Digitale Wienbibliothek: Zeitungsausschnittsammlung zum Ersten Weltkrieg online

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Wien (OTS) - Die thematisch indexierte Zeitungsausschnittsammlung der Wienbibliothek ist einer der wertvollsten österreichischen Beiträge im gewärtigen Literatur- und Digitalisierungsboom zum Ersten Weltkrieg im heurigen Gedenkjahr. Bisher von einem kleinen Kreis von HistorikerInnen hoch geschätzt und genutzt, steht sie nunmehr auch komplett online zur Verfügung. Die Sammlung kann nach Titel, Schlagwort, Datum und Name der Zeitung durchsucht werden. Die 604 Bände mit insgesamt 116 000 Zeitungsausschnitten erschließen eine riesige Fülle an Material.

Inhalte der Zeitungsausschnittsammlung

Der größte Teil der Wiener Zeitungsausschnittsammlung zum Ersten Weltkrieg widmet sich der sogenannten "Approvisionierung", dem alles beherrschenden, ganz großen Thema in der Kriegszeit. Zeitungsausschnitte zur Versorgung mit Lebensmitteln ergänzen solche zur Versorgung mit Kohle oder Petroleum. Aber auch viele andere Bestände (Stimmungsbilder, Teuerung) fokussierten auf die Frage, wie Wien in der Ausnahmesituation des Krieges überleben konnte. Der Frage der Infrastruktur wird in großen thematischen Blöcken (Sanitäre Angelegenheiten: Spitäler, Epidemien, Verkehrswesen, Fürsorge, Volkswirtschaft, Wohnen) dokumentiert.
Auch das Kulturleben (Literatur, Theater, Kunst und Kunstgewerbe, Sprachreinigung, Museen) wird berücksichtigt. Kurios wirken heute die 24 Bände an Kriegslyrik. Thematisch beschränkt sich die Zeitungsausschnittsammlung keinesfalls auf Wien. Mit der Sammlung lässt sich nachvollziehen, dass viele Entwicklungen und Diskussionen, die im Deutschen Reich angestoßen wurden, auch mit Zeitverzögerung in Österreich und Wien auch griffen (das Kartensystem, Mitteleuropa als Wirtschaftsraum, zentrale Bewirtschaftung der Rohstoffe). Mit ihrer Hilfe lässt sich der Blick auf Gemeinsamkeiten und Unterschiede schärfen.

Die Dokumentation des Zusammenbruchs

Bemerkenswert an der während der Kriegszeit im Rathaus zusammengetragenen Presseschau war immerhin, dass durch die Einbeziehung ausländischer Blätter die Zensur umgangen wurde, denn ungarische, Schweizer oder deutsche Korrespondenten konnten und durften bei Berichten aus Wien und über Wien vieles schreiben, was in Österreich der Zensur zur Opfer fiel. Die ursprüngliche Zielsetzung der Zeitungsausschnittsammlung verkehrte sich nach und nach in das Gegenteil. Nach dem Willen von Bürgermeister Richard Weiskirchner hätte sie ein Beleg für die große, eiserne Zeit und den weltgeschichtlichen Aufbruch der Habsburgermonarchie und ihrer Reichshaupt- und Residenzstadt sein sollen. Nach Kriegsbeginn wurde die Dokumentation mehr und mehr zum Beleg für die mangelnde Vorbereitung und das blanke Chaos. Für die Mehrheit der Wienerinnen und Wiener war der Erste Weltkrieg mit Hunger und Elend, Tod und Krankheit, sozialer Deklassierung und urbanem Niedergang verbunden.

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