ORF zweifach mit dem CIVIS Medienpreis prämiert

Auszeichnung für "Tatort - Angezählt" und "dok.film: Mama Illegal"

Wien (OTS) - Beim Publikum war er ein Riesenerfolg, von der Jury des Adolf-Grimme-Preises wurde er mit dem begehrten Fernsehpreis bedacht - und nun wurde der ORF-"Tatort - Angezählt" auch mit dem Europäischen CIVIS Fernsehpreis 2014 (Kategorie "Unterhaltung/fiction") ausgezeichnet. Prämiert wurde das Drehbuch von Martin Ambrosch. Auch in der Kategorie "Information" geht der CIVIS Fernsehpreis heuer an den ORF: Für den vom ORF im Rahmen des Film/Fernseh-Abkommens unterstützten Film "dok.film: Mama Illegal" wurde Ed Moschitz geehrt. Die Verleihung fand gestern Abend, am Donnerstag, dem 8. Mai, im Auswärtigen Amt in Berlin statt. Unter den Gästen waren ORF-Generaldirektor Dr. Alexander Wrabetz und ORF-Fernsehdirektorin Mag. Kathrin Zechner.

Unter den Nominierten für den CIVIS Radiopreis 2014 waren außerdem die Ö1-"Journal-Panorama"-Ausgabe "Flüchtlinge als Nachbarn? Bürger machen mobil" von Cornelia Krebs (Kategorie "Lange Programme") sowie die Ö1-Reportage "Notfall Sprachbarriere: Kinder als Dolmetscher im Spital" von Veronika Mauler (Kategorie "Kurze Programme").

ORF-Generaldirektor Dr. Alexander Wrabetz: "Es macht mich sehr stolz, dass die beiden besten europäischen TV-Produktionen in den Kategorien Information und Unterhaltung in diesem Jahr vom ORF kommen bzw. mit ORF-Mitteln entstanden sind. Dass sich ORF-Radio- und -TV-Produktionen gegen mehr als 700 Einreichungen aus 24 europäischen Staaten durchsetzen und erneut in den unterschiedlichsten Kategorien für diesen renommierten europäischen Preis nominiert bzw. mit ihm bedacht wurden, zeugt neuerlich von der hohen Qualität unserer Angebote. Die Nominierungen und Auszeichnungen veranschaulichen eindrucksvoll den humanistischen und integrativen Programmcharakter dieser zutiefst öffentlich-rechtlichen Produktionen. Ich gratuliere den Preisträgern Ed Moschitz und Martin Ambrosch sehr herzlich."

ORF-Fernsehdirektorin Mag. Kathrin Zechner: "Beide Produktionen haben mit ihrer starken Erzählweise, einmal der fiktionalen und einmal der dokumentaristischen, etwas bewegt in der Gesellschaft. Der 'Tatort -Angezählt' von Regisseurin Sabine Derflinger und Drehbuchautor Martin Ambrosch hat über die Emotionalisierung der fiktionalen Erzählung in Österreich eine Diskussion über illegale Prostitution in Gang gesetzt. 'Mama Illegal' von Ed Moschitz ist eine international preisgekrönte Dokumentation über Frauen, die in Moldawien ihre Familien und bitterarme Dörfer verlassen müssen, um in Europa Geld zu verdienen. Er hat für uns unsichtbares Leid sichtbar gemacht. Ich gratuliere allen, die an den Produktionen mitgearbeitet haben zur Auszeichnung."

3sat berichtet am Sonntag, dem 11. Mai, um 10.15 Uhr von der Verleihung des "CIVIS Medienpreis 2014".

Mehr zum CIVIS Medienpreis für Integration und kulturelle Vielfalt in Europa

CIVIS zeichnet seit mehr als zwei Jahrzehnten Programmleistungen im Radio, im Fernsehen und seit 2010 auch im Internet aus, die das friedliche Zusammenleben von Menschen unterschiedlichster nationaler, ethnischer, religiöser oder kultureller Herkunft fördern. Zur Preisverleihung des renommierten europäischen Medienpreises waren 2014 20 Radio- und Fernsehprogramme sowie drei Webangebote nominiert. Von mehr als 709 Programmangeboten aus 23 EU-Staaten und der Schweiz - ein Einreichrekord - wurden insgesamt 20 Radio- und Fernsehprogramme sowie drei Webangebote für den Europäischen CIVIS Medienpreis 2014 nominiert. Schirmherren sind der deutsche Bundespräsident und der Präsident des Europäischen Parlaments.

