Sima: Tauben füttern ist falschverstandener Tierschutz!

Nicht artgerechtes Futter schadet den Tieren und führt zu Verunreinigungen in der Stadt

Wien (OTS) - "Taubenfüttern ist falsch verstandener Tierschutz, Speisereste und menschliche Nahrung schaden den Tieren, sie werden dadurch krank und leiden", warnt Umwelt- und Tierschutzstadträtin Ulli Sima. Zudem wird die Stadt verunreinigt, was laut Umfragen auch 86 % der Wienerinnen und Wiener so empfinden.

Mit einer Info- Kampagne an den "Tauben-hot-spots" informiert die Stadt Wien daher über die Konsequenzen des Ausbringens von Speiseresten, altem Brot und ähnlichem im öffentlichen Raum. Konkret wird auf Schildern mit dem leicht verständlichen Spruch "Wer Tauben füttert, füttert Ratten" und dem Bild einer Tauben-Ratten-Mutation auf die Problematik aufmerksam gemacht. So heute im Leon-Askin-Park in Ottakring, wo ein vor wenigen Jahren neugestalteter Park durchs Taubenfüttern immer wieder enorm verunreinigt wird. Die Verunreinigungen durch das Ausstreuen von Essensresten und sonstigem nicht artgerechtem Futter wird von den WasteWatchern auch geahndet. Speisereste gehören in den Bio- oder Restmüll, keinesfalls auf die Straße, auf Gehsteige oder in Grün- oder Parkanlagen!

Christian Fellner, Taubenexperte von der Tierschutzombudsstelle Wien, betont: "Tauben leiden oft an missverstandener Tierliebe und damit verbunden unter falscher Fütterung. Menschliche Nahrung - wie Brot und Semmeln - ist für die Tauben ungeeignet. Sie führt bei diesen zu Durchfällen. Besonders schädlich ist dabei das Füttern von Speiseresten". Tauben können sich in der Großstadt gut behaupten, weil sie hier ohnehin jede Menge Futter finden, zusätzliches füttern ist nicht nötig. Viele kranke und verletzte Tiere sind das Ergebnis nicht artgerechter und übermäßiger Fütterungen. Neben dem gesundheitlichen Aspekt kommt auch noch die Tatsache dazu, dass sich Tauben bei übermässigem und falschem füttern auch übermässig vermehren.

Grundsätzlich kann ein Taubenpaar im Jahr bis zu 12 Junge großziehen, die ihrerseits nach einem halben Jahr geschlechtsreif werden. Diese Zunahme an Tauben in der Großstadt führt zu einem starken Konkurrenzkampf der Tauben an den immer weniger werdenden Nistplätzen. An diesen entstehen laut Fellner "slumartige" Bedingungen mit hohem Parasiten- und Infektionsdruck. "Unterlässt man das Füttern, wird sich die Anzahl der gesunden Tauben auf ein natürliches und tierschutzverträgliches Maß reduzieren", so Fellner.

Er appelliert daher an alle Tierfreundinnen und Tierfreunde, das Ausbringen von Essensresten zu unterlassen, weil man den Tieren damit einfach nichts Gutes tut.

Faktum ist, dass mit dem Füttern mit Essensresten nicht nur Tauben angelockt werden, sondern selbstverständlich auch Ratten. Daher wird in den kommenden Wochen an den bekannten "Tauben-hot-spots" auch mit dem Spruch "Wer Tauben füttert, füttert Ratten" auf die Problematik aufmerksam gemacht.

Umfragen belegen Problematik des Taubenfüttern

Wien ist eine tierfreundliche Stadt, aber Verunreinigungen durch Taubenkot stört die Wienerinnen und Wiener. Wie Umfragen zeigen, meinen 87 % der Befragten, dass Taubenkot Mauern und Denkmäler zerstört. Für 86 % macht Taubenkot "alles dreckig" und für 76 % ist Taubenkot hygienisch bedenklich. 66% befürworten Strafen für Taubenfütterer.

WasteWatcher werden die bekannten Flächen, die immer wieder durch Ausbringen von Speiseresten verunreinigt werden, verstärkt kontrollieren und nötigenfalls auch Strafen aussprechen. Artgerechtes Füttern von Vögeln im Winter, im Vogelhaus, mit Meisenringen und ähnlichem ist natürlich erlaubt!

Internationale Vernetzung in Sachen Tauben

In Wien leben rund 130.000 bis 150.000 Stadttauben. Wien arbeitet in Sachen Tauben intensiv mit anderen Städten zusammen - sind doch europaweit alle Kommunen mit diesem Thema befasst. Es gibt regelmäßigen Austausch über Möglichkeiten des tiergerechten Umgangs, im letzten Jahr gab es auch eine internationale Tagung zu diesem Thema in Wien.

Pilotprojekte Taubenkobel

Ausprobiert wird in mehreren Städten - so auch in Wien - die Maßnahme des sogenannten Taubenkobels nach dem Augsburger Taubenmodell. In diesem finden bis zu 400 Tauben Platz, die Tiere werden regelmäßig gefüttert und mit frischem Wasser versorgt, sie bekommen Nistmöglichkeiten und verbringen aufgrund dieser Annehmlichkeiten bis zu 80 % ihrer Zeit im diesem Kobel. Die von ihnen gelegten Eier werden gegen Attrappen ausgetauscht und somit soll die Population kontrolliert werden. Wiens erster Taubenkobel befindet sich im Amtshaus Meidling, betreut wird er von der Tierschutzombudsstelle. Die Tauben sind durch die Versorgung mit artgerechtem Futter besser ernährt und gesünder - und ihre Vermehrung wird reguliert. Ein Allheilmittel ist der Taubenkobel jedoch nicht, er kann lokal Abhilfe schaffen. Entscheidend dabei ist, dass im Umkreis des Kobels nicht zusätzlich gefüttert wird, damit die Tiere den Kobel auch tatsächlich nutzen.

"Das einzige, das aus biologischer Sicht, aber auch aus Sicht des Tierschutzes sinnvoll ist, ist das Futterangebot für die Tauben in der Stadt zu reduzieren",
betont Fellner.

Die Tierschutzombudsstelle arbeitet mit vielen Dienststellen der Stadt zusammen, um die Tauben-hot-spots in den Griff zu bekommen und sucht auch neue Orte für Taubenkobel. In der Stadt Wien ist die Tierschutzombudstelle Anlaufstelle für alle Fragen rund ums richtige Vögelfüttern: Tel: 01/ 318 00 76 75079.

Wo samma daham?

Die Stadt Wien geht seit vielen Jahren rigoros gegen Sauberkeitsverfehlungen vor - von Hundekot, über Einkaufswagerl bishin zu illegal abgelagertem Sperrmüll.

Der im Vorjahr im Zuge der Sauberkeitskampagne 2013 aufgenommene witzige Rap "Wo samma daham?" wurde im Rahmen der aktuellen Kampagne nun um die Taubenproblematik erweitert. Am YouTube-Channel "saubere 48er" ist sowohl der gesamte Song mit allen Sauberkeitsverfehlungen abrufbar, als auch die Kurzform mit Schwerpunkt Taubenfüttern - ein Hinweis mit Augenzwinkern auf die Folgen des Ausbringens von Speiseresten im öffentlichen Raum.

Song in Langversion: https://www.youtube.com/watch?v=46d6kB5J5Ro oder http://bit.ly/taube-ratte

Kurzversion: https://www.youtube.com/watch?v=y6-pJ9z7vxw oder http://bit.ly/taube-ratte-kurz

rk-Fotoservice: www.wien.gv.at/pressebilder

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