AK zu Preisdifferenzen bei Markenartikeln: EU-Kommission prüft

AK Intervention bei Wettbewerbshütern wegen "Österreich-Aufschlag"

Wien (OTS) - Immer wieder stellt die AK phantastische Preisunterschiede zwischen Österreich und Deutschland fest. Diese Schieflage wird vom Handel mit unterschiedlichen Einstandspreisen der multinationalen Konzerne erklärt, weshalb sich die AK nunmehr an die Europäische Kommission gewandt hat. In einem Antwortschreiben hat die EU-Kommission die AK nun informiert, dass sie derzeit zwei Untersuchungen zur Versorgungskette im europäischen Einzelhandel durchführt. So soll geklärt werden, ob "in bestimmten geografischen Gebieten und/oder Produktkategorien Wettbewerbsprobleme bestehen".

Immer wieder zeigen AK Preisvergleiche einen saftigen "Österreich-Aufschlag" bei Drogerieprodukten: Ein Warenkorb von 174 identen Drogeriewaren ist in Wiener Super- und Drogeriemärkten um 51 Prozent teurer als in München. Bei einem Preisvergleich von 50 Körperpflege-Markenartikeln in Salzburg sind die Produkte dort im Schnitt um 59 Prozent teurer als in der angrenzenden bayrischen Stadt Freilassing. Bei einzelnen Produkten beträgt die Preisdifferenz über 100 Prozent. "Es ist an der Zeit den "Österreich-Aufschlag" im Bereich der Drogeriewaren abzustellen", sagt AK Wettbewerbsexperte Helmut Gahleitner.

Bei Drogeriewaren sind die Verhandlungspartner des Einzelhandels oftmals multinationale Konzerne, die weltweit agieren und über enorme Marktmacht verfügen. Wie mächtig die Markenartikelindustrie laut österreichischem Handel ist, zeigen u.a. folgende Marktanteile:

+ Procter & Gamble bei Rasierklingen: 71 Prozent
+ Beiersdorf bei Lippenpflege: 75 Prozent
+ Schwarzkopf/Henkel bei Haarcoloration: 61 Prozent
+ Procter & Gamble bei Windeln: 61 Prozent

Die höheren Preise in Österreich werden vom Handel als Ergebnis der Preispolitik der internationalen Markenartikelindustrie erklärt. Die Preispolitik wird aber nicht in Österreich festgelegt, sondern hat eine europäische Dimension, weshalb die BAK nunmehr die EU-Kommission aufgefordert hat, die Verhaltenskoordinierung der internationalen Markenartikelkonzerne gegenüber einzelnen Ländern näher zu untersuchen.

In einem Antwortschreiben hat Joaquín Almunia, Vizepräsident der EU-Kommission die AK über laufende Untersuchungen informiert:
"Derzeit werden zwei Projekte durchgeführt, die Zahlen und Fakten zur Entwicklung der modernen Versorgungsketten im europäischen Einzelhandel liefern können. Einerseits eine Studie zum Einzelhandel, deren Ergebnisse im Sommer vorliegen sollen: "Dieses Projekt soll Aufschluss darüber geben, ob in der EU in bestimmten geografischen Gebieten und/oder Produktkategorien Wettbewerbsprobleme bestehen", heißt es in dem Brief. Die zweite Untersuchung wird von der EZB durchgeführt und beleuchtet die Absatzwirtschaft. U. a. werden "Vorliegen und Größenordnung von Preisunterschieden im Euro-Währungsraum" analysiert.

Betriebswirtschaftlich ist es nach Meinung der AK jedenfalls nicht nachvollziehbar, warum die Preise zwischen Salzburg und Freilassing, welche nur wenige Kilometer voneinander entfernt liegen, derart große Unterschiede aufweisen. Während große Markenartikelhersteller wie z. B. Henkel, Procter & Gamble, Unilever und Colgate im Bereich Körperpflege und Reinigung sowohl von der EU-Kommission als auch von mehreren EU-Ländern kartellrechtlich abgestraft wurden, wurden in Österreich bislang diesbezüglich keine Verfahren geführt. "Der europäische Binnenmarkt muss auch bei den österreichischen Haushalten ankommen", verlangt AK Gahleitner. "Eine künstliche Abschottung der Absatzmärkte durch marktmächtige Konzerne ist nicht länger zu akzeptieren."

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