Tiroler Tageszeitung, Ausgabe vom 20. Mai 2014; Leitartikel von Anita Heubacher: "Für Schwarz-Grün ist Aufwärmen vorbei"

Innsbruck (OTS) - Utl: Geschlossen gern hat die ÖVP die Grünen nicht. Vor allem in der Wirtschaft und auch bei den Bauern brodelt es. Die Angst geht um, dass weder bei den Kraftwerken noch bei den Skigebieten mit den Grünen etwas geht.

Landeshauptmann Günther Platter ist nach einem Jahr mit der Bilanz der schwarz-grünen Koalition zufrieden. Regieren habe ihm noch nie so viel Freude bereitet, sagt er. Das kann man Günther Platter ungeniert glauben. Schließlich hat er schon härtere Zeiten hinter sich. Im Bund, aber auch im Land. Da kam ihm als Landeshauptmann seine rechte Hand, Landesrat Christian Switak, abhanden, die Jagd in die Quere und Fußballer David Alaba unter. Vor der Wahl ist für Günther Platter nicht nach der Wahl. Der Landeshauptmann ist erstarkt und er hat seiner Partei einen neuen, modernen Anstrich verliehen. Allen Großkoalitionären in der ÖVP zum Trotz installierte Platter Schwarz-Grün. Für die ÖVP war es das Rezept, nicht weiter zu verlieren, für die Grünen, endlich mitgestalten zu können. Ob der kleine Koalitionspartner wie sein Vorgänger, die SPÖ, massiv an Boden verliert, wird sich erst bei der nächsten Landtagswahl zeigen. Bei den Nationalratswahlen 2013 legten die Grünen um vier Prozent zu. Da war die Ökopartei auch erst fünf Monate auf der Regierungsbank. Bis zur nächsten Landtagswahl sind es noch vier Jahre und da kann noch viel passieren. Für Schwarz-Grün ist die Aufwärmphase vorbei. Für Günther Platters Team dürfte das Regieren nicht immer ganz so freudvoll gewesen sein. Agrarlandesrat Josef Geisler muss sich aufgrund der Agrardebatte in seinen Reihen viel anhören. Die Wirtschaft ist unzufrieden und fürchtet, dass weder bei den Kraftwerken noch bei den Zusammenschlüssen oder Erweiterungen von Skigebieten etwas geht. Das milliardenschwere Kraftwerks-projekt im Kaunertal ist für die Grünen nicht umsetzbar, ebenso wenig wie die weitaus kleinere, aber symbolträchtige Verbindung über die Kalkkögel oder ein etwaiger Zusammenschluss via Piste von Ötz- und Pitztaler Gletscher.
2004 hat der landeseigene Energieversorger Tiwag einen Optionenbericht erstellt. 16 mögliche Standorte für die Wasserkraftnutzung wurden der Landesregierung vorgeschlagen. Auf den Optionenbericht folgte der Synthesebericht, also der Bericht über den Bericht der Tiwag, und dann der Kriterienkatalog. Langzeit-Tiwag-Chef Bruno Wallnöfer wird in Pension gehen, ohne den Spatenstich für eines der Großkraftwerke umgesetzt zu haben.
Der Wind wird rauer. 2015 stehen Wirtschaftskammer-Wahlen an. Der Druck steigt. Schließlich will die Tiroler Wirtschaft wissen, was mit den Grünen tatsächlich geht und wie glaubwürdig die ÖVP ist.

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