Tiroler Tageszeitung, Leitartikel, Ausgabe vom 5. Mai 2014. Von Florian Madl. "Was uns das Wacker-Schicksal lehrt".

Innsbruck (OTS) - Untertitel: Der besiegelt scheinende Abstieg des FC Wacker Innsbruck steht wie ein Mahnmal über der Tiroler Sportpolitik. Die Verantwortlichen streben nach Höherem und übersehen vor lauter Visionen die Aufgaben vor der Haustür.

Längstens drei Wochen darf der FC Wacker Innsbruck noch hoffen. Die Hoffnung, dass die sportlich durchaus ligataugliche Admira aufgrund wirtschaftlicher Probleme keine Spiellizenz erhält und die Tiroler dadurch erstklassig bleiben, endet dann. Aber selbst dieser juristische Ausweg kann Probleme, die die heimische Sportszene begleiten und für die Schwarzgrün sinnbildlich steht, nicht übertünchen. Für Vereine wie Veranstaltungen gilt hierzulande: Seit Jahren funktioniert nur, was Tradition, touristischer Federführung oder gestandener Struktur entspringt. Wenn die Veranstalter der Hahnenkammrennen aufgrund von Schneemangel 200.000 Euro in den Helikoptertransport investieren, muss dafür kein Mitglied des Kitzbüheler Skiclubs auf Betteltour ins Landhaus. Und die Veranstalter des Ötztaler Radmarathons pilgern nur dann dorthin, wenn es um Straßensperren geht.
Auf Vereinsebene halten die Volleyballer von Hypo Tirol und die Footballer der Swarco Raiders ebenso wenig die Hand auf. Solche Vorgänge sind nach deren Interpretation eher als Kurzschlusshandlung zu werten und bringen zumeist nichts als Hilflosigkeit zum Ausdruck. Budgets müssen - Visionen hin oder her - eingehalten werden. Und was nicht leistbar ist, wird nicht anvisiert. Das verhält sich in den übrigen Bundesländern nicht anders, nur scheint das dort besser zu funktionieren. Vergleichbare Städte wie Linz, Graz, Bregenz oder Salzburg etablieren Marathons mit Tausenden Teilnehmern, obwohl die Kultur dort einen ungleich höheren Stellenwert einnimmt. Auch die Infrastruktur muss anderswo nicht über abenteuerliche Konstrukte querfinanziert werden: Man bekennt sich zu einem Verein, einer Sporteinrichtung und deklariert das entsprechend. Das erspart Diskussionen à la Ice Art (Eishalle in Telfs) oder Schwimmhalle (Projekt in Innsbruck), wo Kosten und Nutzen anhaltend neu bewertet oder überhaupt verworfen werden.
Hierzulande stehen die Lobbyisten vor allem dann auf, wenn Veranstaltungen von einer Europameisterschaft aufwärts zu akquirieren sind, zahlen darf zu einem nicht unbeträchtlichen Teil die öffentliche Hand. Was den Nerv des Volks trifft, was als reine Breitensportveranstaltung firmiert, geht in der Wahrnehmung unter. Nicht anders ist der Ärger der Tiroler zu verstehen, die sich den FC Wacker leisten. Genug Geld kann es für einen Profiklub nie sein. Und wenn der Verein absteigt, muss das erst recht hinterfragt werden.

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