Der europäische CIVIS Fernsehpreis zeichnet journalistische Fernsehprogramme zum Thema Integration und kulturelle Vielfalt aus. Am Wettbewerb können alle Fernsehsender in der Europäischen Union und der Schweiz teilnehmen. Der Preis wird in den Kategorien Information und Unterhaltung (fiction) vergeben. Die Dotierung beträgt in jeder Kategorie 3.000 Euro.

Mehr zu den preisgekrönten Produktionen

"Tatort - Angezählt" (CIVIS Fernsehpreis, Kategorie "Unterhaltung/fiction")
Mit u. a. Harald Krassnitzer, Adele Neuhauser, Hubert Kramar, Stefan Puntigam, Thomas Stipsits, Abdulkadir Tuncer, Murathan Muslu und Daniela Golpashin.
Buch: Martin Ambroch; Regie: Sabine Derflinger.

Die bulgarische Ex-Prostituierte Yulga geht in einer Zigarettenpause in Flammen auf. Der Täter - ein zwölfjähriger Bub. Er besprüht die rauchende Frau mit Benzin aus einer Pumpgun-Wasserpistole. Von wem hat sich Ivo (Abdulkadir Tuncer) zu der grausamen Tat überreden lassen und warum? Er schweigt beharrlich. Ivos Mutter wird von dem brutalen Zuhälter Aziz (Murathan Muslu) auf den Straßenstrich gezwungen. Als Ivo verschwindet, geht die Polizei davon aus, dass er aus dem Weg geräumt werden soll. Die Ermittler Moritz Eisner (Harald Krassnitzer) und Bibi Fellner (Adele Neuhauser) nehmen die Suche auf. Prostitution und Menschenhandel - hochspannend, schonungslos. Ein Ausnahmekrimi mit großartigen Schauspielern.

Jurybegründung: Ein realistischer Ausnahmekrimi, ein intensives psychologisches Ermittler-Drama: Es geht um Zwangsprostitution und organisierten Menschenhandel. Die Wiener Tatort-Kommissare ermitteln in einem brutalen Fall: mit einem zwölfjährigen und damit nicht strafmündigem Täter. Die Polizei scheint dem Schattenwirtschaftssystem des Menschenhandels machtlos gegenüberzustehen. Der Fernsehfilm von Martin Ambrosch berührt und beschäftigt nachhaltig. Die exzellente Regie wie schauspielerische Leistung tragen zum herausragenden Gesamteindruck entscheidend bei. Ein großartiger Film.

"Tatort - Angezählt" ist eine Produktion des ORF, hergestellt von Superfilm.

"dok.film: Mama Illegal" (CIVIS Fernsehpreis, Kategorie "Information/non fiction")
Buch und Regie: Ed Moschitz

Sie putzen fremde Wohnungen, kümmern sich um die Kinder, pflegen alte Menschen - und leben in ständiger Angst, abgeschoben zu werden. Sie arbeiten heimlich, unsichtbar, illegal. Die Trennung von ihren Familien ist der Preis für ihre Zukunft. Ihre Heimat wird für sie zu einer Welt, in der sie nur schwer zurechtkommen. Die Kinder werden alleine groß, die Eheleute entfremden sich. Die Dokumentation zeichnet sieben Jahre im Leben dreier Frauen aus Moldawien nach. Der Film zeigt den Preis für ein besseres Leben. Hochaktuell, berührend, erschütternd - formal wie inhaltlich herausragend.

Jurybegründung: Ed Moschitz dokumentiert die Folgen illegaler Arbeitsmigration und den Verlust von Heimat. Einfühlsam wird das Leben von drei moldawischen Frauen dargestellt. Ihre Ängste, die Unsicherheit ihres illegalen Status - aber auch die Kraft und der Mut der Frauen. "Mama Illegal" zeigt das enorme Wohlstandsgefälle in Europa, Ausbeutung und Dörfer ohne Frauen, in denen Kinder ohne Mütter aufwachsen. Ein politisch wichtiger, ein erschütternder Film -über Menschen, die versteckt in unseren Städten leben.

"Mama Illegal" ist eine Golden Girls Filmproduktion, hergestellt mit Unterstützung des Österreichischen Filminstituts, des ORF im Rahmen des Film/Fernseh-Abkommens, des Filmfonds Wien und des Landes Steiermark.

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