- 13.05.2014, 13:19:53
- /
- OTS0177 OTW0177
Conchita-Sieg: Für Zulehner jede Diskriminierung abzulehnen
Wiener Pastoraltheologe Zulehner: In Kirche spielt "moralische Verwerfung" von Lebensgestaltung abseits des christlichen Ehe-Ideals de facto keine Rolle mehr
Utl.: Wiener Pastoraltheologe Zulehner: In Kirche spielt "moralische
Verwerfung" von Lebensgestaltung abseits des christlichen
Ehe-Ideals
de facto keine Rolle mehr =
Wien, 13.05.14 (KAP) Diskriminierung, gegen welche Lebensform auch
immer sie sich richtet, ist abzulehnen: Das hat der Wiener
Pastoraltheologe und Religionsforscher Paul Zulehner im Blick auf
den Eurovisions-Songcontest und die Toleranz-Botschaft der Siegerin
Conchita Wurst betont. Nicht erst seit Papst Franziskus habe sich in
der Kirche angesichts von Lebensgestaltungsmodellen, die vom
christlichen Ehe-Ideal abweichen, gezeigt, dass "jegliche moralische
Verwerfung keine Rolle mehr spielt" - und das sei gut so, wie
Zulehner in einem "Kathpress"-Gespräch am Dienstag sagte.
Freilich offenbarten Toleranzappelle wie jene von der erfolgreichen
österreichischen Drag Queen Conchita Wurst gerade auch, dass hier
noch eine Lücke zwischen Wunsch und Realisierung klafft.
Diskriminierung sei erst überwunden, wenn
Antidiskriminierungsbotschaften nicht mehr erforderlich seien, sagte
Zulehner.
Zugleich warb der Theologe für eine differenzierte Sicht von
Diskriminierung: Nicht jede behauptete müsse auch automatisch eine
sein, wobei er als Beispiel die laufende Debatte um Adoptionsrechte
für gleichgeschlechtliche Paare nannte. Wer dem Kindeswohl den
Vorzug gegenüber dem Anspruch Erwachsener auf ein eigenes Kind gebe,
sei deshalb noch kein Diskriminierender. Der seit Jahrzehnten mit
Europäischen Wertestudien befasste Zulehner warnte auch davor, dass
ein "ständiges Zum-Thema-Machen" diskriminierende Haltungen
verstärken statt abbauen könnte.
"Religiöse Inszenierung"
Den Eurovisions-Songcontest sieht Zulehner als "Fest gelungener
künstlerischer Aktivität" - mit durchaus religiös anmutender
Inszenierung. Das Erscheinungsbild von Conchita Wurst erinnere ihn
frappant an Jesus-Darstellungen im romantisierenden Nazarener-Stil.
Höchst ambivalent sei freilich die auch beim Songcontest
durchscheinende Verquickung von Religion und Nationalismus, die
neben Identitätsstiftung auch zur Legitimation von Ausgrenzung
herhalte: In Österreich gebe es zum Beispiel "Kulturchristen", die
in einem katholisch geprägten Land sichtbarer islamischer
Religiosität die Existenzberechtigung absprechen.
Die katholische Kirche sei mit Fragen rund um Geschlechteridentität,
Homosexualität, Beziehungsgestaltung und das Aufbrechen
traditioneller Familienbilder u.a. bei der Familiensynode im Herbst
2014 befasst und sei gut beraten, sich auf die heute vorfindbare
Vielfalt "tief einzulassen". Schon unter Benedikt XVI. sei ein aus
der Sicht Zulehners unumkehrbarer Diskussionsprozess darüber in Gang
gekommen, was vom Sakrament der Ehe bleibt, wenn die Liebe wegfällt.
Mehr auf www.kathpress.at (ende) rme/fam/
nnnn
OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | KAT






