem Team das Rad nicht neu erfinden, daher arbeiten wir mit den verschiedenen Stellen im Magistrat zusammen, mit anderen Bundesländern und auch mit ExpertInnen im Bundesrechenzentrum. Ich glaube, wir können viel voneinander lernen.

Ulrike Huemer im Video-Interview online auf wien.at TV:
http://bit.ly/RQGs0U (Schluss) esl

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