Offener Brief an alle österreichischen Medien

Eine unterträgliche Entgleisung von Herrn Michael Jeannée in der Kronenzeitung vom 11. Mai 2014 veranlasst den Vorstand des Vereins Respekt.net zu einer öffentlichen Stellungnahme

Wien (OTS) - Wir verteidigen als Teil der österreichischen Zivilgesellschaft das Recht auf Kritik, ja auch von polemischer Kritik, an der Politik oder an einzelnen politischen Repräsentanten in den Medien gegen jegliche Einschränkung. Wir haben aber kein Verständnis für Vokabel wie Polit-Furunkel für Politikerinnen und Politiker in unserem Land. Diese Diktion erinnert uns an das NS-Hetzblatt "Der Stürmer". Wir fordern die Herausgeber der Kronenzeitung auf, sich vom Geist und Wortlaut der Kolumne des Herrn Jeannée vom 11. Mai 2014 umgehend öffentlich zu distanzieren. Wir sind entsetzt, dass die Chefredaktion diese Wortwahl überhaupt zugelassen hat.

Wir haben Verständnis, wenn sich der Bundeskanzler dieser Republik nicht auf eine Gesprächsebene mit Herrn Jeannée begeben möchte, auch wenn dieser das in seinem Artikel offensichtlich anstrebt. Mit der öffentlichen Bezeichnung Furunkel für ein Mitglied der Bundesregierung hat jedoch Herr Jeannée eine Toleranzgrenze überschritten, die lauten öffentlichen Widerspruch verlangt. Wir erwarten uns von Herrn Bundeskanzler Faymann ein klares Wort bezüglich dieser Aussagen und auch an den Verbreiter dieser Aussagen, die Kronenzeitung. Diese Wortwahl ist schlicht unzulässig.

Nach dem erfreulichen positiven europäischen Signal des Siegs von Conchita Wurst beim Song Contest sorgt Herr Jeannée für einen nationalen Tiefpunkt. Wir wollen das nicht als sogenannte "österreichische Realität" akzeptieren. Die Wortwahl von Herrn Jeannée in Kombination mit der Marktmacht der Kronenzeitung besudelt unsere Republik. Wir erwarten uns vom höchsten Repräsentanten unseres Landes, Herrn Bundespräsident Dr. Fischer, dass auch er klare Worte findet und derartige Aussagen öffentlich zurückweist.

Wir wollen ein offenes, tolerantes, respektvolles und solidarisches Österreich und keine Menschenhetze oder Politikbeschimpfung!

Wir werden zudem eine Anzeige beim Presserat gegen Herrn Jeannée und die Kronenzeitung bezüglich der Kolumne vom 11. Mai 2014 einbringen.

Vorstand Verein Respekt.net

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