TIROLER TAGESZEITUNG. Leitartikel vom 8. Mai 2014 von Katharina Zierl - Vorsorgen statt nachbessern

Innsbruck (OTS) - Utl.: Tragende Säulen des neuen Mammografie-Programms wurden gekippt. Ein undurchsichtiges Hin und Her, das nicht nur die Frauen verunsichert. Eine intensivere Vorbereitung hätte das panische Nachbessern verhindern können.

Zurückrudern kostet Energie. Auch oder gerade im Haifischbecken der Politik. Gesundheitsminister Alois Stöger hielt das Vorsorge-Schiff, so lange es ging, auf Kurs. Dem eisigen Wind, der ihm von Experten entgegenblies, konnte er schlussendlich aber doch nicht standhalten. Vor allem die Tatsache, dass die Frauen-Teilnahmequote an Mammografien seit Installierung des neuen Programms mit Anfang 2014 rapide sank, schlug hohe Wellen. Zu hohe, wie sich herausstellte. Ärztekammer und Sozialversicherung präsentierten gestern die neue Variante des nur vier Monate alten Mammografie-Programms. Alle Frauen dürfen demnach ab 1. Juli selbst entscheiden, wann sie zur Mammografie gehen wollen. Lediglich die E-Card ist dazu nötig. Die Einladungen per Post, die zuvor so inbrünstig verteidigt wurden, sind gescheitert.
Ein unbedarfter, von politischen Machtspielchen freier Beobachter könnte also durchaus sagen, dass eine späte Einsicht besser ist als gar keine. Fakt ist jedoch, dass die unzureichende Vorbereitung auf die Umstellung eines bewährten Systems zu großer Verunsicherung bei den Frauen geführt hat. Die unpersönlich gestalteten Einladungen wurden von vielen ungelesen weggeworfen. Andere fühlten sich nicht angesprochen, weil sie der Meinung waren, diese Dinge ohnehin mit ihrem Gynäkologen besprechen zu können. Eine intensive Auseinandersetzung mit den realen Abläufen in den Arztpraxen hätte Fehler in der Erarbeitung des kassenfinanzierten Mammografie-Programms vermeiden können. Selbstbestimmung ist auch bei der Vorsorge ein zentraler Faktor. Niemand will sich vorschreiben lassen, in welchem Zeitraum er sich einer Untersuchung unterziehen soll.
Es sind die vielfach von Eigeninteressen getriebenen Standpunkte und Vorstöße, welche wesentliche Verhandlungen hinter dem Vorhang prägen. Egal ob Politiker, Ärzte oder Versicherer - jeder hat einen Rucksack zu tragen, dessen Last er möglichst gering halten will. Verunsicherten Außenstehenden bleibt wie so oft nur der Blick auf die Bühne, auf der die Protagonisten das einstudierte Schauspiel präsentieren. Was fernab dieses Theaters hinter und vor dem Vorhang aber tatsächlich zählt, ist der Nutzen für den Bürger. In diesem Fall der Vorteil für die Frauen, die künftig den Zeitpunkt bestimmen, wann sie sich einer Mammografie unterziehen. Und somit selbst das Ruder in die Hand nehmen.

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