Nie wieder Krieg und trotzdem Kunst

Kulturminister Ostermayer eröffnet Ausstellung im Leopold Museum

Wien (OTS) - "Nie wieder Krieg!". Diesem flammenden Appell von Ausstellungskuratorin Dr. Elisabeth Leopold stimmten die Besucher des Leopold Museum anlässlich der Eröffnung der Ausstellung "TROTZDEM KUNST!" begeistert zu. Kulturminister Dr. Josef Ostermayer war persönlich gekommen und hielt eine prägnante Rede anlässlich der den Schicksalen österreichischer Künstler im Ersten Weltkrieg gewidmeten Ausstellung.

Im Gedenken an "das traurige 100jährige Jubiläum" erinnerte Ostermayer an die unterschiedlichen Erfahrungen der Künstler und aller Menschen im Laufe des Krieges. Den Energien zu Beginn des Konfliktes, dem Aufleben des Nationalismus folgten bald die Ernüchterung, eine schwierige Zeit voller Verwirrung und Wut, die "Enttäuschung des Krieges" wie Sigmund Freud 1915 analysierte. Der Minister erinnerte an einen der bedeutendsten Gegner des Krieges, Stefan Zweig, der der Überzeugung war, dass "noch niemals ein Ereignis so viel kostbares Gemeingut der Menschheit zerstört habe, so viele der klarsten Intelligenzen verwirrt" wie dieser Krieg. Ostermayer erinnerte daran "wie wichtig ein friedvoller Umgang von Menschen und Staaten ist."

Leopold Museum Direktor Franz Smola skizzierte die Ausstellung des Leopold Museum als eine von mehreren Beispielen das Gedenkjahr 1914 anhand von Kunstausstellungen zu betrachten, wie das auch die Bundeskunsthalle in Bonn vor kurzem in der Ausstellung "Die Avantgarden im Kampf" getan hatte. Der Kurator dieser Ausstellung Uwe M. Schneede, steuerte auch einen wichtigen Artikel im Katalog der TROTZDEM KUNST! Ausstellung bei. Smola verwies auf das abrupte Ende der dichten internationalen Beziehungen im Jahr 1914. Und trotz allem entstand weiterhin bedeutende Kunst. Dem genialen Sammler Prof. Rudolf Leopold sei es zu verdanken, dass das Museum heute für diese Ausstellung aus dem Vollen schöpfen könne. Und es sei eine vordringliche Aufgabe, die Sammlung Leopold II künftig an das Haus zu binden. Denn aus dieser Privatsammlung der Familie dürfe das Museum immer wieder großartige Leihgaben für Ausstellungen borgen.

Ausstellungskurator Ivan Ristic stellte im Sinne der "Ungeschehenen Geschichte" von Alexander Demandt die verlockende Frage des "Was wäre wenn?" Was wäre, wenn kein Ultimatum an Serbien gestellt worden wäre, was wäre, wenn die serbischen Nationalisten nur Tomaten auf Franz Ferdinand geworfen hätten, was wäre, wenn eine reformierte Donaumonarchie weiter existiert hätte? All diese Fragen des Ungeschehenen seien Teil unseres Lebens. Nietzsche sprach vom glatten Eis "ein Paradeis für den, der gut zu tanzen weiß". Sein besonderer Dank ging an die zeitgenössischen internationalen Künstler, die mit ihren Arbeiten die Ausstellung bereichern. Kurator Stefan Kutzenberger konstatierte, dass das Kommen der hunderten Gäste zeige, dass "die Arbeit nicht umsonst war". Die Ausstellung sei schön geworden und das sei bei weitem kein Eigenlob, denn ein solches Projekt sei immer eine Gemeinschaftsarbeit unzähliger Hände und Köpfe. Die Künstler, die auch im Krieg unbeirrt weiter arbeiteten, verglich er mit dem tragischen Helden Don Quichote, der als fahrender Ritter über das Land zog, als es außer ihm schon längst keine Ritter mehr gab. Manche Künstler trieben auch im Ersten Weltkrieg ihre Karriere voran. Schiele, ganz Originalgenie im Sinne der Romantik, versuchte unablässig Ausstellungen zu organisieren und sein eigens Werk zu vermarkten.

Mit dem eingangs erwähnten Appell "Nie wieder Krieg" sprach Elisabeth Leopold von einer dezidierten Antikriegsausstellung. Das Leid, das Gemetzel, die Blinden, Tauben und Krüppel, Resultat eines unbarmherzigen Krieges und die Millionen Toten habe Albin Egger-Lienz in seinem epochalen Werk "Finale" auf den Punkt gebracht. Die konstruktiven Leichenfelder der Gefallenen wären Sinnbild der entsetzlichen Tragik. Doch bei aller Grausamkeit des Krieges entstand TROTZDEM KUNST! - der Leitsatz der Schau im Leopold Museum.

Zur Eröffnung kamen mit Bundesminister Dr. Josef Ostermayer Dr. Florian Schulz und Dr. Sirikit Amann, Referenten für Kunst und Kultur, Matthias Euler Rolle, der Pressesprecher des Ministers. Sich die Eröffnung nicht entgehen lassen wollten Sektionschef Dr. Michael Franz, MQ Direktor Dr. Christian Strasser, KHM Direktorin Dr. Sabine Haag.

Die Gastgeber, Leopold Museum Managing Director Mag. Peter Weinhäupl, Leopold Museum Vorstandsvorsitzender Dr. Helmut Moser sowie die Leopold Museum Vorstandsmitglieder Dr. Diethard Leopold, Dr. Andreas Nödl und AK Direktor Mag. Werner Muhm unterhielten sich angeregt mit den anwesenden KünstlerInnen der Ausstellung Paola De Pietri, Veronika Dreier, Raluca Popa, Franz Kapfer, Dmitri Gutov, Marko Lulic und Rasa Todosijevic und tauschten sich mit Prof. Florentina Pakosta, Linde Waber und Gerda Leopold aus. Gekommen waren auch die Katalogautoren Dr. Carl Kraus und MMag. Stephan Pumberger. Ebenfalls gesehen wurden Leonore Boeckl, Sammlerin Toyoko Hattori, Verleger Niki Brandstätter, Restaurator Mag. Manfred Siems und viele mehr.

Für die wunderbare musikalische Umrahmung sorgte das Hathor Quintett - Stephanie Ko, Valerie Leopold, Ekaterina Timofeeva, Huan Lin, Noemi Cavallo - mit dem 3. Satz aus Dmitri Schostakowitschs Klavierquinttet in g-Moll auf virtuose Weise.

Im Anschluss an die Eröffnung lud Direktor Weinhäupl die Ehrengäste in das Palais Strudlhof, einst Villa des Grafen Berchtold, der dort im heute noch original erhaltenen getäfelten Salon das Ultimatum an Serbien verfasste. Mag. Thomas Just, Direktor des Haus-, Hof- und Staatsarchivs gab den Gästen eine Einführung zur historischen Bedeutung des Ortes. Dr. Benedikt Spiegelfeld, Architekt Markus Spiegelfeld, die Familien Huber und Zimpel, Nachfahren von Gustav Klimt sowie Ausstellungsarchitekt Arnold Pastl (archiguards) waren ebenfalls zu Gast.

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